Gewalt gegen Guarani-Indigene hält an

Indigene protestieren mit Rasseln und in traditioneller Aufmachung Die indigenen Guarani kämpfen für ihr Recht auf Land und ein würdevolles Leben

25.10.2012

Rettet den Regenwald berichtete schon mehrfach über die dramatische Situation der brasilianischen Guarani-Kaiowá. Seit Jahren ist die indigene Gemeinde in Mato Grosso do Sul den brutalen Angriffen und Vertreibungen der Besitzer von industriellen Zuckerrohr- und Sojaplantagen sowie Viehfarmen ausgesetzt. Nun haben sie in einem verzweifelten Brief an den brasilianischen Indigenen-Rat ihre aussichtslose Situation dargestellt.

Die Guarani-Kaiowá klagen in ihrem Schreiben vom 8.10.2012 das brasilianische Justizministerium an, die Rechte der Ureinwohner massiv zu verletzen und ihre Existenz zu gefährden. Das Ministerium ordnete jüngst die Räumung einer von Guarani besetzten Farm an, obwohl diese auf traditionell indigenem Territorium steht. „Wir wollen sterben und direkt hier mit unseren Vorfahren beerdigt werden. Deshalb bitten wir die Regierung und das Justizsystem, nicht unsere Vertreibung, sondern unseren kollektiven Tod anzuordnen und uns hier zu begraben.“, schreiben die Guarani verzweifelt.

Das Leben der etwa 43.000 in Brasilien lebenden Guarani ist von der Agroindustrie massiv bedroht. Vor allem der Zuckerrohranbau für die Herstellung von Agrartreibstoff aus Ethanol gefährdet ihre Lebensgrundlagen: 2010 befanden sich 13 der 20 im Bundesstaat Mato Grosso do Sul betriebenen Zuckerrohrfabriken illegal auf rechtlich geschütztem indigenem Territorium. Weitere Anlagen sind in Planung.

Die Guarani sind die Bevölkerungsgruppe mit der höchsten Selbstmordrate in Brasilien. Zudem werden die Guarani auch immer wieder Opfer von Gewalt. Die Zahl der Morde an Guarani-Indigenen ist laut dem CIMI überdurchschnittlich hoch. Auch Probleme wie Alkoholismus, Unterernährung und Krankheiten sind in den überbevölkerten Reservaten weit verbreitet.

Rettet den Regenwald unterstützte bereits im vergangenen Jahr eine Protestaktion gegen Shells brasilianische Tochterfirma Raízen und forderte den Rückzug des Konzerns aus dem traditionellen Gebiet der Guarani. Dort hatte Shell Zuckerrohrplantagen für die Ethanol-Produktion errichtet, bestimmt für den hierzulande erhältlichen E10-Treibstoff. Daraufhin zog sich der Konzern im Juni dieses Jahres aus dem Gebiet zurück – ein Teilerfolg in der dramatischen Geschichte der Konflikte um das Land der Guarani. Rettet den Regenwald fordert auch weiterhin von der brasilianischen Regierung, die Rechte und Landtitel der Guarani anzuerkennen und sie für das erlittene Unrecht zu entschädigen.

Hier gelangen Sie zur ausführlichen Studie von Survival International über die prekäre Lage der Guarani-Indigenen in Mato Grosso do Sul.