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100 Jahre Leiden – Aktivisten kämpfen gegen Ausbeutung, Gewalt und Umweltzerstörung

Traditionelle Häuptlinge in Lokutu / DRC Die traditionellen Dorfvorsteher und Einwohner von Lokuto wehren sich gegen die Palmölplantagen (© RIAO-RDC) Aktivist Joël Imbangola Lunea (RIAO-RDC) Joël Imbangola Lunea, der Mitarbeiter der Umweltschutzorganisation RIAO-RDC, wurde 2019 erschlagen (© RIAO-RDC) Eine voll beladene Piroge ist auf dem Kongo-Fluss unterwegs Mehr als 100 Dörfer am Kongo sind von den Plantagen betroffen (© guenterguni/istockphoto.com)

Die Palmölplantagen der Firma Feronia-PHC sind mehr als 110 Jahre alt - und eine nicht endende Katastrophe für die Menschen, die in den betroffenen Dörfern in der Demokratischen Republik Kongo leben. Landraub, Gewalt und Verarmung sind dort traurige Realität. Dorfbewohner und Aktivisten von RIAO-RDC stemmen sich dagegen.

Die Regenwälder im Kongo-Becken sind noch zu großen Teilen intakt. Doch die Umwandlung von Palmhainen zu industriellen Plantagen trägt auch dort zur Zerstörung bei. Eine hundertjährige „Tradition der Vernichtung“ haben dabei die Palmöl-Plantagen von Feronia-PHC in der Demokratischen Republik Kongo. 25.000 Hektar Wald sind ihnen bereits zum Opfer gefallen. Die Grösse der Konzessionen ist gigantisch: Sie erstrecken sich über 107.000 Hektar und sind damit drei Mal so groß wie die Stadt München.

Der Konflikt: Menschenrechtsverletzungen für Palmöl

Besonders alarmierend sind die Gewalt und Rechtsverletzungen, über die die Menschen dort klagen. Sie haben der Anlage der Plantagen nie zugestimmt, ihnen wurde das Land ihrer Ahnen und damit ihre Lebensgrundlage schlicht geraubt. Die Gewalt ist entsetzlich: 2019 wurde der Dorfbewohner Joel Imbangola erschlagen, 2015 starb ein Ehepaar, dem der Diebstahl einiger Palmölfrüchte vorgeworfen worden war.

Im Februar 2021 wurden im Anschluss an einen Protestmarsch gegen die Palmölfirma PHC mehrere Dorfbewohner festgenommen, unter ihnen örtliche Mitglieder von RIAO-RDC. Ihnen wird vorgeworfen, eine Revolte initiiert zu haben. Zwei von ihnen wurden dem Vernehmen nach mit dem Tod bedroht, auch von körperlicher Gewalt und sexuellen Übergriffen gegen Frauen wird berichtet.

Unser Partner RIAO-RDC

Um die Rechte der Dorfbewohner zu durchzusetzen, hat Jean-François Mombia Atuku im Jahr 2006 die Organisation RIAO-RDC gegründet, deren Direktor er auch heute noch ist. Jahrelang musste er im Exil leben, zuletzt im Senegal, davor in Congo-Brazzaville und in Uganda. Ende 2020 ist er mit seiner Familie nach Kinshasa zurückgekehrt, trotz aller Gefahren, die ihm in seinem Heimatland drohen.

Die Aktivisten von RIAO-RDC dokumentieren die Missstände in den Feronia-PHC-Konzessionen, informieren die Dorfbewohner über ihre Rechte, unterstützen sie bei deren Wahrung und organisieren Proteste und Demonstrationen.

Gigantische Ausmaße und Entfernungen machen Widerstand teuer

Wegen der riesigen Dimension der Konzessionen und der Abgeschiedenheit inmitten des Regenwaldes sind manche Aktivitäten von RIAO-RDC teuer. So kostet allein die siebenstündige Fahrt mit dem Boot von Lokutu, wo sich eine der Plantagen befindet, zur Provinzhauptstadt Kisangani 700 Euro allein für die Miete des Bootes. Hinzu kommt noch einmal etw der gleiche Betrag für Kraftstoff. Manchmal ist die Reise jedoch nötig, wenn Bewohner Behördentermine und Gerichtsanhörungen wahrnehmen müssen und RIAO-Mitarbeiter sie dabei unterstützen. Um in die einzelnen Dörfer zu gelangen, müssen Motorrad-Taxis bezahlt werden - bis zu 100 Euro fallen dafür an. Auch für Jean-François Mombia Atuku, der aus Sicherheitsgründen im mehr als 1.000 Kilometer entfernten Kinshasa lebt, sind Besuche in der Region unumgänglich. 

Bitte unterstützen Sie die Arbeit von RIAO-RDC und Jean-François Mombia Atuku mit einer Spende. Jeder Euro zählt.



Hintergrund : Kolonialismus und die Beteiligung der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG)

Die Menschen in der Region leiden unter einer Mischung aus dem Erbe der Kolonialzeit, den Gewinninteressen ausländische Investmentfirmen und den Aktivitäten internationaler Geldgeber.

Die Wurzeln der Plantagen reichen 110 Jahre zurück, als die belgische Kolonialregierung große Waldgebiet an der englischen Geschäftsmann Lord Leverhulme übergab. Die Konzessionen waren ein Grundstein für den heutigen Weltkonzern Unilever. 2009 hat Unilever seine Ländereien an die kanadische Firma Feronia verkauft. Als diese 2020 pleite ging, erwarb die Investmentfirma Straight KKM aus Mauritius die Plantagen.

Die Gewalt gegen die Bevölkerung am Kongo geht uns auch deshalb etwas an, weil der deutsche Staatan den Skandal-Plantagen von Feronia-PHC beteiligt ist: die Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG), eine Tochter der Staatsbank KfW, hat 2015 einen Kredit über 16,5 Millionen US-Dollar gewährt; staatliche Entwicklungsbanken aus Großbritannien, Frankreich, Spanien, Belgien, Holland und den USA haben sich seit 2013 mit mehr also 150 Millionen US-Dollar beteiligt.

Spätestens mit der Pleite von Feronia hätte sich die DEG für die leidende Bevölkerung der Dörfer einsetzen können – und hat das nur unzureichend getan. Die Gemeinden fordern die Rückgabe des Landes, dessen Nutzung ihnen seit über 100 Jahren ohne ihre Zustimmung verwährt wird. Eine Koalition von deutschen und internationalen Organisationen setzt die Entwicklungsbanken daher unter Druck.

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