EU: Biotreibstoff-Studie stellt eigene Richtlinien in Frage

09.07.2011

Biotreibstoffe können die EU-Klimaziele nicht erfüllen. Laut den Ergebnissen einer von der EU-Kommission in Auftrag gegebenen neuen Studie über die Folgen des Ausbaus der Produktion von Biotreibstoffen, muss die bisherige Biotreibstoffpolitik der EU als gescheitert betrachtet werden.

Biotreibstoffe können die EU-Klimaziele nicht erfüllen. Laut den Ergebnissen einer von der EU-Kommission in Auftrag gegebenen neuen Studie über die Folgen des Ausbaus der Produktion von Biotreibstoffen, muss die bisherige Biotreibstoffpolitik der EU als gescheitert betrachtet werden.

Die Studie untersuchte die Auswirkungen der EU-Förderung von Biotreibstoff auf Landnutzungsveränderungen, Preisentwicklungen und Klimabilanz. Im Ergebnis stellen die Autoren fest, dass ein weiterer Ausbau der Energiepflanzenproduktion in möglicher Konkurrenz zur Nahrungsmittel-Landwirtschaft steht.

„Diese Studie würde den Weg zum Untergang der Biodiesel-Branche in Europa ebnen", sagte Philippe Tillous-Borde, Chef der französischen Sofiproteol, eine der größten Biodiesel-Hersteller in Europa. In der Biotreibstoff-Industrie geht es um wirtschaftliche Interessen im Umfang von 9 bis 13 Milliarden Euro.

Die EU-Richtlinie 2009/28/EG gibt vor, dass bei der Produktion von Biotreibstoffen bisher 35 und ab 2017 50 Prozent Einsparung von CO²-Emissionen garantiert sein müssen. Die neue Studie zeigt, das bei der Einberechnung der gesamten Produktionskette der CO² Ausstoß von Palmöl, Soja-, Raps- und Sonnenblumenöl höher liegt als bei fossilen Energieträgern. Diese Biotreibstoffe verfehlen demnach die EU-Klimaziele.

Alamierend waren bereits die Ergebnisse einer EU-Studie vom September 2010 zum selben Thema. Sollten die EU-Beimischungsquote von 10 Prozent Biotreibstoff bis 2020 umgesetzt werden, dann drohe ein signifikanter Rückgang bei der Produktion von Roggen, Hafer und Gerste. Die Studie spricht von einer zusätzlich erforderlichen Fläche von 4,8 Millionen Hektar für den Anbau der benötigten Energiepflanzen im EU-Raum.

Des Weiteren hielt die Studie von 2010 fest, dass die EU-Subventionen für Biotreibstoffe deren Weltmarktpreise erheblich nach oben treiben. Das steigere wiederum die Produktionsanreize und führe weltweit zu einem Ausbau der Biotreibstoffproduktion. Da die landwirtschaftlichen Nutzflächen begrenzt sind, steigt der globale Druck auf empfindliche Ökosysteme wie Regenwälder. Durch die Flächenkonkurrenz wirkt sich der globale Preisdruck auch auf Nahrungsmittel aus. Wenn weltweit die Lebensmittelpreise steigen, steigt auch die Zahl der Hungernden.

Rettet den Regenwald fordert, dass die verfehlte Biotreibstoffpolitik der EU rückgängig gemacht wird. Eine weitere Förderung des Ausbaus von Energiepflanzen führt zur Verteuerung von Nahrungsmitteln, Landvertreibungen und Umweltzerstörung.

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