Alternativer Nobelpreis für Mother Nature Cambodia

Eine Gruppe junger Leute sitzt und steht vor einem Baum am Strand Kampagne für Koh Kong Island: Das junge Team von Mother Nature Cambodia will die Insel vor der Ausbeutung bewahren (© Mother Nature Cambodia) Weiß gekleidete junge Leute laufe mit Blumen in der Hand durch eine Straße in Phnom Penh Mit eindrucksvollen Outfits und Symbolen macht die Gruppe auf die Naturzerstörung und ihre Verursacher aufmerksam.., (© Mother Nature Cambodia) Eine Gruppe junger StudentInnen läuft mit Megafon und Plakaten durch eine Straße ...und fordert lautstark von der Regierung, Menschenrechte, Demokratie und Umweltschutz zu achten. (© Mother Nature Cambodia) Umweltschützer diskutiert mit Polizei, die ihre Räder auf einen LKW lädt. Ein Polizist fotografiert die Szene Immer wieder werden die Aktivisten und Aktivistinnen behindert und bedroht, wenn sie ihre Rechte wahrnehmen. Hier beschlagnahmt die Polizei die Fahrräder nach einer friedlichen Demo für den Schutz von Koh Kong Island (© Mother Nature Cambodia) Mönche in Kambodscha markieren im Areng-Tals Urwaldriesen Mönche in Kambodscha markieren und segnen im Areng-Tal Urwaldriesen, um sie vor Holzfällern zu schützen (© Mother Nature Cambodia)

03.10.2023

Sie gehen für den Schutz der Natur und Menschenrechte auf die Straße, machen seit zehn Jahren Umweltverbrechen öffentlich. Jetzt erhielten die Aktivistinnen und Aktivisten der Jugendgruppe Mother Nature Cambodia eine der bedeutendsten internationalen Auszeichnungen. Wir gratulieren unseren Partnern in Kambodscha!

„Mother Nature Cambodia ist eine Gruppe furchtloser junger Aktivisten, die angesichts der Unterdrückung durch das kambodschanische Regime für Umweltrechte und Demokratie kämpfen", sagte Ole von Uexküll, Geschäftsführer der Right Livelihood Foundation, die seit mehr als 40 Jahren mutige Menschen, die globale Probleme lösen, mit dem Alternativen Nobelpreis ehrt.

„Durch innovative und oft humorvolle Proteste verteidigen sie mit ihren Aktionen die Natur und die Lebensgrundlagen, während sie die Stimmen der Gemeinden gegen korrupte und schädliche Projekte unterstützen. Trotz Verhaftungen, juristischer Schikanen und Überwachung kämpfen sie weiterhin unermüdlich für die Umwelt- und Bürgerrechte der Kambodschaner“, so Uexküll weiter.

Dieser Preis gebührt nicht nur dem Team von Mother Nature Cambodia, sondern allen Menschen in Kambodscha, die uns unterstützen und uns zu unserer Arbeit motivieren."

Sun Ratha, Finanzchefin von Mother Nature Cambodia

Mother Nature Cambodia – seit Beginn Partner von Rettet den Regenwald

Ende 2012 tat sich eine Gruppe junger Menschen zusammen, um gegen die verheerenden Auswirkungen von Abholzung, illegalem Goldabbau und Landraub in Kambodscha zu protestieren. Die erste offizielle Kampagne der Studierenden und anderer Jugendlicher richtete sich gegen den Bau eines Staudamms im Areng-Tal. 
Durch das Projekt sollten 10.000 Hektar der Wälder des Kardamomgebirges im Areng-Tal überflutet werden, in denen mindestens 31 bedrohte Tierarten leben. 1.600 Menschen wären vertrieben worden, von denen die meisten der indigenen Gruppe der Chong angehören.

Mit Videos und medienwirksamen Aktionen wie „Baumsegnungen“ gelang es Mother Nature Cambodia, die lokale und internationale Öffentlichkeit auf den geplanten Damm aufmerksam zu machen. Auch Rettet den Regenwald unterstützte die Kampagne mit Petitionen und Spendengeldern. Die Regierung sah sich schließlich gezwungen, das Großprojekt aufzugeben. Seitdem hat sich das Areng-Tal zu einem bekannten Ökotourismusziel für in- und ausländische Reisende entwickelt.

