Ecuador: Der Regenwald darf nicht für Windenergie geplündert werden

Balsaholz im Rotorblatt Die Innenseite eines 81 m langen Rotorblatts wird im Februar 2022 in einem Werk von Siemens Gamesa in Dänemark mit Balsa ausgekleidet (© Carsten Snejbjerg) Balsa-Holz gestapelt Balsa-Holzlager in der Siedlung Copataza im Amazonasregenwald (© Felipe Bonilla) Balsaholz wird in Lkw verladen Abtransport von Balsa-Kanthölzern am Ufer des Napo-Flusses (© Ivan Castaneira/Agencia Tegantai)

Wir müssen rasch unsere Versorgung auf erneuerbare Energien umstellen - und vor allem viel weniger Energie und Rohstoffe verbrauchen. Windkraftanlagen sind ein wichtiger Teil der Energiewende. Allerdings stecken in den Rotoren oft große Mengen von tropischem Balsa-Holz. In Ecuador werden dafür die Regenwälder geplündert.

Appell

An: Siemens Gamesa, General Electric, LM Wind Power, Vestas, Nordex, Enercon

„Die Windkraftindustrie muss ihre Lieferketten für Balsa-Holz offenlegen und darf kein Balsa aus Regenwaldrodung verwenden“

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Der Ausbau der Windkraft in China, Europa und Nordamerika hat in Ecuador ein Balsa-Drama ausgelöst. Aus Ecuador kommt bis zu 90 % des weltweit gehandelten Balsa-Holzes.

Um die Nachfrage zu decken, fallen Holzfäller und Händler in die Regenwaldgebiete ein und plündern die Balsa-Bestände.

Auch vor indigenen Territorien und staatlichen Schutzgebieten machen sie nicht halt und verursachen dort schwere soziale Konflikte.

 

Für die Natur ist der Einschlag von Balsa verheerend. Die Baumart erfüllt wichtige ökologische Funktionen und schützt die Flussufer, an denen sie häufig wächst, vor Erosion.

Der weltweit größte Verbraucher von Balsa ist Siemens Gamesa. Der deutsch-spanische Windkraftkonzern hat 2021 fast 26.000 t Balsa-Holz verbraucht (umgerechnet etwa 170.000 m³).

So stecken in den drei 81 m langen Rotorblättern von Offshore-Windkraftanlagen von Siemens Gamesa insgesamt fast 6 t Balsa (ca. 40 m3). Das entspricht ca. 40 Bäumen. Das Holz wird in den Flügeln mit Kunststoffen wie PET und PVC sowie Glasfasern und Epoxidharzen fest verklebt.

Auch andere Windanlagenbauer setzen Balsa ein, allerdings in geringeren Mengen: Bei Nordex waren es 2021 ca. 9.000 m³ und bei Vestas 2.500 m³.

LM Wind Power, ein Tochterunternehmen des US-Multis General Electric, verwendet in 5 % der Rotoren Balsa. Der Konzern selbst und die deutsche Firma Enercon haben auf die Anfragen von Rettet den Regenwald nicht reagiert.

Die Firmen berufen sich auf Balsa der Schweizer Unternehmensgruppe 3A Composites, dem global einzigen Betreiber FSC-zertifizierter Balsa-Plantagen. Doch der weltweite Balsa-Verbrauch der Windkraftindustrie ist viel höher als die von 3A Composites produzierten Mengen. Insbesondere die Angaben von Siemens Gamesa werfen große Zweifel auf.

Die Lieferketten bei Balsa müssen transparent gemacht und nachprüfbar werden.

Hinter­gründe

Die Schweizer Unternehmensgruppe 3A Composites, der weltweit einzige Lieferant von FSC-zertifzierten Balsa-Holzprodukten, hat nach eigenen Angaben in den Jahren 2019 bis 2021 jeweils gut 120.000 m³ rohes Balsa-Schnittholz auf seinen Plantagen (Tochterfirma Plantabal SA) in Ecuador produzierti. Wie viele Kubikmeter fertige Balsa-Produkte daraus hergestellt und ausgeliefert wurden, gibt die Firma nicht an. 3A-Composites beliefert neben der Windkraftbranche auch die Bauindustrie sowie den Fahrzeug-, Eisenbahn-, Flugzeug- und Schiffsbau mit Balsa-Produkten.

