Australien: Der Hilfeschrei der Koalas

Eine Koalamutter mit ihrem Nachwuchs auf einem Baum Koalas brauchen zum Überleben intakte Wälder mit verschiedenen Eukalyptusarten (© fotolia.com)
86.460 Teilnehmer

Ende der Aktion: 23.05.2014

Ein Koala kreischt verzweifelt auf einem der letzten Bäume. Die australische Holzindustrie rodet jedes Jahr Tausende Hektar Lebensraum der Beuteltiere. Jetzt alarmieren TV-Reporter und Tierschützer die Welt: Viele Koalas werden von den Erntemaschinen verletzt oder getötet. Bitte protestieren Sie bei der Regierung

Appell

An: Australische Regierung, Regierungen der Bundesstaaten Quensland, New South Wales, Victoria und South Australia sowie die zuständigen Umweltbehörden

„Stoppen Sie die Abholzung der australischen Wälder, deren Umwandlung in Plantagen und sorgen Sie dafür, dass die Koalas nicht mehr verletzt oder getötet werden“

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Mit automatischen Erntemaschinen rodet die Holzindustrie die Eukalyptusplantagen in Australien. Unermüdlich arbeiten sich die Ungetüme durch die endlosen Reihen der Monokulturen; etwa tausend Bäume fallen pro Tag. Innerhalb weniger Sekunden werden die Bäume abgesägt, entastet und die Stämme aufgestapelt.

Immer wieder werden auch Koalas Opfer der Maschinen. Da ihre Lebensräume, die australischen Urwälder, rasant schwinden, leben viele Koalas notgedrungen in den Eukalyptusplantagen. Die langsamen Tiere können nicht fliehen und halten sich bis zum Schluss an den Bäumen fest.

Nun haben Holzarbeiter das australische Fernsehen alarmiert. Sie wollen nicht länger tatenlos zusehen, wie die Koalas grausam sterben oder verwundet werden.

„Wie oft passiert das", fragt der Reporter den Plantagenarbeiter. „Manchmal alle paar Stunden, manchmal nur einer am Tag. Und die verletzten Tiere bleiben hier draußen", antwortet der Mann. Sie werden meist einfach zum Sterben liegen gelassen.

„Die Tiere haben gebrochene Gliedmaßen, offene Wunden, Brüche der Wirbelsäule, abgetrennte Arme", erklärt die Wildtierschützerin Tracey Wilson. In Pflegestationen werden einige der verwundeten Koalas verarztet und betreut – die Plantagengesellschaften selbst rufen allerdings selten die Helfer. Die Bilder der toten und verletzten Koalas sollen nicht mit ihnen in Verbindung gebracht werden.

Sie verweisen auf das Label des Bonner Forest Stewardship Council (FSC). Seit 2006 tragen die lebensfeindlichen Industrieplantagen dessen Zertifikat für „verantwortliche Waldwirtschaft". Der Tod der geschützten Tiere spielt bei dem Millionengeschäft keine Rolle, berichtet der Reporter.

Die zerschredderten Stämme gehen in die Zellstoff- und Papierfabriken in China und Japan. Bittes schreiben Sie an die australische Regierung

Hinter­gründe

Die Koalas sterben täglich in den Holzeinschlagsgebieten und Plantagen, wahrscheinlich zu Dutzenden, die genauen Zahlen kennt niemand. „Sehr viele Koalas werden getötet. Das ist ein riesiges Problem, um das sich die Australier kümmern sollten", erklärt die Tierschützerin Tracey Wilson.

Die Holzindustrie, aber auch die Landwirtschaft, Bergbaukonzerne, ausufernde Siedlungen – sie alle roden unaufhörlich ihre Lebensräume. Auch die Abholzung der Naturwälder hat der FSC als nachhaltig zertifiizert, das Holzsiegel taugt für jedes Geschäft.

Seit Jahren kämpfen Umwelt- und Tierschützer für den Erhalt der Lebensräume der Koalas und deren Anerkennung als bedrohte Tierart. Nur noch etwa 50.000 bis 100.000 der plüschigen Sympathieträger leben in ganz Australien, aufgeteilt in drei lokale Unterarten. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts waren es noch mehrere Millionen.

Im vergangenen Jahr hat die Bundesregierung die Koalas in Queensland und New South Wales als bedroht eingestuft. Die isoliert im äußersten Südosten Australiens (Victoria und South Australia) lebenden Koalas wurde davon allerdings ausgenommen und nicht als bedroht eingestuft. Dazu gehört auch die einzige endemische Koala-Population in den Strzelecki Bergen/South Gippsland, der Strzelecki-Koala (auf engl.).

Das australische Fernsehen hat auf den Pflanzungen der Firma Australian Blue Gum Plantations gefilmt, die 90.000 Hektar Eukalyptusplantagen betreibt. Das Unternehmen gehört dem US-amerikanischen Hedgefunds Global Forest Partners LP, der weltweit 600.000 Hektar solcher Baummonokulturen bewirtschaftet.

Studie von Friends of the Earth Australia vom August 2013: Forest Stewardship Council, Hancock Victorian Plantations and Rainforest Management under Smartwood Interim Standards Strzelecki Rainforest Case Study 2001 - 2013



Fotos

(Alle Aufnahmen wurden von der Australian Broadcasting Corporation zur Verfügung gestellt)


An­schreiben

An: Australische Regierung, Regierungen der Bundesstaaten Quensland, New South Wales, Victoria und South Australia sowie die zuständigen Umweltbehörden

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bin erschüttert darüber, wie nach Berichten von Umweltschützern und des australischen Fernsehens die geschützten Koalas auf den Eukalyptusplantagen der Holzindustrie schwer verletzt oder getötet werden.

Da die langsamen Tiere nicht fliehen und sich an den Bäumen festhalten, geraten sie immer wieder unter die Messer der Holzerntemaschinen.

Viele Koalas leben notgedrungen auf den Eukalyptusplantagen, weil ihre Heimat, die natürlichen Wälder, von der Holzindustrie gerodet werden. Doch die öden Monokulturen bieten den Tieren keine Zukunft.

Ich möchte Sie daher dringend bitten:
- Stoppen Sie die Abholzung der australischen Wälder und deren Umwandlung in Industrieplantagen.
- Sorgen Sie dafür, dass die Koalas nicht mehr von der Holzindustrie verletzt oder getötet werden.
- Stufen Sie die Koalas in ganz Australien als bedroht ein und veranlassen sie alle notwendigen Maßnahmen zu deren Schutz.

Mit freundlichen Grüßen