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Brasilien: Die indigenen Kaapor brauchen unsere Hilfe

Indigene Kaapor stehen in einer Doppelreihe vor zwei Hütten im Regenwald © Poema/Johann Graf Karte vom brasilianischen Amazonasgebiet (hellgrün) und den indigenen Territorien in Brasilien (dunkelgrün) Karte vom brasilianischen Amazonasgebiet (hellgrün) und den indigenen Territorien in Brasilien (dunkelgrün) (© RdR) Satellitenaufnahme von Google Maps vom Norden des brasilianischen Bundesstaats Maranhao Satellitenaufnahme von Google Maps vom Norden des brasilianischen Bundesstaats Maranhão: Links das Regenwald-Territorium Alto Turiaçu der Kaapor umgeben von fast vollständig abgeholzten Flächen; rechts der atlantische Ozean und die Großstadt São Luís (© Google Maps) Kinder und Jugendliche der Kaapor vor einer Holzhütte im Regenwald © Poema/Johann Graf Ein Kaapori-Kappuzineraffe klettert auf einem Zweig herum Der kritisch bedrohte Kaapori-Kapuzineraffe (Cebus kaapori) hat im Regenwald der Kaapor seinen letzten verbliebenen Lebensraum (© CC BY-SA 4.0) Indigene Kaapor - Kinder, Frauen und Männer - fassen sich an den Händen und bilden einen Kreis im Regenwald © Poema/Johann Graf

Die indigenen Kaapor haben das letzte große Regenwaldgebiet im südöstlichen Amazonasgebiet geschützt und gegen Abholzer verteidigt. Doch sie werden massiv von Holzfällern, Viehzüchtern und Bergbaufirmen bedroht. Bitte helfen Sie den Kaapor mit einer Spende, sich effektiv gegen die Übergriffe zu wehren und ihren Urwald zu schützen.

Wie eine grüne Insel ragt das staatlich anerkannte und demarkierte Territorium Alto Turiaçu der indigenen Kaapor aus einem Meer der Zerstörung hervor. Das 531.000 Hektar große Urwaldgebiet – das entspricht der doppelten Fläche des Saarlandes, liegt im brasilianischen Bundesstaat Maranhão. Dort, im Nordosten des südamerikanischen Landes, geht der Amazonasregenwald langsam in die weiter südlich gelegenen tropischen Savannen des Cerrado über.

Die besonderen Bedingungen bieten den Lebensraum für eine enorme Vielzahl von Tieren und Pflanzen. Einige Arten wie der kritisch bedrohte Kaapori-Kapuzineraffe (Cebus kaapori) und der bedrohte schwarze Saki (Chiropotes satanas) haben in Alto Turiaçu einen ihrer letzten verbliebenen Lebensräume.

 

Die Kaapor verteidigen den Regenwald

Die etwa 1.800 Kaapor sind eines der insgesamt über 300 indigenen Völker Brasiliens. Mit ihrer Lebensweise haben sie bis heute den Urwald erhalten und verteidigen ihn gegen illegale Eindringlinge und Plünderer. Bis an den Rand des Schutzgebiets der Kaapor haben Holz- und Bergbaufirmen, Viehzüchter, Großgrundbesitzer und Landspekulanten den Regenwald schon fast komplett gerodet und machen inzwischen nicht einmal mehr vor dessen Grenzen Halt. Dabei ist das bestehende Schutzgebiet nur der Rest eines ursprünglich viel größeren Gebiets, das den Kaapor und anderen Ureinwohnern in den vergangenen Jahrzehnten bereits geraubt wurde.

Holzfäller schlagen die Ipé-, Massaranduba- und Cedro-Bäume. Die tropischen Hölzer gehen in den Export für die Produktion von Gartenmöbeln, Parkett und Holzterrassen, darunter nach Europa. Wilderer dezimieren die reiche Tierwelt des Gebiets. Bergbaufirmen haben vom Staat viele Tausend Hektar Konzessionen erworben, um Gold abzubauen.

Spirale aus Gesetzlosigkeit, Gewalt und Korruption

All das passiert vor den Augen von staatlichen Funktionären und den brasilianischen Behörden, die weitgehend inaktiv sind und die Klagen und Forderungen der Ureinwohner ignorieren. Viele Beamte und Politiker sind zudem korrupt und in die Aktivitäten verstrickt.

