Familienplanung ist ein Menschenrecht

Kondome Familienplanung ist ein Menschenrecht (© Joe Cicak/Istockphoto)

Die Zahl der Menschen und ihr Ressourcenverbrauch haben großen Einfluss auf die Umwelt. Deshalb muss in den reichen Ländern der überbordende Verbrauch sinken. Zugleich nehme der Druck auf die Natur ab, wenn das Bevölkerungswachstum gebremst würde. Dafür sind Frauenrechte, Armutsbekämpfung und freiwillige Familienplanung wichtig.

Appell

An: Regierungen der Mitgliedstaaten der UN

„Die Regierungen müssen sich stärker für die Rechte von Frauen und den Zugang zu Verhütungsmitteln einsetzen.“

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Die Zahlen zur Bevölkerungsentwicklung sind deutlich: Laut Vereinten Nationen leben heute 7,7 Milliarden Menschen auf der Erde, 2050 könnten es Prognosen zufolge 9,7 Milliarden sein.

Die Bevölkerungsentwicklung hat unbestreitbar Einfluss auf Umwelt und Klima. Das Wachstum zu bremsen, verringert zusätzliche Belastungen. Doch die Schlussfolgerung, dass im Gleichschritt mit der Bevölkerung die Umweltzerstörung und der Ausstoß von Treibhausgasen steigen, ist zu kurz gedacht. Ein wesentlicher Aspekt ist, wie viele Ressourcen der Einzelne verbraucht.

Der Großteil des prognostizierten Bevölkerungswachstums findet in Ländern statt, die aufgrund von Armut kaum zum Ressourcenverbrauch und zu Emissionen beitragen. Demgegenüber ist die Geburtenrate in den Ländern, die die meisten Umweltschäden pro Kopf verursachen, zumeist niedrig. Beim Kampf gegen die Umweltzerstörung und die Klimakatastrophe hat die Reduzierung des Ressourcenverbrauchs in den wohlhabenden Ländern daher oberste Priorität!

Erfahrungen zeigen, dass die Geburtenrate mit der wirtschaftlichen Entwicklung sinkt. Experten sprechen vom demographischen Wandel. Die Beseitigung von Armut ist somit über moralische Gründe hinaus ein zentrales Anliegen.

Ebenso wichtig ist die Stärkung von Frauen.

Viele Frauen insbesondere in Entwicklungsländern hätten gern weniger und zu einem späteren Zeitpunkt Kinder, können diesen Wunsch jedoch nicht durchsetzen. Oft bestimmen Männer die Familienplanung. Die Rechte von Frauen müssen daher gestärkt werden. Dazu gehört zuallererst Schulbildung für Mädchen über die Grundschule hinaus. Zudem ist der Zugang zu Verhütungsmitteln und zu medizinischer Versorgung wichtig.

Die Regierungen müssen sich stärker für die Rechte von Frauen und den Zugang zu Verhütungsmitteln einsetzen.

Hinter­gründe

World Population Prospect der Vereinten Nationen

- Die Weltbevölkerung wächst zwar, jedoch aufgrund der fallenden Geburtenrate so langsam wie seit den 1950er Jahren nicht mehr. Bei der mittleren Prognose (medium-variant projection) steigt die Zahl der Menschen von heute 7,7 Milliarden auf 9,7 Milliarden 2050 und 10,9 Milliarden 2100. Möglicherweise hat die Bevölkerungszahl dann ihren Höhepunkt erreicht.

- Das Bevölkerungswachstum stellt insbesondere die 47 ärmsten Länder vor große Herausforderungen. In einigen wird sich die Bevölkerung bis 2050 verdoppeln.

Mehr als 50 Prozent des prognostizierten Bevölkerungswachstums konzentrieren sich in lediglich neun Ländern: in Ägypten, Äthiopien, der Demokratischen Republik Kongo, Indien, Indonesien, Nigeria, Pakistan, Tansania und den USA. Indien wird China als bevölkerungsreichstes Land etwa 2027 ablösen. In 55 Ländern und Regionen wird die Bevölkerung schrumpfen.

- Die Geburtenrate ist in vielen Ländern deutlich gefallen, so dass mehr als 50 Prozent der Erdbevölkerung in Ländern lebt, wo durchschnittlich weniger als 2,1 Kindern pro Frau geboren werden, die Bevölkerung also nicht wächst.

Weltweit wurden 2019 statistisch 2,5 Kinder pro Frau geboren, 2050 werden es 2,2 sein und 2100 voraussichtlich 1,9.

Über 2,1 Kinder pro Frau liegen Afrika südlich der Sahara (4,6 statt 6,3 in 1990), Ozeanien (3,4 statt 4,5), Nordafrika und Westasien (2,9 statt 4,4) und Zentral- und Südasien (2,4 statt 4,3). Erwartet wird, dass die Raten weiter fallen, beispielsweise in Afrika südlich der Sahara auf 3,1 Kinder 2050 und 2,1 im Jahr 2100.

