Ghana darf seine Natur nicht an China verkaufen

ein grün-braun gemustertes Chamäleon klammert sich an einen Ast Das „Grazile Chamäleon“ ist Teil der großen Reptilien-Vielfalt im Atewa-Wald (© Piotr Naskrecki)

Eine seltene Primatenart haben Forscher gerade im Atewa-Wald entdeckt – nie zuvor wurde die Weißnackenmangabe dort gesehen. Der dichte Urwald im Südosten Ghanas ist extrem artenreich und steht unter Schutz. Dennoch schloss die Regierung einen Milliarden-Deal mit China, um in Atewa Bauxit zu fördern. Das wollen wir gemeinsam verhindern!

News und Updates Appell

An: HE Nana Akufo-Addo, Präsident der Republik Ghana, Mahamudu Bawumia, Vizepräsident

„Der Atewa-Wald ist Schutzgebiet und darf nicht für Bauxit ausgebeutet werden. Bitte erklären Sie ihn zum Nationalpark.“

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Ransford Adjei war sprachlos, als er die Bilder seiner Kamerafalle prüfte. Der Forscher vom Umweltnetzwerk A Rocha International hatte mit Zibetkatzen oder Pangolinen gerechnet, im Glücksfall mit einem Geoffroy-Stummelaffen. Aber eine Weißnackenmangabe? Die Primatenart ist in der Wildnis vom Aussterben bedroht.

Der Atewa-Bergregenwald ist außergewöhnlich artenreich: immergrüner Dschungel, Flusslandschaften als Refugium für seltene Tiere und Pflanzen. Und Wasserspender für fünf Millionen Menschen.

Doch Atewa ist auch reich an Bauxit. Und das will die Regierung fördern und vermarkten – obwohl die 26.000 Hektar umfassende „Atewa Range Forest Reserve“ offiziell Schutzgebiet ist.

„Die Entdeckung der Weißnackenmangabe wird unsere Kampagne zur Rettung des Atewa-Waldes stärken.“ Davon ist Daryl Bosu fest überzeugt. Der stellvertretende Ghana-Direktor von A Rocha International kämpft seit mehr als vier Jahren darum, dass die Regierug Atewa zum Nationalpark erklärt.

„Wir waren fast am Ziel“, sagt Bosu. „Mit Unterstützung von Naturschützern aus aller Welt, auch von Rettet den Regenwald, konnten wir die damalige Regierung überzeugen, Genehmigungen zur Bauxit-Förderung zurückzuziehen und künftig einen Nationalpark zu schaffen.“

Die neue Regierung ist nun entschlossen, die Bodenschätze zu Geld zu machen und hat mit China einen 10-Millarden-Dollar-Deal vereinbart zur Ausbeutung und Verarbeitung von Bauxit. „Alle Verhandlungen finden hinter geschlossenen Türen statt“, klagt Daryl Bosu und fordert seine Regierung auf, die Karten auf den Tisch zu legen und den Atewa-Wald vor jeglicher Ausbeutung zu schützen.

„Kein Dollar aus dem Bauxit-Handel kann den Wert ausgleichen, den dieser Naturschatz für uns und alle Generationen nach uns darstellt. Bitte fordern Sie mit uns, Atewa Forest zum Nationalpark zu erklären."

Hinter­gründe

Der Deal mit China

Seit Januar 2017 ist Ghanas neue Regierung im Amt. Und sie ist, so Umweltschützer Daryl Bosu, hartnäckiger und entschlossener als ihre Vorgängerin, die Bodenschätze zu Geld zu machen. „Präsident Nana Akufo-Addo von der New Patriotic Party (NPP) hat vor der Wahl zu viele politische und wirtschaftliche Versprechen gemacht. Und der Bauxit-Deal mit China soll ihm nun helfen, sie zu erfüllen.“

Von dem Geschäft haben die Naturschützer und die Bevölkerung nur aus den Medien erfahren. So zitiert das Ghanaische Joy Online-Portal im Juli 2017 Vizepräsident Mahamudu Bawumia, dass die beiden Länder eine 15-Milliarden-Dollar-Vereinbarung für Infrastruktur-Projekte unterzeichnet haben. Davon investiert die Eisenbahngesellschaft China Railway International Group 10 Milliarden Dollar in die Bauxit-Industrie.

