Vorwurf: deutsche Firmen verdienen am Raubbau

Baumriesen in Gefahr: Waldvernichtung ist ein Millionengeschäft (© Tunde Morakinyo)

15.03.2016

An der drohenden Vernichtung von Regenwald in Nigerias Cross River State wären möglicherweise zwei Firmen aus Deutschland beteiligt. Durch das Straßenbauprojekt würden die indigenen Ekuri ihre Heimat verlieren. Die Vorwürfe richten sich gegen den Baumaschinen-Hersteller Liebherr und das Bauunternehmen Julius Berger.

Laut Medienberichten hat eine dreiköpfige Delegation von Liebherr jüngst Nigerias Cross River State bereist und den Fortschritt des Projekts besichtigt. In den kommenden Monaten sollten den Berichten zufolge Spezialmaschinen für den Brücken- und Straßenbau geliefert werden. Außerdem solle unter der Federführung von Liebherr ein Labor zur Qualitätskontrolle aufgebaut werden.

Der Baukonzern Julius Berger International soll ebenfalls an dem Projekt beteiligt sein. Laut einem Pressebericht hat Cross-River-Gouverneur Ben Ayade Mitte Juni 2015 in Wiesbaden, dem Firmensitz von Julius Berger, Verträge unterschrieben. Ein Foto soll das belegen.

Ein Sprecher von Liebherr in Biberach bestätigte auf Anfrage von Rettet den Regenwald, dass die Firma an dem Projekt interessiert ist und Mitarbeiter in den Cross River State gereist sind. Es gebe aber keine Verträge. Man „evaluiere“ das Projekt und schließe eine zukünftige Beteiligung nicht aus.

Der Firma sei bekannt, dass der Gouverneur des Staates „durch die Rodung von Busch Fakten geschaffen hat“, obwohl Nigerias Umweltministerium einen Stop verlangt. In diese Rodungen sei Liebherr nicht involviert.

Die Firma Julius Berger reagierte nicht auf wiederholte Anfragen.

Rettet den Regenwald hat die Unternehmen über eine Bekanntmachung des nigerianischen Umweltministeriums informiert, das einen Stop der Arbeiten am "Superhighway" fordert. Auch darauf antwortete Julius Berger nicht.

Die ursprünglich schwäbische Firma Liebherr beschäftigt in zahlreichen Gesellschaften weltweit mehr als 40.000 Menschen und unterhält ein Büro in Nigerias Hauptstadt Abuja. Offizieller Firmensitz der Liebherr-International AG ist Bulle in der Schweiz.

Julius Berger ist seit 50 Jahren in Nigeria tätig. In dem westafrikanischen Land beschäftigt das Unternehmen 16.000 Mitarbeiter. Neben Wiesbaden ist Abuja Hauptsitz der Firmengruppe. Der Mannheimer Baukonzern Bilfinger hält 16,5 Prozent der Anteile von Julius Berger Nigeria, habe jedoch "keinerlei Einfluss auf das operative Geschäft".