Die ecuadorianische Zentralbank beziffert die Balsa-Exporte des südamerikanischen Landes im Jahr 2019 auf insgesamt 33.000 t (umgerechnet etwa 220.000 m³). 2020 waren es fast 75.000 t (ca. 500.000 m³) und 2021 gut 22.000 t (ca. 150.000 m³)ii.

Im jahr 2019 hat Siemens Gamesa laut Nachhaltigkeitsbericht sogar 53.052 t Balsa verbraucht (umgerechnet etwa 350.000 m³)iii. Der Konzern kann dabei offenbar nicht ausschließen, dass Balsa-Holz aus nicht nachhaltigen oder fragwürdigen Quellen in die Lieferkette gelangt. Zumindest klingen die Angaben von Siemens Gamesa im Nachhaltigkeitsbericht ziemlich vage. So schreibt Siemens Gamesa dort zu Balsa:

Im Allgemeinen können wir bestätigen, dass es sich nicht um eine gefährdete Ressource handelt und dass es nicht zu systematischen Menschenrechtsverletzungen kommt. Unser Ziel ist es, Balsaholz zu kaufen, das aus verantwortungsvollen Quellen stammt, um den illegalen Holzeinschlag zu bekämpfen, der eine der Hauptursachen für die Abholzung der Wälder ist.

Außerdem stehen dort Angaben, die wohl den Balsa-Verbrauch rechtfertigen sollen, aber aus praktischer Erfahrung und wissenschaftlicher Sicht falsch sind:

Balsaholz ist ein schnell nachwachsender Rohstoff, der ohne Düngemittel oder andere zusätzliche Ressourcen leicht angebaut werden kann. Daher kann es nachhaltig angebaut werden. Balsaholz ist dort, wo es heimisch ist, ein Unkrautbaum und hat eine relativ kurze Lebensspanne. Manchmal sät er sich an ungünstigen Stellen selbst aus.

Fakt ist: Auf den Balsa-Plantagen der Tochterfirma Plantabal SA von 3A-Composites in Ecuador werden große Mengen Mineraldünger und Pestizide ausgebracht. Laut FSC-Zertifizierungsberichten waren es allein im Jahr 2021 an Herbiziden 13.650 Liter Glyphosat auf 5.529 ha Fläche sowie 507 Liter des Produkts „Verdict“ auf 504 haiv. Die Spritzmittel dienen dazu, allen anderen Pflanzenwuchs auf den Flächen zu eliminieren. Daneben werden auch Insektizide und Schneckengifte auf den Balsa-Plantagen versprühtv.

Auch die Behauptung, dass Balsa ein Unkrautbaum sei, ist schlichtweg falsch und entbehrt jeder wissenschaftlichen Grundlage. Balsa-Bäume haben sehr wichtige ökologische Funktionen in den tropischen Regenwäldern in Lateinamerika: Die schnell wachsende Pionierbaumart besiedelt rasch Lichtungen und freie Flächen. Balsa-Bäume leiten damit die erste Phase der natürlichen Erneuerung ein und bereiten Baumarten späterer Sukzessionsphasen den Weg, die in ihrem Schatten keimen und aufwachsen. Balsa-Bäume erfüllen damit wichtige Funktionen für die natürliche Regenerierung der Regenwälder.

Weitere Informationen:

- Artikel im Regenwald Report 2-2022 „Aus dem Regenwald ins Windrad“ und als pdf-Dokument auf den Seiten 4 bis 8.