„Wir haben jede Menge Bodenschätze“, jubelt Bawumias Wirtschaftsberater Gideon Boako in den Medien. „Ghana besitzt 960 Millionen Tonnen Bauxit-Vorkommen im Wert von 460 Milliarden Dollar. Wir werden Raffinerien und die Eisenbahntrassen bauen, um Bauxit und alles andere zu transportieren.“

Umweltschützer in aller Welt und Ghanas Bevölkerung sind besorgt. „Unsere geschützten Wälder werden in Bergbauwüsten verwandelt, und die rote Schlacke aus den Aluminium-Raffinerien wird Böden und Gewässer vergiften“, sagt Daryl Bosu. „Die Regierung verschachert unsere Wälder - ohne Rücksicht auf die unbezahlbaren Naturressourcen, von denen wir leben.“

Atewa Forest Range Reserve: Artenvielfalt und Wasserreichtum

Das Atewa-Reservat erstreckt sich im Südosten Ghanas über 2.600 Quadratkilometer und gehört zu den größten zusammenhängenden intakten Tropenwaldgebieten Westafrikas.

Atewa ist ein Mosaik aus tropischem Bergwald mit klaren Quellen und Flüssen, Hochplateaus, Grasland und Sumpfgebieten. Groß ist der Reichtum an Tier- und Pflanzenarten; viele von ihnen sind endemisch, einige stark bedroht.

Pflanzen: Mit mehr als 650 Gefäßpflanzen-Arten hält Atewa in Ghana den Rekord. Dazu gehören allein 323 Baumarten.

Schmetterlinge: Mehr als 570 Arten wurden im Atewa-Wald bisher gezählt – die höchste Anzahl in Westafrika. Dazu gehört der Mylothris atewa, ein großer, langsam fliegender Schmetterling, der nirgends sonst auf der Erde entdeckt wurde.

Säugetiere: Zu den rund 40 Arten gehören sechs Primaten – drei von ihnen sind stark bedroht: Weißnackenmangabe, Geoffroy-Stummelaffe und Grüner Stummelaffe.

Vögel: Der Atewa-Bergwald gehört mit mehr als 150 Arten zu den bedeutendsten Vogelhabitaten Afrikas. Zu den seltenen Arten gehören der Braunwangenhornvogel (Bycanistes cylindricus) und der Singvogel Nimba Trauerschnäpper (Melaenornis annamarulae).

Auch bei den Heuschrecken ist Atewa in ganz Afrika mit 61 Arten die Nummer Eins. Und zu den 40 bis 50 Amphibienarten gehört der vom Aussterben bedrohte Conraua derooi – die weltweit größte Population dieses 8 cm großen Frosches lebt in den Flussgebieten des Atewa-Bergwaldes.

An­schreiben

An: HE Nana Akufo-Addo, Präsident der Republik Ghana, Mahamudu Bawumia, Vizepräsident

Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrter Herr Vizepräsident,

Ihr Land besitzt mit dem Atewa-Bergregenwald einen der bedeutendsten Naturschätze Westafrikas. Er ist Lebensraum für Tiere und Pflanzen, die es nur noch selten auf dem Kontinent gibt; oder die ausschließlich im Atewa-Wald vorkommen.

Erst im November 2017 haben Forscher der Umweltorganisation A Rocha Ghana die vom Aussterben bedrohte Weißnackenmangabe im Atewa-Wald entdeckt. Ein Glücksfall – verbunden mit der Hoffnung, dass in den dichten Bergregenwaldregionen noch weitere Arten leben, von deren Existenz man bisher nichts ahnt.

Bitte setzen Sie diesen Reichtum nicht aufs Spiel. Beenden Sie jegliche Pläne, den Atewa-Bergwald für wirtschaftliches Wachstum zu opfern. Schließen Sie Atewa aus dem Bauxit-Abkommen mit China aus und respektieren Sie das international verbriefte Recht der Bevölkerung auf umfassende Information und Zustimmung. Die Verhandlungen dürfen nicht weiter unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführt werden.

