Wasserraub für Avocados in Chile stoppen

Collage: Avocados (li.) - Demonstration in Chile (re.) Collage: Avocados - Demonstration in Chile (© Movimiento por el Agua y los Territorios MAT - Collage RdR)

Avocados liegen im Trend - gut 700.000 Tonnen importierten die EU-Länder vergangenes Jahr. In den Anbaugebieten hat der Avocadoboom fatale Folgen: In Chile haben die Avocadoexporteure die Wasserrechte gekauft und trocknen mit Bewässerungspumpen die Natur völlig aus. Den Einwohnern lassen sie keinen Tropfen übrig.

News und Updates Appell

An: Präsident der Republik Chile Sebastián Piñera; Umweltministerium, Ministerin María Carolina Schmidt Zaldívar; Provinzregierung der Provinz Petorca; Generaldirektion der Wasserbehörde DGA

„Wasser ist ein Grundrecht: Das Wassergesetz von 1981 in Chile aufheben, den Avocadoanbau einschränken und Zugang zu Wasser für die Einwohner garantieren“

Ganzes Anschreiben lesen

Die Berge in der Provinz Petorca sind staubtrocken. Hier 150 Kilometer nördlich der Hauptstadt Santiago de Chile fallen nur 200 mm Regen pro Jahr. Die Einwohner leben daher seit jeher in den Talsohlen, wo Flüsse aus den Anden ein wenig Landwirtschaft ermöglichen.

Doch seit einigen Jahren macht ein Millionenheer von durstigen Obstbäumen den Menschen das Wasser streitig. Auf 8.000 Hektar Fläche bauen Firmen Obst für den Export an, die meisten von ihnen Avocados.

Endlose Reihen von saftig grünen Avocadobäumen ziehen sich von den Tälern die Berghänge hinauf. Jeder Avocadobaum benötigt etwa 600 Liter Wasser pro Woche. Mit Pumpen saugen die Plantagenbetreiber das kostbare Nass aus Tiefbrunnen in Bewässerungsteiche.

In den umliegenden Gebieten sind die Flüsse dagegen ausgetrocknet, die Vegetation verdorrt und die Felder der Kleinbauern liegen brach. Seit 10 Jahren ist die Gegend zu einer Megatrockenheit verdammt. Auch das Grundwasser geht zur Neige - nach Angaben der zuständigen Wasserbehörde sind die Wasservorräte bereits um 80% gesunken.

Die Bevölkerung beklagt das als Wasserdiebstahl. Die Behörden erteilen den Avocadofirmen Wasserrechte, viele Brunnen wurden wohl auch illegal gebohrt. Die Geschäftsinteressen und der Export von Früchten sind offenbar wichtiger als die Rechte der Einwohner.

Die Behörden liefern den Einwohnern in Zisternenwagen 50 Liter Wasser pro Person und Tag. Die Menge reicht nicht aus, um ein menschenwürdiges Leben zu führen, die Grundbedürfnisse zu decken und traditionelle Landwirtschaft zu betreiben.

Organisationen wie das Movimiento por el Agua y los Territorios und die Schule für Agrarökologie Germinar wollen das Wasser für Mensch und Natur zurückgewinnen. Sie fordern eine gerechte Verteilung des Wassers und die Aufhebung des Wassergesetzes aus der Zeit der Militärdiktadur.

Hinter­gründe

Produktion und Verbrauch von Avocados weltweit

Die ölhaltigen Früchte werden als besonders gesund und als “Superfood” beworben. Nach Angaben der FAO lag die Weltproduktion von Avocados im Jahr 2017 bei 5,7 Millionen Tonnen (t). Die weltweiten Avocado-Exporte erreichten 2019 nach Branchenangaben 2,2 Mio. t. Hauptabnehmer sind die USA mit einem Anteil von 52% gefolgt von den EU-Ländern mit 28%.

Der global größte Avocado-Produzent ist Mexiko mit mehr als 2 Mio. t pro Jahr. Es folgen die Dominikanische Republik und Peru. Chile produzierte etwa 245.000 t Avocados im Jahr 2018. Laut dem chilenischen Verband der Fruchtindustrie exportierte Chile 2018 143.000 t Avocados (99% der Sorte Hass). 60% der Ausfuhren gingen demnach nach Europa.

