BUNDESTAGSFENSTER TEXT DER MONITORSENDUNG

06.11.2005

MONITOR Nr. 540 am 3. November 2005
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Heiße Ware - Tropenholz Bericht: Claudia Cormann, Inge Altmeier

Sonia Mikich: "Schön, der neue Parkettboden aus Tropenholz. Die edlen Fensterrahmen, die schicken Stühle. Und gar nicht so teuer. Wir achten außerdem beim Kauf auf Umweltsiegel, denn wir lieben ja die Urwaldbäume, wir lehnen Raubbau natürlich ab. Alles politisch korrekt? Von wegen! Allein die EU importiert jährlich illegales Holz aus Asien - für 2,6 Milliarden Euro. Paradox, einerseits blüht das Geschäft mit Hehlerware, andererseits geben wir Deutsche jährlich 125 Millionen Steuer-Euro aus, für Waldentwicklungsprojekte, für den Schutz von Urwäldern. In Berlin und im fernen Indonesien haben Claudia Cormann und Inge Altemeier recherchiert. Ein Umwelt-Zertifikat und seine Geschichte "Heiße Ware: Tropenholz".

"Schöne Schöpfung. Tropische Wälder auf Sumatra. Die Pflanzen, die Tiere gehören geschützt, das empfinden viele Menschen so. Doch diese Welt ist bedroht. Polizeischutz für ein Bundestagsverwaltungsgebäude: Hinter dem Tor drängeln Umweltschützer. Sie wollen den Einbau von Fenstern aus wertvollem Tropenholz verhindern. Hier werden rund 500 Fenster aus dem uralten Tropenholz Meranti geliefert. Sie protestieren, weil offizielle Importzahlen zeigen, es wird viel mehr Tropenholz nach Deutschland eingeführt, als in Indonesien legal abgeholzt werden darf. Woher aber kommt dann das Tropenholz für diese Fenster?

Hier will niemand Auskunft geben. Reporterin: "Sie liefern die doch hier?" Mann: "Ich sag' das nicht." Woher stammt das Holz für die Fenster? Zuständig ist das Bundesbauamt in Berlin. Die Ausschreibung sei ordnungsgemäß verlaufen, heißt es dort, und nach langem Bitten wird uns ein Zertifikat überlassen, ausgestellt in Medan, Indonesien. Deshalb machen wir uns selbst auf nach Indonesien-Sumatra. Hier sind nur noch wenige Gebiete zum Abholzen von Tropenholz freigegeben, nur diese legalen Hölzer tragen dann alle ein offizielles Siegel. Wir beginnen unsere Suche bei den Abholzern mitten im Naturschutzgebiet, denn das wertvolle Meranti-Holz gibt es nur noch hier. Von nachhaltiger Forstwirtschaft kann dabei keine Rede sein. Wir sehen Kahlschlag im geschützten Urwald von Waldbewohnern, die für Hungerlöhne arbeiten. Wem liefert ihr das Holz?

Abholzer (Übersetzung MONITOR): "Darüber wissen wir nichts. Das sind die Angelegenheiten der oberen Leute, das interessiert uns auch nicht, Hauptsache, wir bekommen unser Essen." Wir suchen diese "oberen Leute", die mit den uralten Bäumen ihr Geld machen und landen bei den großen Holzhändlern auf Sumatra. Auf unserem Zertifikat steht die Firma Inawood als Exporteur von dem Meranti-Holz für die Fenster in Berlin. Wir melden uns an bei dem indonesischen Holzhändler, und ein Gespräch wird uns zugesagt. Aber als wir das Zertifikat zeigen und um eine Stellungnahme bitten, geht plötzlich gar nichts mehr: Keine Auskunft, Tor zu.

Jetzt versuchen wir es da, wo das Zertifikat für das Berliner Fensterholz ausgestellt worden sein soll. Beim Leiter der lokalen Forstbehörde in Medan. Mit seinem Namen ist das Zertifikat unterschrieben. Immer wieder studiert er das Papier, auch die Assistentin kann nicht helfen. Dann das Eingeständnis: Er weiß nichts über die Abholz-Konzession der im Papier stehenden Firma Inawood.

Fenster aus Tropenholz; Rechte: WDR-Fernsehen 2005
Arli M. S., Leiter Forstbehörde, Medan (Übersetzung MONITOR): "Was sind das für Daten? Ich versteh' das nicht, ich kenn' das Dokument nicht, aber es gibt es ja wohl." Arli M. S., Leiter Forstbehörde, Medan; Rechte: WDR-Fernsehen 2005
Auch bei der lokalen Forstpolizei versuchen wir es. Sie ist für die Überwachung der Wälder zuständig. Gibt es hier vielleicht offizielle Frachtpapiere oder irgendwas, das bestätigt, dass die Firma Inawood legal geschlagenes Holz verkauft haben könnte. Versprechungen.

Forstpolizist (Übersetzung Monitor): "Ja, die sind sicher da, und wir können die Papiere von Inawood vorlegen, bitte warten Sie!" Erst hektische Suche, dann warten wir - stundenlang. Fehlanzeige! Es gibt keine Originalpapiere zu der Fracht, die in Deutschland und dann als Fensterholz bei der Bundestagsverwaltung gelandet ist. Wir treffen Arbeiter der Firma Inawood. Sie wollen mit uns sprechen, dürfen aber nicht erkannt werden. Sie könnten nicht nur Ihren Job verlieren, die Methoden der Bosse in diesem Geschäft sind brutal, aber trotzdem trauen sie sich.