- Badia I Dalmases, F. (2021) in El Pais. How the wind power boom is driving deforestation in the Amazon:https://english.elpais.com/usa/2021-11-26/how-the-wind-power-boom-is-driving-deforestation-in-the-amazon.html

- Badia I Dalmases, F. (2021) in Open Democracy. A green paradox: Deforesting the Amazon for wind energy in the Global North:https://www.opendemocracy.net/en/democraciaabierta/deforesting-the-amazon-for-wind-energy-in-the-global-north-a-green-paradox/

- InSight Crime (2021). Timber Mafias at Ecuador’s Borders Cash in on Balsa Boom: https://insightcrime.org/news/timber-mafias-ecuadors-borders-cash-in-balsa-boom/

- Connectas (2021). De la selva a la China: La fiebre balsera que pagó 22 centavos de dólar por árbol: https://www.connectas.org/especiales/de-la-selva-a-la-china/

- Bravo, E. (ed), Acción Ecológica, (2021). LA BALSA SE VA. ENERGÍAS RENOVABLES, SELVAS VACIADAS. Expansión de la energía eólica en China y la tala de balsa en el Ecuador: https://www.accionecologica.org/wp-content/uploads/LA-BALSA-SE-VA.pdf

- Geo (ohne Datum). Nektar für die Nachtschicht: https://www.geo.de/natur/tierwelt/tieftaucher_30073658-30168962.html und Geo (ohne Datum). Nachschlag von der Nektar-Nachtschicht. Zusätzliche Bilder von den nächtlichen Besuchern des Balsabaumes: https://www.geo.de/info/nachschlag-von-der-nektar-nachtschicht-30168976.html

- National Geographic (2011). Open All Night: https://www.nationalgeographic.com/magazine/article/panama-ochroma

Quellenangaben:

i 3A Composites/Schweiter Technologies, Jahresberichte 2019, 2020, 2021: https://www.schweiter.ch/s1a200/investoren/geschaftsberichte-prasentationen.html?L=3

Von Plantabal produzierte Balsa-Holzmenge ("grünes Schnittholz"): 2021:124.774 m3; 2020: 123.818 m3; 2019: 122.952 m3

ii Banco Central del Ecuador (generiert am 20.4. 2022). 08. Export. por Producto Pricipal (nivel 4): https://www.bce.fin.ec/index.php/informacioneconomica/sector-externo

iii  Siemens-Gamesa (2022). Consolidated Non-Financial Statement 2021, Seite 73, Tab. 34: https://www.siemensgamesa.com/en-int/-/media/siemensgamesa/downloads/en/sustainability/siemens-gamesa-consolidated-non-financial-statement-2021-en.pdf

iv NEPCON/Preferred by Nature (2021). Informe de Certificación de Manejo Forestal de Segunda Auditoría Plantaciones de Balsa S.A. en Los Ríos, Quevedo, Ecuador, Seite 21, H. Einsatz von Pestiziden: https://fsc.secure.force.com/servlet/servlet.FileDownload?file=00P4y00001ZSopoEAD

v NEPCON/Preferred by Nature (23.2.2021). Informe de Certificación de la Manejo Forestal de auditoría anual Plantaciones de Balsa S.A. en Los Ríos, Quevedo, Ecuador, Seite 22, J. Einsatz von Pestiziden: https://fsc.secure.force.com/servlet/servlet.FileDownload?file=00P4y000017sL3IEAU

An­schreiben

An: Siemens Gamesa, General Electric, LM Wind Power, Vestas, Nordex, Enercon

Sehr geehrte Damen und Herren,

Umweltorganisationen und indigene Vereinigungen in Ecuador beklagen, dass in den Regenwaldgebieten des südamerikanischen Landes die natürlichen Balsa-Bestände geplündert werden. Der dort zumeist illegale Einschlag verursacht gravierende ökologische Schäden und Konflikte in den indigenen Gemeinschaften.

Etwa Dreiviertel des weltweit gehandelten Balsa-Holzes geht in die Windkraftindustrie. Doch Hersteller von Windkraftanlagen wie Ihre klammern in ihren Unternehmens- und Nachhaltigkeitsberichten den Einsatz von Balsa weitgehend aus. Balsa ist offensichtlich ein Thema, das die Branche in der Öffentlichkeit vertuschen will.

