Gibson-Gitaren: Illegales Tropenholz für Nobelgitarren?

Illegale Holzfäller bei der Arbeit auf MadagaskarIllegale Holzfäller plündern auf Madagaskar selbst die Nationalparks

21.11.2011

An unserer Protestaktion "Illegales Tropenholz für Edelgitarren?" haben 25.000 Menschen teilgenommen. Gibson startet nun eine aggressive Öffentlichkeitskampagne, um Konsequenzen für den Konzern abzuwehren 

Hintergrundinformation

zum Import von illegalem Tropenholz aus Madagaskar

durch den Hersteller von Nobelgitarren Gibson

Hamburg, 21. November 2011: In den USA ermittelt die Bundesbehörde Fish und Wildlife Service gegen den bekannten Hersteller von Nobelgitarren Gibson. Die Firma soll illegale Tropenhölzer aus Madagaskar und Indien importiert haben. Gibson versucht mit einer aggressiven Kampagne über die ultrakonservative Tea Party-Bewegung die Verfahren zu beeinflussen. Drei Kongressabgeordnete haben zudem eine Initiative eingebracht, nach der der sogenannte Lacey Act aufgeweicht oder aufgehoben werden soll. Das Gesetz verbietet den Handel und Import von illegalen Hölzern in die USA. Der Fall Gibson ruft vor allem in den USA, aber auch weltweit Aufmerksamkeit und Empörung hervor

Am 24. August 2011 wurden die Büro- und Fabrikräume des amerikanischen Gitarrenherstellers Gibson bereits zum zweiten Mal von Bundesbeamten der US-Fisch- und Wildtierbehörde durchsucht. Wie bereits bei der ersten Durchsuchung im Herbst 2009 wurden Einfuhrdokumente, tropische Edelhölzer und Gitarren beschlagnahmt. Die Vorwürfe: Der Gitarrenhersteller mit Stammsitz in Nashville soll Eben- und Palisanderhölzer aus Madagaskar und Indien illegal importiert und damit gegen geltende Gesetze verstossen haben.

Am 9. September 2011 hat der Verein Rettet den Regenwald die Protestaktion "Illegales Tropenholz für Edelgitarren?" in vier Sprachen gestartet, an der 25.000 Menschen teilgenommen haben. Gibson stellt sich nun als angebliches Opfer der amerikanischen Bundespolitik dar. Die Traditionsfirma Gibson und Arbeitsplätze würden gezielt in Gefahr gebracht, so einige der plumpen Argumente. Mit eineraggressiven Öffentlichkeitskampagne versucht der Gitarrenhersteller nicht nur die laufenden Untersuchungen zu beeinflussen, sondern auch das Gesetz zu kippen oder im Sinne der Firma aufzuweichen.

Fast täglich treten Gibson-Chef Henry Juszkiewicz und Mitarbeiter in US-Nachrichtensendern und Talkshows auf, darunter dem Fernsehsender Fox des berüchtigten Medienzars Rupert Murdoch (siehe z.B. http://www.youtube.com/watch?v=2GDc3rteCwM&feature=related , http://www.youtube.com/watch?v=Jkh3MPEtV2c&feature=related , ). Für die Medienkampagne hat Gibson auch die ultrakonservative Tea Party-Bewegung (siehe z.B. Tea Party Sponsoring Rally for Gibson Guitar und Tea Partiers Outraged by Gibson Raid http://www.youtube.com/watch?v=Wgjo0wLr2rw&feature=related) eingespannt, die seit langem Stimmung gegen Präsident Obama und die US-Bundesregierung macht.

Nach Ansicht von Umweltorganisationen in den USA steht Gibson zudem hinter dem Antrag von drei Kongressabgeordneten (Cooper-Blackburn-Bono-Mack, H.R. 3210 Relief Act), den sogenanntenLacey Act aufzuweichen und auszuhöhlen. Auch der berüchtigte indonesische Holzkonzern Asia Pulp and Paper (APP) sägt über Lobbygruppen und der Tea Party am Lacey Gesetz, wie die New York Times berichtet. 24 US-Umwelt-, Menschenrechts- und Gewerkschaftsorganisationen fordern in einem gemeinsamen Schreiben die Parlamentsabgeordneten auf, die Gesetzesinitiative abzulehnen. Sollte die Initiative durchgehen, könnte bald wieder Zellstoff aus gesetzwidriger Regenwaldrodung legal in die USA eingeführt und dort ohne Strafe verkauft werden.

Das Gesetz, das bereits seit Hundert Jahren gegen den illegalen Handel mit Wildtieren besteht, wurde erst vor drei Jahren um den Handel mit illegalen Hölzern erweitert. Dessen Einführung war 2009 von 37 Importfirmen, Nichtregierungsorganisationen und der Holzindustrie unterstützt worden. Denn der Handel mit illegalen Hölzern hat nicht nur katastrophale Auswirkungen auf die Ökologie und die in den Waldgebieten lebenden Menschen, sondern er verursacht auch gewaltige Kosten für die Wirtschaft. Allein in den USA entstehen den Firmen dadurch Schäden in Höhe von einer Milliarde US-Dollar pro Jahr.

Auch über eine Petition auf der Webseite Change.org macht Gibson öffentlichen Druck. Die Untersuchungen gegen Gibson sollen eingestellt werden, so die Hauptforderung der an Präsident Obama gerichteten Aktion. Und mit einer falschen Behauptung versucht Gibson bei den Bürgern grundlos Angst zu schüren. Es wird behauptet, dass alle Bürger, die Musikinstrumente aus Tropenholz besitzen, in Gefahr sind, durch die Behörden strafrechtlich verfolgt zu werden.