 

Erfolgreiche Kampagne gegen Sandraub

In der Provinz Koh Kong im Südwesten Kambodschas wurden die großen Mangrovenwälder durch Sandabbau mehr und mehr zerstört. Große Boote baggerten Meeressand und Flussufer für den Export nach Singapur und Indien aus. Der Abbau vernichtete auch den Lebensraum von Fischen, Mollusken und Krebsen und bedrohte das Überleben der ohnehin schon gefährdeten Fischergemeinden von Koh Kong.

Mother Nature Cambodia informierte und unterstützte die lokalen Gemeinden, um sie im Widerstand gegen die Ausbeutung zu stärken. So veröffentlichten sie zum Beispiel spektakuläre Videos, um auch die breite Öffentlichkeit aufmerksam zu machen: Eins davon zeigt junge Aktivisten, die bis zum Hals in Sand eingegraben waren. Das Video wurde über 4,5 Millionen Mal angesehen und 150.000 Mal geteilt.

Die Regierung reagierte auf die Kampagne gegen den Sandabbau mit aller Härte: Mother Nature Cambodia und auch Mitglieder der Gemeinde Koh Kong wurden von der Polizei überwacht und bedroht. Im August 2015 wurden drei Aktivisten inhaftiert und erst im Juli 2016 wieder freigelassen. Der Mitbegründer, Alejandro Gonzalez-Davidson, wurde ausgewiesen.

Trotz des wachsenden Drucks ging die Kampagne weiter und zwang die Regierung Ende 2016, die Ausfuhr von Meeressand aus Koh Kong zu verbieten.

Kampagne zum Schutz von Koh Kong Island

„Save Koh Kong Island“ heißt die aktuelle landesweite und internationale Kampagne von Mother Nature Cambodia. Mit Demos, Infoveranstaltungen und Videos macht die Umweltgruppe auf die drohende Zerstörung von Kambodschas größter Insel für exklusive Luxustourismus-Projekte aufmerksam. Und sie fordert die Regierung auf, Koh Kong Island zu einem Nationalpark zu erklären, damit sie vollständig geschützt wird.

So soll auch der Ökotourismus auf der Insel gefördert werden. Damit Kambodschaner und andere Besucher die Schönheit der Natur noch viele Generationen lang genießen können und die Insel gleichzeitig den lokalen Gemeinschaften als Lebensgrundlage erhalten bleibt.

Rettet den Regenwald unterstützt auch diese Kampagne. Unsere Petition haben weltweit mehr als 133.000 Menschen in 176 Ländern unterschrieben. Sie wurde in einer gemeinsamen Aktion mit Mother Nature Cambodia der Regierung in Kambodscha und deren Botschaft in Deutschland übergeben.

Die Drohungen und Verhaftungen nehmen zu

Wegen ihrer äußerst wirksamen Kampagnen gegen die Missachtung der Natur und der Menschenrechte durch die kambodschanische Regierung werden die Aktivistinnen und Aktivisten von Mother Nature Cambodia immer wieder eingeschüchtert, verhaftet, und überwacht. Mehrere Mitglieder haben mehr als ein Jahr im Gefängnis verbracht. Mitte November 2021 konnten sechs inhaftierte Aktivistinnen und Aktivisten das Gefängnis unter strengen Auflagen verlassen. Noch im selben Jahr erhielt Mother Nature Cambodia einen Menschenrechtspreis, den Frontline Defenders Award.

 

Doch die Anklagen wegen „Verschwörung und Königsbeleidigung“ bleiben bestehen, ihnen drohen bis zu zehn Jahre Haft.

Am Tag der Verkündung des Alternativen Nobelpreises sagte Phuon Keoraksmey, Kampagnen-Chefin von Mother Nature Cambodia, dass sie die Hindernisse kannte, denen sie sich stellen musste, als sie sich der Umweltgruppe anschloss. Aber dass die Dringlichkeit, die natürlichen Ressourcen Kambodschas zu verteidigen, die Gefahr des Gefängnisses aufwiegt. Die 22-jährige Studentin saß 14 Monate in Haft.

