Regenwaldschutz durch zertifiziertes Holz bleibt ein Mythos

15.10.2003

Sehen wir vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr? Regenwaldschutz durch zertifiziertes Holz bleibt ein Mythos Von Nicole Freris und Klemens Laschefski

Mythos 1: Zertifiziertes Holz rettet den Wald

"Wir alle können etwas tun, um die Wälder dieser Erde zu bewahren. Denn die Wälder brauchen Menschen, die beim Einkaufen auf das richtige Holz achten!" mahnt James-Bond-Darsteller Pierce Brosnan in einer Werbung für das FSC Siegel. Jahre lang klagten Umweltschutzorganisationen den Holzhandel wegen der Zerstörung der sich weltweit vermindernden Wälder an. Sie erklärten insbesondere Urwaldholz aus den Tropen zum überflüssigen Luxusgut und riefen zum Boykott desselben auf. Das führte zu deutlichen Ertragseinbußen der Holzimporteure. Die Tugend des Verzichts ist out! Er soll sogar Holz kaufen, wenn er aktiv die Wälder weltweit schützen will, lautet die frohe Botschaft.

In diesem Sinne fanden sich 1993 im Bereich des Holzhandels ökologische, soziale und wirtschaftliche Interessengruppen zusammen, um nach langen Verhandlungen den "Forest Stewardship Council" zu gründen. Der FSC definiert weltweit geltende Prinzipien und Kriterien für die Zertifizierung einer "geregelten" Waldbewirtschaftung. Anhand dieser Richtlinien führen private Unternehmen die FSC-Zertifizierung von Holzfirmen durch. Nachdem bereits weltweit 25 Million Hektar Wald zertifiziert wurden, setzten sich der WWF und die Weltbank das ehrgeizige Ziel, bis zum Jahr 2005 200 Millionen Hektar zu erreichen. Die "Erfolgsgeschichte" des FSC ist jedoch nicht frei von problematischen Vorkommnissen, vor allem was den Holzeinschlag in tropischen Primärwäldern betrifft.

Einer der unangenehmsten Fälle betraf eine zertifizierte Konzession des deutschen Sperrholzplattenherstellers Glunz in Gabun, wo der illegale Handel mit Buschfleisch, also Schimpansen und Gorillas, gang und gäbe war. Nicht der FSC, sondern "Rettet den Regenwald" untersuchte mit eigenen Finanzmitteln den Fall. Zwei Jahre dauerte es, bis der FSC unter dem Druck der Öffentlichkeit die Zertifizierung wieder zurückzog. Ungeachtet solcher Vorgänge wird die Zertifizierung von Holzfirmen in Urwäldern von großen Umweltschutzorganisationen weiter enthusiastisch vorangetrieben. Aber auch zertifizierte Firmen müssen ihre Produktionsquoten einhalten, um wirtschaftlich bestehen zu können. Unter diesen Auflagen können sie dies nur durch größere Flächen erreichen, was die Anlage von weiterer Verkehrsinfrastruktur in immer entfernteren Gebieten nach sich zieht. Somit entsteht durch den zertifizierten Holzeinschlag eine neue Erschließungsfront im Regenwald.

Mythos 2: Durch die Steigerung des Marktwertes von Tropenholz gibt das FSC-Siegel Wäldern einen wirtschaftlichen Wert.

Dieser Mythos wird scheinbar durch neue Daten aus Brasilien gestützt, die zeigen, dass Holzeinschlag einen Zinsertrag von 33 % pro Landeinheit für die Investoren ergibt, während er bei Rinderfarmen nur bei 8-14 % liegt. Jedoch zeigt die tatsächliche Situation in Amazonien, dass Kahlschlag zur Ackerlandgewinnung und "Forstwirtschaft" kaum als konkurrierende wirtschaftliche Optionen gesehen werden. Farmer und Landbesitzer in Brasilien halten es ganz einfach nicht für nötig, den prozentualen Zinsertrag oder die Produktivität des Landes bei ihren Berechnungen mit zu berücksichtigen.