Arbeiter der Firma Inawood (Übersetzung Monitor): "Das Holz kommt immer nachts, jede Nacht kommen fünf LKW. Wir wissen, die haben keine Abholzkonzession. Das läuft mit Schmiergeldern." Und manchmal benutzen sie denselben Frachtbrief fünf Mal, sagt er uns weiter. Mutig bestätigen sie dies auch schriftlich. Denn auch sie können die Zerstörung Ihrer Heimat nicht mehr ertragen. Der indonesische Forstminister in Jakarta, die oberste politische Instanz: Auch ihm präsentieren wir das Zertifikat und die Aussagen der Arbeiter.

Der Kampf gegen den Raubbau von Tropenholz sei sein wichtigstes Ziel, sagt er. Endlich habe er durch uns einen Beweis in den Händen: Malam Sambat Kaban, Forstminister, Indonesien (Übersetzung MONITOR): "Unser größtes Problem ist die Fälschung von Dokumenten. Auch dieses Zertifikat ist eindeutig gefälscht. Wir arbeiten daran, denn so wird geschütztes Tropenholz aus Sumatra rausgeschmuggelt. Ich werde jetzt sofort Untersuchungen einleiten, um diese Fabrik möglichst schnell zu schließen, denn es ist klar, diese Fabrik hat keine Abholzkonzession, und damit ist das Holz aus illegalen Quellen und verstößt gegen das Gesetz. Wir müssen direkt die Betriebsgenehmigung entziehen."

Malam Sambat Kaban, Forstminister, Indonesien; Rechte: WDR-Fernsehen 2005
Für ihn ist klar: Das Zertifikat ist gefälscht. Das Holz für die Fenster der Bundestagesverwaltung kam auf den Markt durch Diebstahl, Betrug und Korruption in Indonesien. Und wer bestellt dieses Holz? Wer kauft es? In den Lagerhallen auf Sumatra geht unsere Suche weiter, diesmal nach dem deutschen Importeur. Auf unserem dubiosen Zertifikat heißt es, die Firma Münchinger habe das Holz für die Fenster in Indonesien gekauft. Wir fahren zu der Firma Münchinger in Ötisheim und möchten wissen, wie sie sicherstellen kann, dass nur legal geschlagenes Holz importiert wird? Aber es gibt darauf keine Antwort. Statt dessen ein Schreiben vom Rechtsanwalt, dass die Firma keine Erklärungen zu ihren Lieferanten abgeben wolle.

Dabei wäre es doch wichtig zu wissen, ob die Holzhändler sicher sind, woher ihre Ware stammt. Denn Umweltschutz ist für die Deutschen eine Herzensangelegenheit. Kaum ein anderes Land setzt sich so sehr ein für den Erhalt der Urwälder. Erich Stather, Staatssekretär Entwicklungshilfeministerium: "Wir realisieren im Augenblick Tropenwaldprojekte in einem Volumen von 937 Millionen Euro. Was in Berlin passiert ist, trifft unser entwicklungspolitisches Herz, und es konterkariert unsere Politik, und deswegen halten wir es für falsch."

Erich Stather, Staatssekretär Entwicklungshilfeministerium; Rechte: WDR-Fernsehen 2005
Viele hundert Millionen Euro aus Deutschland zum weltweiten Schutz von Wäldern. Dennoch gelangt offenbar noch immer illegal geschlagenes Tropenholz zu uns, sogar in Bundesbauten. Weil hier kaum zu prüfen ist, wie zuverlässig irgendwelche Zertifikate sind: Florian Mausbach, Präsident Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung: "Ich kritisiere ja die Tatsache, dass dies so geschehen ist und nehme das ja auch zum Anlass, jetzt zu klären, wie wir in Zukunft hier ordentliche Ausschreibungen schaffen. Auch so klar, dass der Anbieter weiß, er hat bestimmte Holzarten nicht zu liefern. Das ist für mich der Anlass. Ich bedaure das, es ist ein Fehler, der passiert ist. Er ist aber nicht den Mitarbeitern anzulasten, weil, wie ich sage, es bisher von Seiten der Bundesregierung eine klare Vorschrift zu diesem Vorgehen nicht gibt."

Reporterin: "Man hätte ja auch Eichenholz nehmen können und die Deutsche Wirtschaft unterstützen." Florian Mausbach, Präsident Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung: "Ja, die Deutsche Wirtschaft unterstützen. Auf der anderen Seite sind wir gehalten, wirtschaftlich und sparsam zu wirtschaften. Leider ist es so, dass dieses Holz offenbar von besonders hoher Qualität ist, aber auch verglichen mit Eichenholz außerordentlich preisgünstig." Florian Mausbach, Präsident Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung; Rechte: WDR-Fernsehen 2005 Und hier endet unsere Suche nach der Herkunft des Tropenholzes. Strafbar macht sich bisher in Deutschland niemand, wenn er illegal geschlagenes Holz kauft oder verkauft. Das könnte ein Urwaldschutzgesetz endlich ändern.