Unter 2,1 Kinder pro Frau liegen Lateinamerika und die Karibik (2,0 statt 3,3) und Ost- und Südostasien (1,8 statt 2,5). In Australien und Neuseeland werden 1,8 Kinder pro Frau geboren, in Europa und Nordamerika 1,7.

- Zweidrittel des prognostizierten Wachstums bis 2050 sind selbst dann zu erwarten, wenn die Geburtenrate in den Ländern mit der höchsten Rate umgehend auf zwei Kinder pro Frau fallen würde. Das liegt daran, dass der Anteil von Kindern und Jugendlichen an der Bevölkerung hoch ist und sie in den nächsten Jahrzehnten ins reproduktive Alter kommen und Eltern werden.

- Die Lebenserwartung bei Geburt ist weltweit betrachtet seit 1990 um 8 Jahre auf 72,6 Jahre gestiegen. Bis 2050 soll der Wert auf 77,1 Jahre weiter steigen. Regional gibt es jedoch erhebliche Unterschiede: Aufgrund hoher Kinder- und Müttersterblichkeit, HIV und gewaltsamer Konflikte ist die Lebenserwartung in den ärmsten Ländern bis zu 7,4 Jahre niedriger als der Weltdurchschnitt. Deutliche Verbesserungen gibt es in Afrika südlich der Sahara, wo die Lebenserwartung um 12 Jahre auf 61,1 Jahre gestiegen ist. In Zentral- und Südasien stieg sie um 11 Jahre auf jetzt 69,9.

Erschreckend hoch ist die Bandbreite der Lebenserwartung: So liegt sie in Japan bei 84 Jahren, in der Zentralafrikanischen Republik, dem Tschad, Lesotho, Nigeria und Sierra Leone unter 55 Jahren.

- 36 Länder und Regionen verzeichnen zwischen 2010 und 2020 die Zuwanderung von jeweils mehr als 200.000 Personen, in 14 davon wandern innerhalb eines Jahrzehnts mehr als 1 Million Menschen zu.

- Zwischen 2015 und 2020 werden weltweit geschätzt 62 Millionen Babys von Frauen im Alter zwischen 15 und 19 Jahren geboren.

Ungewollte Schwangerschaften

Weltweit können 200 Millionen Frauen eine Schwangerschaft nicht verhüten, obwohl sie es wollten, so eine in der Zeitschrift BMJ Sexual & Reproductive Health veröffentlichte Studie. (UNFPA spricht gar von 232 Millionen Frauen in den Entwicklungsländern.) Das führt zu jährlich rund 99 Millionen ungewollten Schwangerschaften, was 44 Prozent aller Schwangerschaften entspricht. Etwa die Hälfte endet mit einer Abtreibung und ein gewisser Teil mit Fehlgeburten.

Ursachen sind der schlechte Zugang zu Verhütungsmitteln und medizinischer Versorgung, die hohen Kosten, die Ablehnung von Verhütung durch den Mann und traditionelle, soziale und religiöse Normen.

UNICEF schätzt, dass in diesem Jahr weltweit 12 Millionen Minderjährige unter 18 Jahren heiraten beziehungsweise verheiratet werden, 82 Prozent von ihnen Mädchen. Das verstößt nicht nur gegen die Rechte der Kinder etwa auf Bildung, sondern führt häufig auch zu frühen Schwangerschaften mit hoher Müttersterblichkeit.

UN-Bevölkerungsfond (UNFPA)

Bereits vor 25 Jahren wurde während der International Conference on Population and Development (ICPD) das Cairo Programme of Action beschlossen, das das Recht von Frauen auf Selbstbestimmung betonte. Bei der Umsetzung gibt es jedoch erhebliche Defizite.

Vom 12. bis 14. November 2019 fand in Nairobi endlich die Folgekonferenz ICPD25 statt.

Es gibt starken und teils zunehmenden Widerstand gegen Familienplanung, Sexualaufklärung und Abtreibung bei Geistlichen verschiedener Religionen, rechtspopulistischen Kreisen in Europa und nicht zuletzt US-Präsident Donald Trump, der Zahlungen für den UN-Bevölkerungsfonds und viele Nichtregierungsorganisationen empfindlich gekürzt hat.

Ressourcenverbrauch - Earth Overshoot day

Beim Ressourcenverbrauch gibt es weltweit erhebliche Unterschiede: Plastisch lässt sich das am „World overshoot day“ zeigen. Das ist der Tag des Jahres, an dem die Menschheit rechnerisch die Ressourcen aufgebraucht hat, die ihr für dieses Jahr zur Verfügung stünden. 2019 war dieser „Erdüberlastungstag“ bereits am 29. Juli erreicht, so früh wie noch nie.

Für ihren derzeitigen Ressourcenverbrauch bräuchte die Menschheit 1,75 Erden.