Die weitere Ausbreitung der landwirtschaftlich genutzten Gebiete wird durch Subventionen und spezielle Steuererleichterungen gefördert, die so einen billigen Zugang zu neuem Land ermöglichen. Die immer wiederkehrende kurzfristige Umwandlung von Wald in Weideland lohnt sich daher eher als die Investition in neue Methoden der dauerhaften Waldnutzung. Der politische Einfluss der landwirtschaftlichen Lobby stellt sicher, dass Wald im Naturzustand auch weiterhin als unproduktiv angesehen wird.

Unter diesen Umständen kann der FSC keinen bedeutenden Anreiz bieten, um Rinderzüchter und Sojafarmer zu Waldnutzern zu machen. Die Zertifizierung schafft zwar einen Anreiz für den besser geplanten Holzeinschlag, ist jedoch nur ein Marketinginstrument auf freiwilliger Basis und keine langfristig verbindliche Verpflichtung. Als solches wird es auch nur so lange funktionieren, wie ein maximaler Gewinn für die Holzfirma gewährleistet ist. Sollte zertifiziertes Holz seinen Marktvorteil verlieren, ist es sehr wahrscheinlich, dass die Firmen die kapitalintensive Waldnutzung nach FSC-Richtlinien wieder fallen lassen und zu Raubbaumethoden zurückkehren.

Mythos 3: Bei so vielen Bäumen und einer weltweit steigenden Holznachfrage ist Holznutzung die unvermeidliche wirtschaftliche Bestimmung für Amazonien.

Holzeinschlag wurde von den politischen, wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Nutznießern der Forstindustrie als unvermeidlich für Amazonien definiert. Forstwirtschaft wird als Wissenschaft angesehen, die den Eingriff unserer Spezies in Waldökosysteme des Waldes rechtfertigt. Immer mehr Forschungsinstitute, Umweltschutzorganisationen und internationale Investmentagenturen stellen Forstwirte ein. Jedoch liegt der Focus der forstwirtschaftlichen Ausbildung auf dem Fällen von Bäumen. Wenn ein Forstwirt vor einem Wald steht, sieht er das Holz und nicht die Bäume, die Anzahl der Kubikmeter Nutzholz und nicht Ökosysteme.

Ein Beispiel für die forstwirtschaftliche Perspektive ist "Promanejo", ein Gemeinschaftsprojekt internationaler Entwicklungshilfeorganisationen und der brasilianischen Regierung. "Promanejo" wurde ins Leben gerufen, um nachhaltige Bewirtschaftungsformen in tropischen Wäldern zu entwickeln. Allerdings interpretiert das Programm zumindest im brasilianischen Bundesland Amazonien ausschließlich Holz als Ressource des Waldes. Landnutzungsformen der indigenen Völker und der Flussuferbewohner bleiben dagegen eine Randerscheinung in gutgemeinten Entwicklungsprojekten, die nach deren Auslaufen schnell in Vergessenheit geraten. Dabei hat für die traditionelle Waldbewohner der intakte Wald einen hohen Stellenwert, der in seiner Gesamtheit erhalten werden muss, um weiterhin seine enorme Vielfalt an Produkten zu liefern. Der industrielle Holzeinschlag wird niemals diese Effizienz und Nachhaltigkeit der traditionellen Landnutzung erreichen können. Für eine nachhaltige Entwicklung ist es nicht nötig, die lokale Bevölkerung zu Förstern zu machen.

Das Sortiment der wirtschaftlichen Alternativen zur Holznutzung enthält Waldprodukte wie etwa Paranüsse, aus Bäumen gewonnene Öle und Essenzen, Guarana, Arzneipflanzen, Babassu, Honig, kunsthandwerkliche Produkte und eine unendliche Vielzahl von Tropenfrüchten, für die bereits gut funktionierende Absatzmärkte bestehen. Die Vielfalt der Nutzungsformen macht die lokale Bevölkerung weniger abhängig von Wirtschaftsmonopolen und damit weniger anfällig für die Tücken des globalen Marktes.

