Nestlé soll ganz auf Palmöl verzichten

Ein junger Orang-Utan Palmöl in Schokoriegeln zerstört den Lebensraum der Orang-Utan.
81.173 Teilnehmer

Ende der Aktion: 11.11.2016

Demonstrationen, Online-Aktionen, Aufklärungsarbeit und Petitionsübergaben. Wir bleiben auch weiterhin an Nestlé und dem Thema Palmöl dran.

Jede Minute wird eine Fläche von 35 Fußballfeldern tropischer Regenwälder vernichtet. Einer der größten Verursacher ist die Palmölindustrie. Nestlé behauptet, nur nachhaltiges Palmöl zu verwenden. Doch die Zertifizierung ist nachgewiesenermaßen ein Etikettenschwindel. Fordern Sie Nestlé auf, vollständig auf Palmöl zu verzichten.

Appell

An: Nestlé

„Palmöl ist eine der Hauptursachen für Regenwaldzerstörung. Zertifiziertes Palmöl ist Etikettenschwindel. Nestlé soll daher auf Palmöl verzichten.“

Ganzes Anschreiben lesen

Der Biss in den Schoko-Snack KitKat von Nestlé hat für die Regenwälder fatale Folgen. KitKat enthält Palmöl, für dessen Produktion Nestles Lieferanten wie Sime Darby, Wilmar, Cargill, Golden Agri Resources (GAR) und Oleo-Fats in Indonesien, Malaysia und auf den Philippinen die Regenwälder gerodet haben. Der Lebensraum von Tieren und Menschen wird zerstört, Bauern von ihrem Land vertrieben. Allein in Indonesien wurden nach Angaben von Global Forest Watch zwischen 2001 und 2013 fast 17 Millionen Hektar Regenwälder abgeholzt.

Angetrieben wird die Abholzung durch die hohe Nachfrage nach billigem Palmöl. Es wird mittlerweile fast überall eingesetzt: In Kosmetika, Reinigungsmitteln, Agrosprit und in Lebensmitteln. Nestlé hat seinen Verbrauch von Palmöl in den letzten Jahren auf 445.000 Tonnen verdreifacht! Die Folgen für den Regenwald sind katastrophal. Jetzt gelobt Nestlé Besserung und möchte nur noch zertifiziertes Palmöl einsetzen.

Für Palmöl wird Regenwald vernichtet

Doch das darf nicht akzeptiert werden! Die Zertifizierung von Palmöl und der Verweis auf eine angeblich nachhaltige Produktion sind ein Trugschluss. Rettet den Regenwald und andere Umweltorganisationen haben in der Vergangenheit mehrfach aufgezeigt, dass eine Zertifizierung keinen effektiven Schutz des Regenwaldes gewährleistet. Die Kriterien des RSPO für den nachhaltigen Anbau von Palmöl sind nicht nur völlig unzureichend, sie werden sogar von den eigenen Mitgliedern nicht eingehalten. Die industrielle Produktion von Palmöl – auch eine zertifizierte – hat die Zerstörung des Regenwaldes zur Folge.

Schokoriegel können auch ohne Palmöl hergestellt werden. Rettet den Regenwald fordert Nestlé dazu auf, in Zukunft auf Palmöl zu verzichten. Unterstützen Sie die Regenwaldkämpfer auf Borneo und nehmen Sie an der Online-Protestaktion von Rettet den Regenwald teil!

Hinter­gründe

Warum Rettet den Regenwald zusammen mit mehr als 250 Naturschutz- und Menschenrechtsorganisationen aus aller Welt den RSPO als Greenwashing ablehnen:

Die großen Palmölerzeuger, Lebensmittel- und Chemiekonzerne haben 2004 zusammen mit dem WWF den Runden Tisch für Nachhaltiges Palmöl (RSPO) gegründet. Ziel des Industrielabels ist es, Palmöl hoffähig zu machen. Den Verbrauchern wird vorgegaukelt, dass bei der Produktion von Palmöl alles nachhaltig, natur- und sozialverträglich ist.

Dabei schließt das RSPO-Siegel nicht einmal die Regenwaldrodung aus – sondern nur die Abholzung von Primärwäldern und Gebieten mit besonderem Schutzwert. Und das gilt auch nur ab 2008. Stammt das Palmöl von Waldflächen, die vor diesem Datum abgeholzt wurden, darf es das RSPO-Label tragen – egal, ob es Schutz- oder Primärwald war.

Als Primärwald bezeichnen wir einen Urwald, der von Menschen nicht oder nur wenig beeinflusst wurde. Alle anderen Wälder sind Sekundärwälder. Doch auch sie sind immer noch wertvolle und artenreiche Lebensräume für Tiere und Menschen. Dennoch kann ein Sekundärwald mit dem Segen des RSPO gerodet werden.