Laut der Welt Avocado Organisation (WAO) steigt die Nachfrage nach Avocados um 4,6% jedes Jahr, nach Branchenangaben aus Chile sogar um durchschnittlich 12%. Für die Europäische Union prognostiziert die WAO einen Absatz von 750.000 t Avocado im Jahr 2020 aus verschiedenen Erzeugerländern.

In Deutschland lag der Verbrauch laut Statista bei 94.000 t im Jahr 2018, das entspricht etwa 1,1 kg pro Person und Jahr. Laut WAO lag der Verbrauch in Frankreich 122.000 t 1,8 kg/Person/Jahr, in Großbritannien bei 98.000 t. Unter den Nettoimporteuren von Avocados sind die Vereinigten Staaten mit 1,09 Mio. t pro Jahr (3,4 kg/Person/Jahr) der größte Verbraucher.

Spanien (Andalusien) erzeugte 2019 nach Branchenangaben 61.000 t Avocados. Der Konsum im Land betrug mehr als 74.000 t im Jahr 2018 (entspricht etwa 1,6 kg/Person/Jahr).

Die WAO gibt den Wasserverbrauch von Avocados mit 1.000 Liter pro Kilogramm Avocado an.

An­schreiben

An: Präsident der Republik Chile Sebastián Piñera; Umweltministerium, Ministerin María Carolina Schmidt Zaldívar; Provinzregierung der Provinz Petorca; Generaldirektion der Wasserbehörde DGA

Sehr geehrter Herr Präsident Piñera,
Sehr geehrte Frau Umweltministerin Schmidt Zaldívar
Sehr geehrte Frau Gouverneurin von Petorca Paz Santelices:

Gemeinden wie Calle Larga, Chalaco, Chincolco, Pedegüa, Hierro Viejo, El Francés, Pedernal, Las Palmas, Quebrada de Castro u.a., die alle zur Kommune Petorca gehören, haben keinen angemessenen Zugang zu Wasser für den menschlichen Verbrauch und zur Bewässerung der traditionellen landwirtschaftlichen Kulturen.

Stattdessen hat die Avocado-Industrie das Wasser monopolisiert, das der Bevölkerung verweigert wird. Die auf der Extraktion der Naturressourcen basierende Politik in Chile, die sich auch in anderen exportorientierten Branchen wie Bergbau, Forstwirtschaft, Fischerei und Energie widerspiegelt, verdrängt die Gemeinden und zerstört die Natur.

Es ist dringend erforderlich, dass sie die Bedeutung von Wasserkreisläufen in der Natur und für die Ökosysteme sowie andere Formen der Wasserwirtschaft erkennen. Zu diesem Zweck müssen sie zunächst das Wassergesetz als eine der grundlegenden Maßnahmen zur Entprivatisierung von Wasser in Chile aufheben. Das während der Militärdiktatur im Jahr 1981 erlassene Gesetz hat einen Markt um dieses grundlegende öffentliche Gut herum geschaffen und gewährt Unternehmen übermäßige Wasserrechte.

In diesem Zusammenhang glauben wir, dass es unerlässlich ist, die Natur als ein politisches Subjekt zu betrachten, das Rechte hat, die respektiert werden müssen.

Es ist eine wesentliche Funktion der öffentlichen Verwaltung, Wasser als ein nationales Gemeingut zu betrachten und notwendig, eine Bewirtschaftung des Wassers auf Gemeindeebene zu schaffen. Wasser muss in Chile als Menschenrecht und als Recht der Natur in einer neuen Verfassung und einer neuen Gesetzgebung garantiert werden. Beide müssen die Menschen, ihre Gemeinschaften, das Land und seine biologische Vielfalt schützen. Für diese Ziele setzen sich die Bewegung für Wasser und Territorien (Movimiento por el Agua y los Territorios - MAT) und die Schule für Agrarökologie Germinar (Escuela de Agroecología) der Gemeinde Petorca ein.

Damit diese Ziele in dem Gebiet verwirklicht werden können, müssen die extraktiven Aktivitäten der Avocado- und Zitrusindustrie in der Gemeinde Petorca sofort eingestellt werden.

Mit freundlichen Grüßen

News und Updates

Diese Petition ist in folgenden Sprachen verfügbar:

146.467 Teilnehmer

Helfen Sie, das Etappenziel von 150.000 Unterstützern zu erreichen:

Wir verwenden Ihre Daten ausschließlich für unsere Kampagnen. Eine Weitergabe an Dritte findet nicht statt.

Letzte Aktivitäten
Mehr letzte Aktivitäten