Mythos 4: Der geplante Holzeinschlag durch zertifizierte Firmen regt das örtliche Wirtschaftswachstum an.

Die Holzindustrie in Amazonien ist eine nicht nachhaltige, krisengeschüttelte Wirtschaftsform. Während Zeiten des wirtschaftlichen Wachstums verstärkte sie die Landflucht, da die lokale Bevölkerung mit der Hoffnung auf Arbeit in den Sägewerken in die Städte gelockt wird. Produktions- und Finanzkrisen des Wirtschaftszweiges sind jedoch alltäglich, hervorgerufen durch die schwankende Nachfrage eines instabilen Marktes, Geldstrafen und Kontrollen durch staatliche Umweltschutzorganisationen, internationale Tropenholzboykotte, Lieferschwierigkeiten von immer seltener werdenden Hölzern und durch Transportprobleme. In der stark angestiegenen städtischen Bevölkerung spiegeln sich die Schwierigkeiten der Holzindustrie in der Arbeitslosenzahl wider. Da Infrastruktur, Forschungsmittel, politische Kräfte und menschliche Ressourcen auf allen politischen Ebenen einseitig auf die Holzwirtschaft ausgerichtet sind, gibt es kaum wirtschaftliche Alternativen.

Das Problem zeigt sich auch am FSC-Vorzeigebetrieb "Precious Woods" mit Sitz in Itacoatiara, dem Hauptzentrum für Holzeinschlag im Amazonasgebiet. Als die Firma sich in den neunziger Jahren hier ansiedelte, befand sich die Holzindustrie gerade in einem wirtschaftlichen Tief. So war es leicht, Arbeiter ohne Anstellung zu finden, die bereits in der Stadt lebten. Die Schaffung von 300 Arbeitsplätzen bei Precious Woods Amazon wurde zwar gern gesehen, hatte aber nur geringen Einfluss auf die örtlichen Arbeitlosigkeit. Allerdings hat die Existenz der Firma neue Hoffnungen auf einen wirtschaftlichen Aufschwung der Holzindustrie geweckt. Lokale Bemühungen für eine vielfältige Wirtschaftsstruktur zur Stärkung der regionalen Märkte gerieten so wieder in den Hintergrund. Ländliche Familien roden im Durchschnitt fünf Hektar Fläche zum Anbau von Grundnahrungsmitteln, die sie im Rotationsprinzip nutzen, während etwa die zehnfache Fläche Wald als Produktionsfläche von Nichtholzprodukten erhalten bleibt.

Precious Woods Amazon verwandelt 2.700 Hektar innerhalb der Forstfläche in Transportinfrastruktur. Dies entspricht einer Rodungsfläche, die rein rechnerisch zur Existenzsicherung von 540 traditionellen Familien ausreicht. Wird die benötigte Fläche pro Arbeitskraft berücksichtigt, zeigt sich die soziale Ineffizienz der Holzwirtschaft noch deutlicher. Die Firma Precious Woods Amazon beschäftigt mit dem geplanten Einschlagszyklus von 30 Jahren gegenwärtig 300 Menschen in einem Forstgebiet von 61.000 Hektar Grösse. Um also das Problem der geschätzten 10.000 Arbeitslosen in Itacoatiara zu lösen, müssten 2.030.000 Hektar Primärwald zum Holzeinschlag freigegeben werden.

Mythos 5: Zertifizierte Holzfirmen sind zu vollständiger Transparenz verpflichtet.