„Aber was ich tue, tue ich nicht nur für mich, sondern auch, um die Natur in Kambodscha am Leben zu erhalten", so Phuon. „Wie kann ich meiner Tochter gegenübertreten, wenn sie weiß, dass unsere Generation nichts getan hat, um die Dinge zu ändern. Wir wurden inhaftiert, weil wir versucht haben, die Umwelt zu schützen, und weil wir nicht wollen, dass unsere Kinder dafür oder für die Verteidigung der Menschenrechte inhaftiert werden."

Einsatz für Menschenrechte und Demokratie

Naturschutz wird nur gelingen, wenn die Korruption beseitigt ist. Darüber ist sich das Team von Mother Nature Cambodia im Klaren. Und das wiederum setzt Demokratie und die Einhaltung der Menschenrechte voraus. Denn durch den Mangel an Demokratie in Kambodscha können Regierung und große einflussreiche Unternehmen im Verborgenen operieren und korrupte und zerstörerische Projekte verwirklichen.

Deshalb bietet Mother Nature Cambodia nicht nur Umweltschulungen an, sondern klärt Jugendliche auch über bürgerliches Engagement und Menschenrechte auf. Die Tatsache, dass die Organisation ihre Arbeit trotz des repressiven Umfelds seit mehr als zehn Jahren fortsetzt, zeugt von der Stärke der Bewegung und dem Willen der jungen Menschen, für eine bessere, demokratischere Zukunft Kambodschas zu kämpfen.

Der Diktator will, dass wir uns von der Politik fernhalten, uns von der Demokratie fernhalten und uns nicht gegen die Regierung aussprechen. Dieser Preis ist ein Beweis dafür, dass wir das Recht haben, Kampagnen zu betreiben, wir haben das Recht, unser eigenes Land zu schützen, und es ist unsere Pflicht, das zu tun.“ 

Ly Chandaravuth, Aktivist

Hoffnung durch Regierungswechsel in Kambodscha?

Nach 38 Jahren an der Macht hat Premierminister Hun Sen im August 2023 das Amt an seinen Sohn, General Hun Manet, übergeben. Doch der Machtwechsel, so Ly Chandaravuth und Phuon Keoraksmey, wird wahrscheinlich nur wenig Veränderung für die Arbeit von Mother Nature Cambodia bringen. Alejandro Gonzalez-Davidson, Mitbegründer der Gruppe, teilte diese Einschätzung, rief aber auch zu Optimismus auf:

Ich denke, dass wir trotz der Warnzeichen, die wir sehen – verstärkte Abholzung, Wiederaufnahme des Sandabbaus für den Export entlang des Mekong – versuchen müssen, positiv zu bleiben und ihnen eine Chance zu geben", sagte Gonzalez-Davidson. „Vielleicht beschließt diese neue Generation, sobald sie eine echte Führungsposition innehat, dass es mehr bringt, die Wälder und die Natur so zu belassen, wie sie sind, als sie zu zerstören? Die Zeit wird es zeigen.“

Alternativer Nobelpreis

Der Right Livelihood Award wurde 1980 von Jacob von Uexküll ins Leben gerufen, einem schwedisch-deutschen Publizisten und Umweltaktivisten. Der Preis gilt als Auszeichnung „für die Gestaltung einer besseren Welt“. Er wird jährlich von der Stiftung Right Livelihood Award Foundation vergeben und durch Spenden finanziert.

Bis heute haben 194 Preisträger aus 76 Ländern den Preis erhalten. Mother Nature Cambodia ist die erste Preisträgerin aus Kambodscha.

Weitere Preisträger 2023:

SOS MEDITERRANEE

Phyllis Omido aus Kenia

Eunice Brookman-Amissah aus Ghana

Links:

rightlivelihood.org/
rightlivelihood.org/de/2023-announcement/l2/
news.mongabay.com/2023/09/mother-nature-cambodias-relentless-activism-earns-right-livelihood-award/

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