Im Reservat Indio Maíz leben 600 Vogel- und 200 Säugetierarten
Bauer Ruben läuft über seine kleine Plantage in El Castillo und prüft sorgsam den Reifegrad der Ackerfrüchte. Auf ein paar Hektar Land kultiviert er Bananen, Bohnen, Zitrusfrüchte und andere Sorten. „Wir betreiben hier ökologischen Landbau. Wir verbinden traditionelles Wissen mit modernen, naturnahen Anbaumethoden.“ Die kleinbäuerliche Landwirtschaft ist in der Region Rio San Juan, im Südosten Nicaraguas, ein Erfolgsprojekt. Seit 2002 arbeiten die Bauern mit der einheimischen Organisation ADDAC zusammen und bilden sich fort. Sie bauen Obst und Gemüse zur Selbstversorgung und für den Verkauf an. Das erfolgreichste Produkt der drei Bauernkooperativen von El Castillo aber ist Bio-Kakao. Sie verkaufen ihn in die ganze Welt. Die Weiterbildung der Bauern förderte die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Mit dem Projekt sollte den Bewohnern von El Castillo ein nachhaltiges Einkommen gesichert und verhindert werden, dass sie im nahe gelegenen Biosphärenreservat „Indio Maíz“ holzen und wildern, um überleben zu können. Das Konzept ging auf. Seit die Kooperativen erfolgreiche Öko-Landwirtschaft betreiben, erholen sich die Randgebiete des geschützten Urwaldes. Doch nun droht neue Gefahr für die Kakaobauern und das artenreiche Naturschutzgebiet.
In unmittelbarer Nähe baute die Firma Palmares de El Castillo SA (PALCASA) eine 4.000 Hektar große Palmöl-Plantage. „Kurios ist, dass die Ausweitung der Plantage auch von der deutschen Entwicklungshilfe finanziert wird“, wundert sich Saúl Obregón von der Organisation Fundación del Río. „Dabei bedroht das Projekt unsere Umwelt und die jahrelange Arbeit der Bauern.“
199 Kilometer fließt der Rio SanMit Krediten von 5,4 Millionen Euro will das Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ) den Ausbau der Palmöl-Plantage fördern – vor allem zur Herstellung von Agrodiesel. Nicaraguanische Umweltgruppen dokumentieren die negativen Folgen der Monokultur: Besonders Wasser und Böden sind durch den Einsatz von Chemikalien bedroht. Das stellte bereits 2010 ein Gutachten einer deutschen Beratungsfirma fest. Dort sind weitere Vorwürfe aufgelistet, wie etwa illegale Abholzung und Unterdrückung der Gewerkschaften. Das BMZ räumt ein, dass es „Verbesserungspotenzial“ bei den Umwelt- und Sozialstandards gebe, hält allerdings am „Anbau der Ölpalme als intelligente Landnutzung“ fest.
Außerdem sei PALCASA mit 300 Angestellten der größte Arbeitgeber der Region, so das BMZ. Die Kleinbauernkollektive stellen mit 800 Mitgliedern jedoch die meisten Arbeitsplätze. Für die Menschen von El Castillo ist die Arbeit auf der Plantage wegen der schlechten Bedingungen nicht attraktiv. „So kommen Arbeitskräfte von außerhalb, die sich auch illegal im Naturschutzgebiet niederlassen und dort Bäume fällen“, berichtet Obregón.
Der Umweltschützer versteht die Welt nicht mehr. „Die Erfahrung der letzten zehn Jahre zeigt, dass die Kleinbauern eine Landwirtschaft betreiben, die den Menschen und der Natur guttut. Die Ölpalme ist für uns keine Alternative.“