Bei dem Chaos und der Anarchie, die in Brasiliens Holzindustrie herrschen, scheint die Zertifizierung den nötigen Anreiz und die nötige Abschreckung zu bieten, Firmen zu besserem Verhalten zu bewegen. Wenn es jedoch um den Gewinn geht, lassen sich selbst Vorzeigefirmen nicht davon abhalten, sich auf undurchsichtige Geschäfte einzulassen. Ein Beispiel dafür ist der Fall der umstrittenen Acuariaquara-Lieferungen von Precious Woods Amazon. Acuariquara ist ein haltbares Tropenholz mit einem vernachlässigbar kleinen lokalen Markt. Die internationale Nachfrage nach dieser Holzart entstand, als sich die Stadt Rostock zum Einsatz von zertifiziertem Acuariquaraholz für Bauprojekte im Küstenbereich entschied. Dieser Vertrag wurde als transatlantische Partnerschaft zum Schutz des Regenwaldes gefeiert.

Precious Woods Amazon konnte jedoch nicht genügend Holz bereitstellen, um den Bedarf der Stadt zu befriedigen. Um die Lieferung zu ergänzen, wurde Holz über die österreichische Firma MW Florestal an Ort und Stelle von dritten aus dem Umland zugekauft. Zur gleichen Zeit gab es in den benachbarten Gebieten von Precious Woods Amazon eine Reihe von Fällen illegalen Holzeinschlags zur Gewinnung von Acuariquara. In einem Fall wurde die Genehmigung zum Kahlschlag einer kleinen Fläche für landwirtschaftliche Zwecke dazu benutzt, Hunderte von Acuariquara-Bäumen mit den Maschinen und Arbeitskräften der Firma aus einem normalerweise gesetzlich geschütztem Uferbereich zu holen. Zertifizierung kann also nicht verhindern, dass die plötzliche Nachfrage nach bestimmten Hölzern eine Dynamik auslöst, die sich nicht auf eine zertifizierte Fläche begrenzen läßt. Nach diesen Vorfällen wurde schnell ein Schutzwall um Precious Woods Amazon aufgebaut - also genau das Gegenteil zu den Zertifizierungsgrundsätzen der Transparenz. Ähnlich wie im zuvor erwähnten Fall in Gabun wurde auch hier die Untersuchung besorgten Einzelpersonen und kleinen Umweltgruppen mit niedrigem Budget überlassen.

Mythos 6: Selektiver Holzeinschlag erhöht die CO2-Bindung in tropischen Wäldern.

Selektiver Holzeinschlag hält den Wald in einem permanenten Zustand der Regeneration, da durch das Entfernen von Holz das Wachstum junger Bäume angeregt wird. Damit begründen diejenigen, die den Holzeinschlag im Primärwald unterstützen, ihre Aussage, dass selektiver Holzeinschlag die Bindung von CO2 erhöht und damit zur Reduzierung der Treibhausgase beiträgt. Dieser Argumentation zufolge haben unberührte Primärwälder eine geringere CO2-Bindefähigkeit und daher einen geringeren Wert bei der Klimakontrolle als bewirtschaftete Wälder. Derartige Annahmen hängen jedoch entscheidend von dem Zeitraum ab, in dem das CO2 im entnommenen Holz gebunden bleibt, und nicht zuletzt davon, dass die Bewirtschaftung in den Wäldern für alle Zeiten in dieser Form fortgesetzt wird.