Die brasilianische Regierung unter Präsident Bolsonaro und das von Lobbygruppen aus Landwirtschaft und Industrie beherrschte Parlament diskreditieren die Indigenen und verletzen ihre in der Verfassung garantierten Rechte.

Dabei sind die Kaapor massiven Bedrohungen und extremer Gewalt ausgesetzt: Seit 2015 wurden zwei Dörfer von Holzfällern überfallen und 15 Menschen im Rahmen von Aggressionen gegen das Territorium ermordet. Keines der Verbrechen wurde von den brasilianischen Behörden aufgeklärt und bis heute nicht ein einziger Täter belangt.

Die Strategien der Kaapor

Die Kaapor haben in den vergangenen Jahren eigene Strategien zur ihrer Verteidigung entwickelt. Dazu haben sie einen indigenen Rat von Führern und Führerinnen gegründet, der die Entscheidungen gemeinsam trifft.

Um ihr Gebiet besser zu schützen, haben sich viele der Einwohner:innen in neu errichteten Dörfern am Rande ihres Territoriums niedergelassen – zumeist in geräumten Holzfällercamps oder an Orten, an denen Straßen bis an das Territorium führen. 25 solcher Holzfällerpisten wurden dadurch blockiert. So sichern und kontrollieren sie die Grenzen des Regenwalds vor Eindringlingen.

Innerhalb des Gebiets überwachen die Kaapor permanent mit eigenen Waldrangertrupps den Regenwald. Sie greifen illegale Holzfäller und Wilderer auf und schaffen sie aus ihrem Gebiet. Über hundert Lastwagen von Holzfällern haben sie bereits unbrauchbar gemacht.

Um die Siedlungen haben sie inzwischen elf Schutzgebiete eingerichtet. Die Versorgung sichern die Menschen mit Agroforstwirtschaft, also der Kombination von Landwirtschaft mit Bäumen. Über das 2012 vom Rat der indigenen Führer gegründete Zentrum zur Bildung und zur Bewahrung des Wissens der Kaapor (Centro de Formação Saberes Kaapor – CFSK) haben sie ein eigenes Bildungssystem geschaffen, das die Kinder und Jugendlichen in ihrer eigenen Sprache unterrichtet und mit ihren eigenen Werten erzieht. Neben der Bildung konzentriert sich die Arbeit auf den Schutz des Territorium, Gesundheit, Ernährungssicherung, Stärkung der indigenen Kultur und Sprache sowie die nachhaltige Entwicklung.

Wofür brauchen die Kaapor unsere Hilfe?

Mit unserer Partnerorganisation CFSK haben wir 2021 das Projekt „Etnomapeamento e Autodefesa do território para governança Kaapor“ vereinbart und begonnen zu finanzieren. Im Rahmen des Projekts wird die Arbeit fortgesetzt, das Territorium Alto Turiacu zusammen mit den Einwohnern:innen in verschiedene Management-, Nutzungs- und Schutzzonen zu unterteilen sowie Pläne zu deren Selbstverteidigung auszuarbeiten. Dazu müssen Treffen in den Dörfern organisiert und durchgeführt, Arbeits- und Waldrangergruppen gegründet, das Gebiet vermessen, Landkarten erstellt, Material und technisches Gerät angeschafft werden und vieles mehr.

Mit Spendengeldern von Rettet den Regenwald und zwei weiteren Organisationen hat CFSC Ende 2021 einen gebrauchten Geländewagen (Pickup 4x4 mit Ladefläche) gekauft, der den Transport von Personen und Material bis zum Territorium ermöglicht. Weiterhin ist ein Projekt zur Stärkung der Frauen in der Organisation und indigenen Gesellschaft geplant.

Waldschutz und indigene Territorien in Brasilien

In Brasilien sind bisher 567 indigene Territorien mit eine Fläche von 1,17 Millionen Quadratkilometern – fast ein Viertel des brasilianischen Amazonasgebietes - anerkannt. Für weitere 117 Gebiete der Ureinwohner wurde die Anerkennung beantragt. Die Menschen schützen ihre Territorien samt der dort vorkommenden Natur viel besser als staatliche Regenwaldschutzgebiete, wie auch die Vereinten Nationen (UN) feststellen (siehe Studie).

 


  1. siehe Studie

    FAO and FILAC. 2021. Forest governance by indigenous and tribal peoples. An opportunity for climate action in Latin America and the Caribbean. Santiago. FAO. https://doi.org/10.4060/cb2953en

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