Auf Madagaskar haben Musikgruppen und Umweltschützer verschiedene Veranstaltungen, darunter ein Konzert für den Masoala Nationalpark organisiert und Tausende Bäume gepflanzt. Aus den Regenwäldern der Insel stammt ein Teil der Holzlieferungen an Gibson. Die Menschenrechtsorganisationen Environmental Investigation Agengy (EIA) und Global Witness haben im Auftrag der madagassischen Nationalparkverwaltung und mit Finanzierung der deutschen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) den Einschlag der Edelhölzer im Regenwald und die undurchsichtigen Lieferbeziehungen untersucht. Die Ergebnisse sind in einer umfangreichen Studie Studie zum internationalen Handel mit Eben- und Palisanderholz zusammengefasst.

Danach lässt eine Mafia skrupelloser Tropenholzhändler, darunter die Société Thunam Roger, seit Jahren die Wälder und Nationalparks der Insel gesetzwidrig plündern, um mit den seltenen Edelhölzern Kasse zu machen. Hunderte von Containern stapeln sich in Lagerhallen und Häfen, gefüllt mit vom Aussterben bedrohtem Eben- und Palisanderholz für den Export. Die Spuren führen über das Hamburger Holzhandelshaus Theodor Nagel bis zu Gibson in die USA. Die Firma Nagel befindet sich mittlerweile im Konkursverfahren.

Der Zoo Zürich hat 2010 gemeinsam mit Mitarbeitern des Masoala Nationalparks und der Wildlife Conservation Society (WCS) die Forstkonzession, aus der das an Gibson gelieferte Holz angeblich stammen soll, überprüft. Die Fakten sind eindeutig: „Die Menge des exportierten Holzes kann unmöglich aus der kleinen Konzession stammen. Das Kontingent wurde bei Weitem überschritten; sieben von acht Bäumen sind illegal gefällt worden. Zudem hat Alexander von Bismarck nachgewiesen, dass der Lieferant von Gibson das Edelholz im geschützten Masoala Nationalpark einschlagen lässt”, schreibt der Zoo in einer Pressemeldung.

Im Oktober haben Madagaskar und Panama 93 Arten von Palisander- und Ebenholz auf die Liste des Washingtoner Artenschutzabkommens(CITES)setzen lassen. Das internationale Regelwerk beschränkt und kontrolliert den Handel mit geschützten Tier- und Pflanzenarten.

Der Bedarf der Musikinstrumentenhersteller nach seltenen tropischen Edelhölzern hat schon vor Jahren Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen auf den Plan gerufen. Die britischen NROs Global Witness (GW) und Environmental Investigation Agency (EIA) haben 2008 eine Reise der führenden Gitarrenhersteller Fender, Gibson und Martin nach Madagaskar organisiert, um bei den Firmen das Bewusstsein für die Probleme des Handels mit illegalen Hölzern zu schaffen. Die Regenwälder der Inselrepublik schwinden seit vielen Jahren im raschen Tempo, weil sich dort einige der besonders begehrten und seltenen Edelholzarten wie Eben- und Palisanderholz finden. Doch während die übrigen Gitarrenhersteller dem Vernehmen nach durch die Reise sensibilisiert werden konnten und von Importen aus Madagaskar absahen, ging Gibson anscheinend andere Wege.

Mittlerweile versucht Gibson eine neue Holzconnection mit den Fidschi-Inseln aufzubauen, wie US-Medien berichten. Dem Premierminister der Inselrepublik im Pazifik, Frank Bainimarama, liess Gibson als Zeichen des guten Willens im Sommer bereits eine Gitarre im Wert von 5.000 US-Dollar überreichen. Doch Reise des Militärmachthabers, der seit einem Putsch im Jahr 2006 Wahlen verweigert, zu Gibsons Firmensitz in Nashville kam nicht wie geplant zustande.

Verwicklungen mit dem Holzlabel FSC

Der Gitarrenhersteller Gibson hat sich seit Jahren als besonders umweltbewusstes Unternehmen dargestellt. Die Firma warb mit dem Label des Bonner Vereins Forest Stewardship Council (FSC) für ihre Gitarren. Firmenchef Henry Juszkiewicz war jahrelang Mitglied im Direktorium der Rainforest Alliance. Die Organisation aus New York hat über ihr Programm Smartwood das FSC-Label an Gibson erteilt.

Während die Rainforest Alliance Gibson das FSC-Label erteilte und regelmäßig die Einhaltung der Zertifizierungsstandards prüfte, überwies der Gitarrenhersteller jahrelang große Spendensummen an die Rainforest Alliance - zwischen 315.000 und 390.000 US-Dollar in bar pro Jahr und Sachspenden in Form von wertvollen Gitarren. Und der US-Ableger von FSC veranstaltete wiederum schon mal seine Jahresversammlung unter dem Motto „Gibson USA in gleicher Tonlage mit dem FSC“ in Nashville. Der Besuch bei Gibson und die Musikeinlage des US-FSC-Direktors auf einer zertifizierten Gitarre gehörten dabei zum Programm. Dafür haben dann die angeblich unabhängigen Prüfer der Rainforest Alliance anscheinend nicht so genau hingeschaut.

Weitere Informationen:

Rettet den Regenwald e.V.
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22391 Hamburg
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