Wir fordern die Windkraftbranche auf, ihren Balsa-Verbrauch und ihre Lieferketten transparent offen zu legen. Balsa aus unrechtmäßigen Quellen, aus Raubbau in den Regenwaldgebieten und indigenen Territorien muss komplett ausgeschlossen werden.

Mit freundlichen Grüßen

Fußnoten

plündern die Balsa-Bestände

- El Pais (2021). How the wind power boom is driving deforestation in the Amazon: https://english.elpais.com/usa/2021-11-26/how-the-wind-power-boom-is-driving-deforestation-in-the-amazon.html

- InSight Crime (2021). Timber Mafias at Ecuador’s Borders Cash in on Balsa Boom: https://insightcrime.org/news/timber-mafias-ecuadors-borders-cash-in-balsa-boom/

- Connectas (2021). De la selva a la China: La fiebre balsera que pagó 22 centavos de dólar por árbol: https://www.connectas.org/especiales/de-la-selva-a-la-china/

- Bravo, E. (ed), Acción Ecológica, (2021). LA BALSA SE VA. ENERGÍAS RENOVABLES, SELVAS VACIADAS. Expansión de la energía eólica en China y la tala de balsa en el Ecuador: https://www.accionecologica.org/wp-content/uploads/LA-BALSA-SE-VA.pdf

- El Pais (2021). Los molinos de viento deforestan el Amazonas: https://elpais.com/planeta-futuro/2021-11-24/los-molinos-de-viento-deforestan-el-amazonas.html

- El Pais (2021). Fiebre, madera de balsa y pandemia en territorio achuar: https://elpais.com/planeta-futuro/2021-02-12/fiebre-madera-de-balsa-y-pandemia-en-territorio-achuar.html


Die Baumart erfüllt wichtige ökologische Funktionen

- Geo (ohne Datum). Nektar für die Nachtschicht: https://www.geo.de/natur/tierwelt/tieftaucher_30073658-30168962.html

- Geo (ohne Datum). Nachschlag von der Nektar-Nachtschicht. Zusätzliche Bilder von den nächtlichen Besuchern des Balsabaumes: https://www.geo.de/info/nachschlag-von-der-nektar-nachtschicht-30168976.html

- National Geographic (2011). Open All Night: https://www.nationalgeographic.com/magazine/article/panama-ochroma


2021 fast 26.000 t Balsa-Holz verbraucht

Im Jahr 2019 hat Siemens Gamesa sogar 53.052 t Balsa verbraucht (umgerechnet etwa 350.000 m³).

Quelle: Siemens-Gamesa (2022). Consolidated Non-Financial Statement 2021, Seite 73, Tab. 34: https://www.siemensgamesa.com/en-int/-/media/siemensgamesa/downloads/en/sustainability/siemens-gamesa-consolidated-non-financial-statement-2021-en.pdf

sowie schriftliche Antwort von Siemens Gamesa auf Anfrage von Rettet den Regenwald e.V.


fast 6 t Balsa (ca. 40 m3)

Auf schriftliche Anfrage von Rettet den Regenwald e.V. hat Siemens Gamesa geantwortet. Siemens Gamesa „rechnet in einem einheitlichen Ansatz mit etwa 700 bis 1.000 kg Balsa-Holz pro Megawatt hergestellter Windkraftanlage. Die genaue Menge hängt vom Turbinenmodell ab. Eine Aufschlüsselung der für eine Offshore-Windkraftanlage SG 8.0-167 DD (Blattlänge 81 m und nominale Leistung 8 MW) verwendeten Materialien ergibt beispielsweise, dass für die drei Blätter der Windkraftanlage insgesamt etwa 5.800 kg Balsa-Holz verwendet werden."

Die Dichte des typischerweise in Windkraftanlagen verwendeten Balsa-Holzes liegt bei durchschnittlich 150 kg/m3. 1 t (1.000 kg) Balsa entspricht damit ca. 6,67 m3.

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