Der Atewa-Wald wird wegen seiner außergewöhnlichen Biodiversität seit 1926 auf verschiedenen Ebenen als Schutzgebiet anerkannt. Machen Sie nun den letzten Schritt und erklären Sie ihn zum Nationalpark. Zum Nutzen der Millionen Menschen, die von Atewas Wasserreichtum leben. Und zum Schutz der einzigarten Tier- und Pflanzenwelt.

Freundliche Grüße

5-Minuten-Info zum Thema: Aluminium

Definition: Was ist Aluminium?

Aluminium ist das dritthäufigste chemische Element (Zeichen AL). Das Metall wird aus dem Erz Bauxit gewonnen. In der Erdkruste tritt es in Form von Oxiden und Aluminiumsilicaten Metall auf. Haupteinsatzgebiete von Aluminium und seiner Legierungen sind der Fahrzeug-, Flugzeug- und Schiffbau. Außerdem werden Leitungen, Leichtbaustoffe und Konstruktionselemente aus Aluminium hergestellt. Zudem dient es als Verpackungsmaterial.

Wozu wird Alluminium benutzt?

Rostfrei, leicht formbar und bei gleicher Festigkeit nur halb so schwer wie Stahl – diese Produkteigenschaften sind es, die Aluminium im Konstruktions- und Transportbereich so beliebt machen. Mehr als die Hälfte der weltweiten Aluminiumproduktion fließt in diese Sektoren. In Deutschland ist die Autoindustrie der größte Aluminiumverbraucher: Rund 150 Kilogramm des Leichtmetalls sind in jedem PKW verbaut.

Etwa 20% des Aluminiums stecken in Verpackungen: In Kaffeekapseln, Konservendosen und Joghurtdeckeln punktet das Metall durch seine Lichtundurchlässigkeit und Geschmacksneutralität.
Aluminium wird außerdem als Antitranspirant in Deos eingesetzt, reguliert die Beschaffenheit von Cremes und ist Bestandteil von Medikamenten.

Die Nachfrage nach dem Alleskönner Aluminium ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Mit verheerenden Folgen.

Welche ökologischen Schäden richtet Aluminium an?

Aluminium, der rote Tod

Zwar ist Aluminium das häufigste Metall der Erdkruste, jedoch kommt es nur in gebundener Form vor. Die Herstellung des glänzenden Aluminiums aus dem Ausgangsmaterial Bauxit bringt zahlreiche Umweltprobleme mit sich:

  1. Regenwaldrodungen für den Bauxitabbau
    Ein großer Teil der Bauxitvorkommen lagert in den Regenwaldländern. Um an die dünne Gesteinsschicht unter der Erdoberfläche zu gelangen, werden in Australien, Indonesien, Brasilien und Guinea riesige Waldflächen gerodet und der Boden abgetragen. Im brasilianischen Porto Trombetas wird Jahr um Jahr eine Fläche in der Größe von 250 Fußballfeldern gerodet, um Platz für den Bauxitabbau zu machen.

  2. Giftige Abfallprodukte
    In aufwendigen chemischen Verfahren wird aus dem Bauxit Aluminium gewonnen. Dabei fallen pro Tonne Aluminium bis zu vier Tonnen giftiger, durch eisenreiche Verbindungen rotgefärbter, Schlamm an. Gelagert wird der sogenannte Rotschlamm in riesigen, offenen Auffangbecken. Regelmäßig kommt es zu Lecks oder Dammbrüchen der Deponiebecken; dann überströmen die stark ätzenden Schlammassen oft ganze Dörfer. Toxische Schwermetalle wie Blei, Cadmium und Quecksilber verwandeln vormals lebendige Flüsse in giftige Todeszonen. Doch auch ohne große Unfälle kommt es zum Eintrag von Umweltgiften in Luft, Böden und Gewässern: Die in der Umgebung von Minen und Aluminiumfabriken lebenden Menschen klagen über verseuchtes Trinkwasser, Hautkrankheiten und Fischsterben.

