Ecuadors isoliert lebende Indianer brauchen Schutz

Regenwaldindianer vor Yasunis Regenwald und Karten Die letzten in freiwilliger Isolation lebenden Regenwaldindianer sind in Gefahr (© Bejat McCracken)
70.503 Teilnehmer

Ende der Aktion: 20.05.2014

Der Yasuni-Nationalpark in Ecuador ist nicht nur ein einzigartiger Naturschatz, sondern auch die Heimat isoliert lebender Indianer. Um sie vor Holzfällern und Ölsuchern zu schützen, darf das Regenwaldgebiet nicht betreten werden. Doch die Kontrollen versagen. Unterstützen Sie die Petition an Ecuadors Regierung

Appell

An: Präsident von Ecuador, Rafael Correa, Minister für Justiz, Dr. F. Johana Pesantez Benitez, Generalstaatsanwalt, Galo Chiriboga, Minister für nicht erneuerbare natürlichen Ressourcen, Pedro Merizalde Pavón

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Die Szenen im Amazonasregenwald von Ecuador erinnern an vergangene Jahrhunderte: Unkontaktierte Indianer verteidigen mit Speeren ihr Gebiet gegen eindringende Holzfäller, Ölsucher und Missionare und verschwinden wieder im Dschungel.

Doch der Konflikt passiert heute. Um die Rechte der Ureinwohner zu sichern, hat die ecuadorianische Regierung 1999 den südlichen Teil des Yasuni-Nationalparks zur sogenannten unberührbaren Zone erklärt. Sie darf von niemandem betreten werden.

Die Tagaeri-Taromenane-Indianer könnten jederzeit ihr isoliertes Leben im Regenwald aufgeben und das nächstgelegene Dorf oder die Stadt aufsuchen. Sie tun es aber nicht, und das aus gutem Grund: Denn jeder Kontakt mit der Außenwelt würde unwiederbringlich ihre Jahrtausende alte Lebensweise zerstören.

Doch ob das am Reißbrett in der Hauptstadt Quito entworfene 758.051 Hektar große Reservat für das Überleben der im Regenwald herumziehenden Indianer ausreicht, ist nicht sicher. Fragen kann man die Menschen jedenfalls nicht.

Noch schlimmer ist: Die Gesetze und die eindeutigen Speer-Warnungen der Indianer werden immer öfter ignoriert. Holzfäller, Goldwäscher und Ölsucher wollen die Tagaeri-Taromenane gewaltsam loswerden, um ungehindert an die Rohstoffe im Regenwald zu gelangen.

Die ecuadorianische Regierung schaut der Gewalt nicht nur weitgehend untätig zu, sie verschärft die Konflikte noch. Derzeit erweitert sie massiv die Erdölförderung im Regenwald. 21 Ölkonzessionen auf drei Millionen Hektar Indianerland im Regenwald bietet das südamerikanische Land transnationalen Ölkonzernen an.

Menschenrechtler und Wissenschaftler wenden sich mit 16 Empfehlungen an die ecuadorianische Regierung, um das Überleben der Indianer zu sichern. Bitte unterstützen Sie das Schreiben

Hinter­gründe

Der ecuadorianische Staat muss das Leben und die Rechte der isoliert lebenden Indianervölker schützen. So fordern es auch die seit 2006 bestehenden einstweiligen Schutzmaßnahmen der Interamerikanischen Kommission für Menschenrechte. Zwar untersucht die Generalstaatsanwaltschaft die Todesfälle, aber das zuständige Ministerium für Justiz, Menschenrechte und Religionsfreiheit tut die schwerwiegenden Ereignisse als „Gerücht" ab.

Der Staat muss die Taten und Unterlassungen untersuchen und bestrafen sowie eine Politik zum Schutz der in freiwilliger Isolation lebenden Indigenen einführen. Die Bedrohungen der Indianer durch die Ausweitung der Ölförderung, den Tropenholzeinschlag, den Straßenbau und die Besiedlung des Regenwaldes müssen gestoppt werden.

Das Netzwerk der Anthropologen von Ecuador bittet um Unterschriften für das nebenstehende Schreiben (Zusammenfassung des spanischen Originalschreibens) mit 16 Empfehlungen an die ecuadorianische Regierung. Die Wissenschaftler befürchten mehr Todesfälle, wenn der Staat nicht endlich entschlossen und effektiv handelt. Sie wollen die gesammelten Unterschriften der Regierung übergeben. Die Menschen im Regenwald brauchen unsere Solidarität.

Weitere Informationen auf Englisch und Spanisch über die Tagaeri-Taromenane:

- Webseite von Geoyasuni http://www.geoyasuni.org/

- 60 minütiger Dokumentarfilm Taromenani, el exterminio de los pueblos ocultos über die Morde an den Indianern

- Studie Zona Intangible Tagaeri Taromenane (ZITT): Una, ninguna, cien mil?

An­schreiben

An: Präsident von Ecuador, Rafael Correa, Minister für Justiz, Dr. F. Johana Pesantez Benitez, Generalstaatsanwalt, Galo Chiriboga, Minister für nicht erneuerbare natürlichen Ressourcen, Pedro Merizalde Pavón

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit unterstütze ich die nachfolgende Petition der ecuadorianischen Wissenschaftler, die sich mit 16 Empfehlungen zum Schutz der isoliert lebenden Indianervölker an den ecuadorianischen Staat richten.