Weiterhin gibt es in den Palmöl-Anbauländern keine flächendeckende Erfassung der Primär- und Sekundärwälder. Darüber entscheiden in der Regel die Palmölfirmen und die von ihnen für die Zertifizierung beauftragten Consultants. Ist der Wald erst einmal gerodet, ist es generell schwer zu beweisen, in welchem Zustand sich dieser befand. Beschwerden beim RSPO verlieren sich in langwierigen Verfahren. Die einheimische Bevölkerung – Indigene und Kleinbauern – haben meist weder die technischen Kenntnisse, noch Zeit und Mittel, um Beschwerden gegen Abholzer einzureichen und über Jahre zu verfolgen.

Die vergangenen Jahre seit dem Beginn der RSPO-Zertifizierung zeigen die Wirkungslosigkeit des Labels. Regenwaldrodungen und Landraub gehen trotz RSPO unvermindert weiter. Das liegt auch daran, dass die Palmölfirmen nicht verbindlich alle ihre Plantagen zertifizieren lassen müssen. Weiterhin sind die Palmölkonzerne meist in Dutzende verschiedene Unternehmen und Beteiligungen verschachtelt. Es ist oft unklar, welche Plantagenkonzerne zu welcher Firmengruppe gehören oder welche Anteile diese daran haben. Bauern und Indigene werden daher auch weiterhin von ihrem Land vertrieben, bedroht und verhaftet, wenn sie sich gegen den Landraub wehren. Denn auch wenn sie schon seit Generationen auf dem Land leben, haben sie meist keine grundbuchamtlich eingetragenen Landtitel. Und auf den Plantagen bekommen sie als Tagelöhner die schlechtesten und gefährlichsten Jobs. Zum Beispiel das Versprühen von Pflanzengiften ohne ausreichenden Schutz.

Hinzu kommt, dass die Firmen die Zertifizierer selbst bestimmen und bezahlen. Die Einhaltung der Kriterien wird nicht ausreichend überprüft, Verstöße kaum geahndet. Und der Klimaschutz ist überhaupt nicht berücksichtigt.

Unsere Erfahrung in Indonesien hat gezeigt: Die riesigen Monokulturen aus Ölpalmen sind nicht nachhaltig und werden es auch nie sein. Sie wachsen größtenteils auf zuvor gerodeten und trockengelegten Torfböden, wodurch extrem viel C02 entweicht. Sie werden mit Dünger und Pestiziden behandelt, die anschließend Böden und Gewässer verseuchen. Die Einheimischen sprechen von grünen Wüsten.

Mit dem Label werden die Verbraucher unserer Meinung nach getäuscht, den Firmen dienen sie zum Grünwaschen ihrer Produkte. Deshalb haben 256 Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen aus aller Welt bereits 2008 RSPO als Etikettenschwindel abgelehnt.

Sehen Sie dazu auch unser kurzes Video über die Nachhaltigkeitslüge – das schmutziges Geschäft mit dem Palmöl aus Indonesien.

ZDF-Beitrag, mit Einschätzung von "Rettet den Regenwald": Überall ist Palmöl

An­schreiben

An: Nestlé

Sehr geehrte Damen und Herren im Vorstand von Nestlé,

das Palmöl in Ihren Schokoladenriegeln ist derzeit Gegenstand heftiger Proteste. In einer ersten Reaktion haben Sie erklärt, ab 2015 nur noch durch den „Runden Tisch für Nachhaltiges Palmöl“ (Roundtable on Sustainable Palm Oil, RSPO) zertifiziertes Palmöl verwenden zu wollen.

Damit Sie nicht nach kurzer Zeit wieder am öffentlichen Pranger stehen, möchte ich Sie darauf aufmerksam machen, dass die Zertifizierung durch den RSPO keine nachhaltige Lösung ist. Rettet den Regenwald und andere Umweltorganisationen haben in der Vergangenheit mehrfach aufgezeigt, dass durch den RSPO kein effektiver Schutz des Regenwaldes gewährleistet ist.

Sie werden mit RSPO-zertifiziertem Palmöl die Urwald- und Torfmoorzerstörung nicht beenden, sondern den globalen Klimawandel weiter anheizen. Ich fordere Sie darum auf, grundsätzlich auf Palmöl zu verzichten.

Freundliche Grüße

5-Minuten-Info zum Thema: Palmöl

Die Ausgangslage – Regenwald im Tank und auf dem Teller

Mit 66 Millionen Tonnen pro Jahr ist Palmöl das meist produzierte Pflanzenöl. Der niedrige Weltmarktpreis und die von der Industrie geschätzten Verarbeitungseigenschaften haben dazu geführt, dass es inzwischen in jedem zweiten Supermarktprodukt steckt. Neben Fertigpizza, Keksen und Margarine begegnet uns Palmöl auch in Körpercremes, Seifen, Schminke, Kerzen und Waschmitteln.

2016 importierte die EU 6,43 Millionen Tonnen Palmöl aus Indonesien (4,37 Mio. t) und Malaysia (2,06 Mio. t). Auf Deutschland entfielen davon nach Angaben der Bundesregeirung 1,34 Millionen Tonnen (Durchschnitt der Jahre 2013-15). Was kaum einer weiß: In der EU fließt fast die Hälfte des importierten Palmöls in sogenannten Biosprit. Die 2009 beschlossene gesetzliche Beimischungspflicht von Agrosprit in Benzin und Diesel ist eine wichtige Ursache der Regenwaldabholzung.