  3. Hoher Energieverbrauch bei der Weiterverarbeitung
    Um eine Tonne Aluminium herzustellen, werden 15 Megawatt-Stunden Strom benötigt – so viel wie ein 2-Personen-Haushalt in fünf Jahren nutzt. Die energieaufwendige Aluminiumproduktion lohnt sich wirtschaftlich nur, wenn sehr viel sehr günstiger Strom zur Verfügung steht. Hierfür werden zum Beispiel in Brasilien gigantische Wasserkraftwerke errichtet und das Land indigener Gemeinden geflutet.

Die negativen Auswirkungen von Aluminium sind nicht nur in den Produktionsländern zu spüren. In Alltagsprodukten bedroht das Metall auch unsere Gesundheit: Aus Aluminiumfolie gelöste Salze, ebenso wie die Alubestandteile in Deodorants und Medikamenten, können sich in unserem Körper anlagern und stehen im Verdacht, Krebs und Alzheimer auszulösen.

Welche Lösungen gibt es? – Unverpackt gut

Aluminium ist in unserem Alltag allgegenwärtig. Die Aluminiumproduktion ist zwischen 2009 und 2016 um knapp 60% auf 58,3 Millionen Tonnen pro Jahr angestiegen – nicht zuletzt für Produkte des täglichen Lebens. Gerade deshalb besteht ein großes Einsparpotential.

  1. Selbst gemacht und clever verpackt: Gemüsedöner in Aluminiumfolie, Müsliriegel in Mehrschichtverpackungen - Gerade das Essen für unterwegs kommt oft im Alu-Mäntelchen daher. Snacks für Büro und Schule lassen sich mit ein bisschen Planung zu Hause vorbereiten. Wer Brotboxen statt Alupapier zum Verpacken verwendet und Mehrwegflaschen (mit selbst zubereitetem Eistee) der Getränkedose vorzieht, kann viel Verpackungsmüll einsparen.

  2. Kaffee ohne Kapselmüll: Ein Kilogramm Kapselkaffee kostet den Verbraucher bis zu 80 €. Ein teures Vergnügen – auch für die Umwelt. Für sechs bis sieben Gramm Kaffee werden bis zu drei Gramm Verpackungen gebraucht. 8.000 Tonnen Kapselmüll fallen in Deutschland pro Jahr an. Günstiger und umweltschonender brüht man Kaffee mit einer Durchdrückkanne (French Press) oder einer Espressomaschine aus Edelstahl für die Herdplatte. Für Vieltrinker lohnt sich ein Vollautomat.

  3. Ein zweites Leben: Nicht immer lassen sich Aluminiumhüllen vermeiden. Der Rohstoff aus Medikamentenverpackungen & Co. kann aber theoretisch unbegrenzt wiederverwendet werden – sofern er von uns richtig entsorgt wird (Gelber Sack/ Gelbe Tonne).

  4. Weiternutzen statt wegwerfen: Computergehäuse, Alu-Regal, Teppichleisten – das Metall steckt in zahlreichen Haushaltsgegenständen. Wer in hochwertige Produkte investiert und diese so lange nutzt wie möglich, kann seinen Aluminium-Fußabdruck verringern.

  5. Unterwegs ohne Aluminium-Auto: Die bis zu 150 Kilogramm Aluminium, die in einem Auto verbaut sind, können ein gutes Argument gegen einen Neuwagen und für den Umstieg auf Fahrrad, Bus und Bahn sein.

  6. Gesund ohne Aluminium: Wer den eigenen Körper schützen möchte, greift auf alufreie Naturkosmetik zurück und wählt ein Deo ohne Aluminiumsalze (z.B. auf Natronbasis). Für Medikamente mit Aluminium (z.B. gegen Sodbrennen) können Apotheker oft Alternativen empfehlen. Keinesfalls sollten säurehaltige Lebensmittel in Aluminiumfolie gelagert werden: schädliche Aluminiumsalze könnten in die Lebensmittel übergehen, warnt das Bundesinstitut für Risikobewertung.

  7. Unterrichten und Unterzeichnen: Was haben Kaffeekapseln mit Regenwaldzerstörung zu tun? Die Weitergabe von Informationen von unserer Website oder aus dem Regenwaldreport hilft, über die Gefahren von Aluminium aufzuklären. Sinkt die Nachfrage nach den Produkten, können die Unternehmen zum Umdenken bewegt werden. Online-Proteste üben zusätzlichen Druck aus.

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