Schutzgesetze allein reichen nicht aus, sie müssen in der Praxis auch umgesetzt und kontrolliert werden. Jeder Zutritt von außen muss wirksam unterbunden, und sämtliche Eindringlinge und deren Hintermänner müssen verfolgt werden.

Vor allem sollte der ecuadorianische Staat keine Ölförder- und Bergbaukonzessionen sowie Holzeinschlagsgenehmigungen im Regenwald der Indianer vergeben und Infrastrukturprojekte vorantreiben.

Mit freundlichen Grüßen

Zusammenfassung der 16 Empfehlungen der Wissenschaftler. Das Originalschreiben auf Spanisch finden Sie hier:
https://www.salvalaselva.org/mailalert/918/selva-para-los-pueblos-aislados-del-ecuador

1. Die Generalstaatsanwalt sollte umfassend die Todesfälle der Indianer in den Jahren 2003, 2004, 2006, 2007, 2008, 2009 und 2013 untersuchen. In einem ersten Schritt sollten die letzten Ereignisse untersucht und geklärt werden. Dafür sollten Zeugenaussagen, Beweismittel und weitere Daten in diesem Zusammenhang gesammelt werden (diachrone anthropologische Studie).

2. Das Urteil und die Reparationsmaßnahmen sollten die in der Verfassung verankerten pluralistischen Rechtsnormen (Artikel 171) und besonders die kürzlichen Morde in der Ölkonzession Nr. 16 berücksichtigen. Hierzu empfehlen wir der Generalstaatsanwaltschaft eine Expertenstudie durchzuführen, um die internen und externen soziokulturellen Hintergründe und Beweggründe zu klären. Außerdem sollte die Verantwortung des Justizministeriums (PMC) in Bezug auf die Konfliktprävention festgestellt werden.

3. Die Rechtsnormen und Institutionen sollten weiterentwickelt werden, um die Rechte der isolierten Völker in der Verfassung von 2008 zu garantieren und umzusetzen.

4. Die zwischen 2008 bis 2013 eingeführten Vorsichtsmaßnahmen und Pläne des Staates und ihre Effektivität zum Schutz des Lebens und der Rechte der isolierten Völker (Tagaeri, Taromenani und andere Gruppen) sollten überprüft werden.

5. Die Anwendung der Schutzrichtlinien für isolierte Völker des UN Menschenrechtskommissars sollte überprüft werden.

6. Eine Politik für die isolierten Völker in Ecuador sollte aufgebaut werden. Im Dialog mit der peruanischen und den Nachbarregierungen sollten binationale und regionale Maßnahmen zum Schutz der isolierten Völker des Amazonasbeckens und Chaco abgestimmt werden.

7. Die Landrechte und zum Überleben notwendigen Landansprüche der Indianervölker sollten garantiert und die bereits anerkannten Gebiete erweitert werden.

8. Zur Überwachung und Konfliktprävention sollten die Vorsorgemaßnahmen zwischen den verschiedenen Ministerien (Nicht Erneuerbare Ressourcen, Justiz, Gesundheit und andere) koordiniert werden.

9. Die Ölausbeutung und der Straßenbau im Gebiet von Yasuní sollten überdacht (revidiert?) werden angesichts der hohen Verletzbarkeit der isolierten Völker und der Waorani-Indianer.

10. Der Holzeinschlag, die Besiedlung, der Tourismus und andere legale und illegale Aktivitäten in den Indianergebieten müssen effektiv kontrolliert werden.

11. Der Betrieb von Ölquellen in den Indianergebieten sollte überprüft, begrenzt oder eingestellt werden, insbesondere in den Gebieten mit nachgewiesener Existenz von isolierten Völkern wie in den Ölkonzessionen Armadillo und Nenke Apaika (Block 31), Yampuna (Block 14) und Iro (Block 16), um das Leben der Indigenen, ihre Wanderungen und die traditionelle Nutzung des Landes zu schützen.

12. Es sollten keine neue Konzessionen im Gebiet von Yasuní erteilt werden (Moratorium)

13. Überflüge von Hubschraubern oder Flugzeugen sowie der Abwurf von Lebensmitteln und Gerätschaften über den Gebieten der isoliert lebenden Völker sollten eingestellt werden.

14. Der ecuadorianische Staat sollte einen Runden Tisch mit allen beteiligten Gruppen einberufen. Dazu gehören: Indigene Organisationen wie CONAIE, CONFENIAE, Nawe, AMWAE und ONWO, Menschenrechtsgruppen, religiöse Missionen, Umweltorganisationen, Vertreter aus der Wissenschaft und staatlichen Institutionen wie dem Ministerium für Nicht erneuerbare Ressourcen, Ministerium für Umwelt, SEMPLADES, Sekretariat der Völker und sozialen Bewegungen, Justizministerium, Generalstaatsanwalt, Gesundheitsministeroium, Ombudsmann.

15. Jeder Versuch staatlicher, religiöser oder privater Personen und Institutionen, mit den isoliert lebenden Gruppen der Tagaeri und Taromenani Kontakt aufzunehmen, sollte unterbunden werden. Das Recht auf Selbstbestimmung der Menschen muss eingehalten werden.

16. Zuletzt möchten wir darauf hinzuweisen, dass der ecuadorianische Staat in erster Linie verantwortlich ist für den Schutz des Lebens der isolierten Völker. Er muss ihre Existenz, Zukunft und Selbstbestimmung sicherstellen. Jede Unterlassung kann als Ethnozid eingestuft werden.