Würden alle Menschen so leben wie in den USA, bräuchten wir 5 Erden, bei einer Lebensweise wie in Deutschland wären es 3, wie in Frankreich und Großbritannien beispielsweise jeweils 2,7 und wie in Spanien 2,5.

Ressourcenverbrauch - Kohlendioxid-Emissionen

Laut Europäischer Union betrug der CO2-Ausstoß 2017 weltweit 4,91 Tonnen pro Person, in der EU mit 6,97 deutlich mehr und in Deutschland mit 9,70 noch darüber.

Lässt man Klein- und Golfstaaten weg, stehen Kanada (16,85), Australien (16,45) und die USA (15,74) an der Spitze der Verschmutzer. In China liegt der Wert bei 7,72 Tonnen pro Kopf, in Indien bei 1,83. Zu den Ländern mit den niedrigsten Emissionen pro Kopf gehören die Elfenbeinküste (0,51), Nigeria (0,50), Liberia (0,24) und die Demokratische Republik Kongo (0,04).

In absoluten Zahlen verursacht China die meisten CO2-Emissionen: knapp 11 Gigatonnen von weltweit 37 Gigatonnen, gefolgt von den USA und der EU28. Deutschland ist sechstgrößter Verursacher mit knapp 0,8. Nigeria verursacht lediglich 0,09, Liberia 0,001 Gigatonnen.

Weiterführende Links

Deutsche Stiftung Weltbevölkerung

World Population Growth - Grafiken und Erklärungen

Population Growth Europe

Informationen der Bundesregierung

https://www.bmz.de/de/themen/bevoelkerungsdynamik/index.html

https://www.bmz.de/de/themen/bevoelkerungsdynamik/dokumente_und_links/index.html

https://www.bmz.de/de/themen/frauenrechte/deutsche_politik/index.html

Informationen der UN

United Nations Population Fund (UNFPA)

https://www.unfpa.org/icpd

https://www.unfpa.org/family-planning

https://www.unfpa.org/climate-change

https://www.unfpa.org/publications/demography-adaptation-climate-change

Friends of the UNFPA

Population Devision

https://www.un.org/en/development/desa/population/index.asp

https://population.un.org/wpp/

UN Woman

Videos und Animationen

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The overpopulation myth

Mythos Überbevölkerung - Don't Panic - Hans Rosling

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We’ve worried about overpopulation for centuries. And we’ve always been wrong.

I’m an environmental journalist, but I never write about overpopulation.

What’s driving Africa’s population growth. And what can change it

Forschungseinrichtungen

Max-Planck-Institut für demografische Forschung

Population Europe

Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung

An­schreiben

An: Regierungen der Mitgliedstaaten der UN

Sehr geehrte Regierungsvertreter der Mitgliedstaaten der UN,

die Zahlen zur Bevölkerungsentwicklung sind deutlich: Laut Vereinten Nationen leben heute 7,7 Milliarden Menschen auf der Erde, 2050 könnten es Prognosen zufolge 9,7 Milliarden sein.

Die Bevölkerungsentwicklung hat unbestreitbar Einfluss auf Umwelt und Klima. Das Wachstum zu bremsen, verringert zusätzliche Belastungen. Doch die Schlussfolgerung, dass im Gleichschritt mit der Bevölkerung die Umweltzerstörung und der Ausstoß von Treibhausgasen steigen, ist zu kurz gedacht. Ein wesentlicher Aspekt ist, wie viele Ressourcen der Einzelne verbraucht.
Der Großteil des prognostizierten Bevölkerungswachstums findet in Ländern statt, die aufgrund von Armut kaum zum Ressourcenverbrauch und zu Emissionen beitragen. Demgegenüber ist die Geburtenrate in den Ländern, die die meisten Umweltschäden pro Kopf verursachen, zumeist niedrig. Beim Kampf gegen die Umweltzerstörung und die Klimakatastrophe hat die Reduzierung des Ressourcenverbrauchs in den wohlhabenden Ländern daher oberste Priorität!

Erfahrungen zeigen, dass die Geburtenrate mit der wirtschaftlichen Entwicklung sinkt. Die Beseitigung von Armut ist somit über moralische Gründe hinaus ein zentrales Anliegen.

Viele Frauen insbesondere in Entwicklungsländern hätten gern weniger und zu einem späteren Zeitpunkt Kinder, können diesen Wunsch jedoch nicht durchsetzen. Oft bestimmen Männer die Familienplanung. Die Rechte von Frauen müssen daher gestärkt werden. Dazu gehören zuallererst Schulbildung für Mädchen über die Grundschule hinaus und Erwerbsmöglichkeiten für Frauen. Zudem ist der Zugang zu Verhütungsmitteln und zu medizinischer Versorgung wichtig.

Bitte setzen Sie sich dafür ein, dass Frauenrechte, Bildung für Mädchen und Zugang zu Verhütungsmitteln und zu medizinischer Versorgung mehr Gewicht bekommen.

Mit freundlichen Grüßen,

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