Bioenergie ohne Zukunft

07.08.2012

Schwerer Rückschlag für die Klima- und Energiepolitik von Bundesregierung und EU. 20 angesehene Wissenschaftler der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina kommen in ihrer aktuellen Studie zu dem Schluss, dass „Bioenergie als nachhaltige Energiequelle für Deutschland heute und in Zukunft keinen quantitativ wichtigen Beitrag zur Energiewende leisten kann".

Als Gründe führen sie den enormen Flächenverbrauch, den erhöhten Ausstoß von Treibhausgasen, die Nährstoffbelastung der Böden und Gewässer und die Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion an. Zudem würde sich Deutschland auf Kosten anderer grünwaschen. Denn immer mehr der benötigten Rohstoffe werden aus Übersee importiert. Für argentinischen Biodiesel aus Soja oder aus indonesischem Palmöl sowie Ethanol aus brasilianischem Zuckerrohr gehen die Tropenwälder in Flammen auf, um Platz für die Monokulturen zu schaffen. Außerdem konkurriert die Bioenergie mit dem Anbau von Nahrungsmitteln. Nutzbare Landflächen werden beansprucht und damit der Konflikt Tank gegen Teller verschärft.

Die Forscher fordern die Regierung in Berlin auf, darauf hinzuwirken, dass die Energiepolitik in Brüssel korrigiert wird. Die Erneuerbare Energien Richtlinie der EU sieht vor, bis 2020 zehn Prozent der Kraftstoffe hauptsächlich durch Agrosprit aus Biomasse zu ersetzen. Die Bundesregierung möchte den Anteil der Biomasse an der nationalen Energieversorgung bis 2050 sogar verdreifachen (von aktuell knapp 8 auf 23 Prozent). Die Wissenschaftler empfehlen stattdessen, vorrangig Energie einzusparen und die Energieeffizienz zu verbessern.

Über ein Jahr haben die Forscher vor allem die Auswirkungen der Bioenergien auf Natur und Klima untersucht. Die Ergebnisse und Empfehlungen sind in einer 25-seitigen Kurzfassung zusammengefasst. Die vollständige 124-seitige Studie „Bioenergie: Möglichkeiten und Grenzen” finden Sie hier.

Artikel „Stoppt den Bio-Wahnsinn“ in der Zeit.

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