Ein kurzer Blick auf die Verarbeitung und den Verbrauch von Tropenholz zeigt, dass in den Endprodukten kaum dauerhaft CO2 gebunden wird. Etwa 70% der Stämme, die in den Sägewerken im Amazonasgebiet ankommen, enden als Abfall, während nur 30% zu gesägten Brettern verarbeitet werden. Das Abfallholz wird normalerweise entweder verbrannt oder, wie im Fall von Precious Woods Amazon, zur Produktion von Holzkohle verwendet, wodurch sofort CO2, das vorher im Wald gebunden war, in die Atmosphäre entweicht. Auch CO2-Quellen, die sich indirekt aus dem geplanten selektiven Holzeinschlag ergeben, müssen in Betracht gezogen werden. Zu diesen gehören Emissionen durch die Erstellung der Infrastruktur, den Maschinenpark und den Transport, die für Holzfällarbeiten im großen Stil nötig sind. All diese CO2-Emissionen müssen durch stetige Holzzuwachsraten in bewirtschafteten Wäldern zumindest kompensiert werden. Selektiver Holzeinschlag steigert jedoch das Risiko unkontrollierter Waldbrände, die in den letzten fünf Jahren eine der größten CO2-Quellen in Brasilien waren.

Mythos 7: Viele Verbraucher in Europa und den USA sind bereit, für Produkte mit Ökosiegel mehr zu zahlen.

Forschungen zeigen, dass der Markt für "Ökoprodukte" sehr beschränkt ist. Die Hälfte der Konsumenten in Deutschland achten auf Produkte mit Ökosiegel, aber nur ein Drittel würde 5% mehr dafür bezahlen. Diese Statistiken berücksichtigen nicht das im Alltag oft wechselhafte Verbraucherverhalten. Selbst hartgesottene umweltbewusste Verbraucher entscheiden sich oft für ein günstigeres Produkt ohne Ökosiegel. Der Markt alleine reicht also nicht aus, um die Veränderungen, die für eine nachhaltige Waldwirtschaft nötig sind, herbeizuführen. Zudem hat zertifiziertes Tropenholz, das an eine umweltbewusste Eliteschicht der ersten Welt verkauft wird, nur wenig Einfluss auf die weltweite Dynamik des Holzhandels.

In Brasilien wird 85% des Holzes aus dem Amazonasgebiet auf Binnenmärkten verbraucht. Es sind diese Märkte, die zur Unterstüzung des illegalen Holzeinschlags in der Region beitragen, der auf 80% geschätzt wird. Brasilianer mit geringem Einkommen können sich den Luxus einer durch Zertifizierung ermöglichten Auswahl nicht leisten. Was tun? Viele Menschen glauben, der FSC werde die lokale Bevölkerung in kleinen Initiativen unterstützen und so eine Alternative zu zerstörerischen Formen der Landnutzung bieten. Tatsächlich unterstützt der FSC jedoch hauptsächlich die industrielle Holzwirtschaft in den noch verbleibenden Primärwäldern dieser Welt. Gegenwärtig sind 96% des zertifizierten Waldes im Besitz von Großunternehmen oder Regierungen. Nur 34% aller FSC-Zertifikate wurden an Gruppierungen auf Gemeindeebene und kleine Waldbesitzer vergeben, die gemeinsam nur einen Anteil von 3% der gesamten zertifizierten Fläche umfassen.

Die Zertifizierung hat wahrscheinlich nur geringe Auswirkungen auf einen Stopp der Zerstörung des Tropenwaldes. Unterdessen öffnet der FSC jedoch Tropenholzmärkte in Europa und den USA, die während der Boykottkampagnen der 90er Jahre verschlossen waren, und zieht neue internationale Investitionen für den Holzeinschlag in Primärwäldern an. Durch den FSC entsteht eine neue wirtschaftliche, wissenschaftliche und umweltpolitische Kultur um die Holzindustrie. Beachtliche Finanzbeträge und menschliche Ressourcen werden in zertifizierten Holzeinschlag investiert, obwohl diese Mittel besser für sinnvollere Arten des Waldschutzes ausgegeben werden sollten.