Inzwischen dehnen sich die Palmölplantagen weltweit auf mehr als 27 Millionen Hektar aus. Auf einer Fläche so groß wie Neuseeland mussten Mensch und Tier bereits den „grünen Wüsten“ weichen.

Die Auswirkungen – Waldverlust, Artentod, Vertreibung, Erderwärmung

In den feucht-warmen Tropen rund um den Äquator findet die Ölpalme optimale Wachstumsbedingungen. In Südostasien, Lateinamerika und Afrika werden Tag um Tag riesige Regenwaldflächen gerodet und abgebrannt, um Platz für die Plantagen zu schaffen. Dabei gelangen große Mengen klimaschädlicher Gase in die Atmosphäre. Indonesien, Hauptproduktionsland von Palmöl, war 2015 zeitweise für mehr Treibhausgasemissionen verantwortlich als die USA. CO2- und Methanemissionen sorgen dafür, dass der aus Palmöl produzierte Biosprit drei mal so klimaschädlich ist wie Treibstoff aus Erdöl.

Doch nicht nur das Klima leidet: Mit den Bäumen verschwinden seltene Tierarten wie Orang-Utan, Borneo-Zwergelefant und Sumatra-Tiger. Kleinbauern und Indigene, die den Wald über Generationen bewohnen und beschützen, werden oft brutal von ihrem Land vertrieben. In Indonesien stehen mehr als 700 Landkonflikte in Zusammenhang mit der Palmölindustrie. Auch auf sogenannten „nachhaltig bewirtschafteten“ oder „Bio“-Plantagen kommt es immer wieder zu Menschenrechtsverletzungen.

Wir Verbraucher bekommen von all dem wenig mit. Unser täglicher Palmölkonsum hat jedoch auch für uns persönlich direkte negative Auswirkungen: In raffiniertem Palmöl sind große Mengen gesundheitsschädlicher Fettsäureester enthalten, die das Erbgut schädigen und Krebs verursachen können.

Die Lösung – Tank-und-Teller-Revolution

Nur noch 70.000 Orang-Utans streifen durch die Wälder Südostasiens. Die EU-Biospritpolitik bringt die Menschenaffen immer weiter an den Rand des Aussterbens. Um unseren baumbewohnenden Verwandten zu helfen, müssen wir den Druck auf die Politik erhöhen. Doch auch im Alltag lässt sich viel bewegen.

Diese einfachen Tipps helfen, Palmöl zu erkennen, zu meiden und zu bekämpfen:

  1. Selbst kochen, selbst entscheiden: Mandel-Kokos-Birnen-Kekse? Kartoffel-Rosmarin-Pizza? Frische Zutaten, gemixt mit ein bisschen Fantasie, stellen jedes (palmölhaltige) Fertigprodukt in den Schatten. Zum Kochen und Backen eignen sich europäische Öle aus Sonnenblumen, Oliven, Raps oder Leinsamen.
  2. Kleingedrucktes lesen: Auf Lebensmittelpackungen muss seit Dezember 2014 angegeben werden, wenn ein Produkt Palmöl enthält. In Kosmetik-, Putz- und Waschmitteln versteckt sich der Regenwaldfresser hingegen hinter einer Vielzahl chemischer Fachbegriffe. Per Internetrecherche lassen sich leicht palmölfreie Alternativen finden.
  3. Der Kunde ist König: Welche palmölfreien Produkte bieten Sie an? Wieso verwenden Sie keine heimischen Öle? Nachfragen beim Verkaufspersonal und Briefe an die Produkthersteller lassen Firmen um die Akzeptanz ihrer Produkte bangen. Der öffentliche Druck und das gestiegene Problembewusstsein haben schon einige Produzenten zum Verzicht auf Palmöl bewegt.
  4. Petitionen und Politikerbefragungen: Online-Protestaktionen üben Druck auf die Politiker aus, die für Biosprit und Palmölimporte verantwortlich sind. Haben Sie bereits alle Petitionen von Rettet den Regenwald unterschrieben? Auf abgeordnetenwatch.de kann jeder die Bundestagsabgeordneten mit den Folgen der Biospritpolitik konfrontieren.
  5. Laut werden: Demonstrationen und kreative Straßenaktionen machen den Protest für Menschen und Medien sichtbar. Dadurch wird der Druck auf die politischen Entscheidungsträger noch größer.
  6. Öffentlich statt Auto: Wenn möglich zu Fuß gehen, mit dem Fahrrad fahren oder öffentliche Verkehrsmittel nutzen.
  7. Wissen und Wissen weitergeben: Wirtschaft, Handel und Politik wollen uns glauben machen, Biosprit sei klimafreundlich und Palmölplantagen könnten nachhaltig sein. Regenwald.org informiert über die Folgen des Palmölanbaus. Der kostenlose Regenwald Report kann an Freunde weitergegeben oder in Schulen, Arztpraxen und Bioläden ausgelegt werden.
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