Anstatt einen Mythos durch Kauf zu unterstützen, sollten sich am Regenwaldschutz interessierte Einzelpersonen und Organisationen besser an folgende Forderungen halten:
1. Beendigung aller Pläne zur Zertifizierung von Tropenholz aus Primärwäldern.
2. Kompletter Tropenholzboykott in Europa und Nordamerika.
3. Unterstützung von Initiativen für fairen Handel lokaler Gemeinden mit anderen Waldprodukten
4. Wenn es sich nicht vermeiden lässt, in Sekundärwäldern erzeugtes Holz kaufen.
5. Die verstärkte Kontrolle des illegalen Holzeinschlags und eine Verschärfung der Gesetze politisch einfordern.
6. Anstatt in Holz in andere Waldprodukte investieren, die echte wirtschaftliche Alternativen für die traditionelle Bevölkerung darstellen
7. In Wiederaufforstungsmaßnahmen von entwaldeten Gebiete investieren. Nicole Freris entwickelt mit der indigenen Bevölkerung im Amazonasgebiet alternative Wirtschaftszweige.

Klemens Laschefski war Experte für tropische Wälder beim BUND. Er lebt momentan in Brasilien und stellt seine Dissertation über Zertifizierung und nachhaltige Entwicklung fertig.

--------- Alles Lüge: Plantagenteak jetzt doch aus Raubbau! SmartWood wird indonesische FSC-Zertifikate für Teakholz aufheben müssen
Gut zwei Jahre lang haben Handel und einige Umweltverbände alles gegeben, um VerbraucherInnen den Unterschied zwischen gutem und schlechtem Tropenholz zu vermitteln. FSC-zertifizierte Teakgartenmöbel seien der Weg, die bedrohten Regenwälder zu retten. Eine Folge der Kampagne war, dass viele Käufer sich verwirren ließen und im Glauben, dass jedes Teakmöbel mittlerweile nachhaltig sei, hemmungslos jeden Ramsch kauften. Heute wissen wir, dass selbst die mit Siegel gehandelten Stücke größtenteils aus Raubbau stammen. Was empfiehlt man VerbraucherInnen, die keine Gartenmöbel aus Raubbau kaufen wollen?

'Der einfachste Weg ist die Beachtung des FSC-Zertifikates, das die Einhaltung ökologischer und sozialer Mindeststandards garantiert.' Ratschläge wie dieser sollen dem Kunden helfen, die richtige Wahl zu treffen. Auch einige Umweltverbände empfehlen: 'Auf FSC-Gartenmöbeln können Sie hingegen mit ruhigem Gewissen die lauen Sommerabende geniessen.' Oder: 'Einfach nicht kaufen genügt nicht! Verlangen Sie in den Geschäften FSC-zertifizierte Produkte.' Pro REGENWALD, selbst Mitglied im FSC, wollte es genauer wissen. Da wir kaum Informationen über FSC-Plantagenteak hatten, hielten wir uns bisher mit Kaufempfehlungen zurück.

Kürzlich befragten wir einen Baumarktkonzern und die deutsche FSC-Arbeitsgruppe nach dem Unterschied zwischen den nichtzertifizierten und den zertifizierten Teakplantagen. Wird auf Pestizide verzichtet? Ist garantiert, daß kein illegaler Holzeinschlag passiert? Werden soziale Kriterien wie die Zahlung von Mindestlöhnen erfüllt? Viel erfuhren wir nicht. Von der Zentrale der Baumarktkette erhielten wir die lapidare Auskunft: 'Wir wissen nur, dass das Siegel drauf ist.' Die FSC-Arbeitsgruppe Deutschland antwortete: 'Den genauen Unterschied zwischen konventionell bewirtschafteten und zertifizierten Plantagen können wir Ihnen leider auch nicht kompetent nennen. Wir sind hier keine Fachleute für derlei Fragen.' Man verwies uns an den zuständigen Zertifizierer: SmartWood.

Die Informationslücke wurde geschlossen, als SmartWood einige Gartenmöbelhersteller einlud, um über den Stand der FSC-zertifizierten Teakplantagen in Indonesien zu berichten. Auch wir nahmen teil, um zukünftige Verbraucheranfragen kompetent beantworten zu können. Was dann kam, überraschte auch uns. Der Bericht von SmartWood entwickelte sich zu einer schonungslosen Abrechnung mit der staatlichen indonesischen Forstfirma Perum Perhutani, die über eine Million Hektar Teakplantagen bewirtschaftet. Auf den Plantagen grassiert der illegale Holzeinschlag, in manchen Distrikten bis zum siebenfachen der planmäßigen Jahresernte. Ein guter Teakstamm ist mehr wert, als das Jahreseinkommen vieler Familien - bei einem Tageslohn von 3 Mark kein Wunder. Um die riesige Nachfrage aus Europa zu decken, werden auch unreife Bäume gefällt. Mancherorts werden die Holzvorräte knapp und der Raubbau bedroht die Existenz eines ganzen Industriezweiges.

Der Einschlag und die Vermarktung sind vollkommen außer Kontrolle geraten. SmartWood wird um eine Aufhebung der FSC-Zertifikate nicht herumkommen. Die Plantagenbetreiberin Perum Perhutani hat die Zertifikate schon mit einem Vertrauensvorschuss erhalten und diesen unverfroren ausgenutzt. Missstände wurden nicht abgestellt - sie haben sich verschlimmert. Unter dem Schutz des 'Ökosiegels' wurden Plantagen geplündert und das Holz verramscht - nicht anders als früher, da Holzhändler als Regenwaldzerstörer von Umweltverbänden gebrandmarkt wurden. Die Aufhebung der Zertifikate würde bedeuten, dass innerhalb eines Jahres kein FSC-Teak aus Indonesien mehr verfügbar wäre! Ein Schock für die Gartenmöbelhersteller, die ihre Kataloge für die kommende Saison schon gedruckt haben und auf den Vermarktungsbeschleuniger FSC-Siegel nicht verzichten wollen.

Ob man die Sanktionen nicht aufschieben und auf Besserung hoffen könne? Vielleicht könnte man sich mit einem Zwischen-Zertifikat behelfen? Ob nicht die Bundesregierung oder SmartWood mit einen Brief an die indonesische Regierung und an Perum Perhutani appellieren könnten, den illegalen Holzeinschlag zu stoppen? Die wirtschaftlichen Zwänge sind enorm: Anstelle ehrlicherweise auch auf jeden zertifizierten Stuhl einen Warnhinweis zu kleben 'Achtung, mit Ihren Kauf unterstützen Sie höchstwahrscheinlich Waldzerstörung', soll Verbraucherbetrug weiter geführt werden. Die Auswirkungen auf das Zertifzierungskonzept insgesamt sind nicht absehbar. Sowohl die Qualitätskontrollen des FSC als auch die Methodik und Praxis des Zertifizierers SmartWood im Besonderen müssen hinterfragt werden. Illegaler Holzeinschlag in den indonesischen Plantagen ist SmartWood schon seit Jahren bekannt - ein Weg dies abzustellen wurde nicht gefunden.

Doch die Übeltäter sitzen auch in Deutschland: Der Handel mit seiner Nachfrage nach nichtzertifizierten Gartenmöbeln hat den Anreiz verstärkt. Selbst solche Firmen, die FSC-Produkte im Angebot haben, verscherbeln oft billige Hehlerware und machen damit den zertifizierten Produkten aus besserer Bewirtschaftung noch Konkurrenz. Die alten Mechanismen und Verhaltensweisen der Firmen im Tropenholzgeschäft, wie sie zu Beginn der Kampagnen gegen die Regenwaldzerstörer enthüllt wurden, haben sich noch immer gehalten. Die Bundesregierung sieht bis heute dem illegalen und Wald zerstörenden Holzhandel zu. Jahrelange Lobbyarbeit für Gegenmaßnahmen waren fruchtlos - es bleibt allein bei den VerbraucherInnen: Kauft (wieder) kein Teak mehr! Pro REGENWALD, Juni/Juli 2001