Brasilien: Baustopp am Belo Monte Projekt

Häuptling Raoni gibt mit Federschmuck und Kriegsbemalung ein Interview Die indigenen Gruppen am Xingu wehren sich erbittert gegen Belo Monte

15.08.2012

„Dies ist ein großer Sieg, der zeigt, dass das Kapitel Belo Monte noch nicht abgeschlossen ist. Wir sind sehr glücklich und zufrieden.“, so Anotonia Melo vom Bündnis „Rio Xingu Vivo“. Ein Richter verhängte erneut einen sofortigen Baustopp, weil das Wasserkraftwerk gegen die Minderheitenrechte der indigenen Gruppen am Xingu-Fluss verstößt

Richter Souza Prudente verhängte am Dienstag, den 14. August den Baustopp auf Antrag des Bundesstaates Pará. Der Grund ist, dass das Betreiberunternehmen Norte Energía die betroffenen indigenen Gruppen nicht vor Beginn des Bauprojekts konsultiert und ausreichend über die Folgen informiert hat. Das verstößt sowohl gegen brasilianisches Gesetz als auch gegen internationale Minderheitenrechte. Sollte entgegen des richterlichen Beschlusses dennoch weiter gebaut werden, droht dem Unternehmen eine Strafzahlung von etwa 200.000 Euro pro Tag.

Antonia Melo, Sprecherin des Bündnisses der Projektgegner „Rio Xingu Vivo“, bezeichnete die Entscheidung als historischen Sieg für das Land und die Menschen am Fluss.

Die Betreiber von Belo Monte missachten von Beginn an geltendes nationales und internationales Recht. So erfüllten sie beispielsweise nur wenige der 40 Auflagen, die die brasilianische Umweltbehörde als Vorbedingung für den Baubeginn gestellt hatte. Neben der österreichischen Firma Andritz beliefert auch das deutsche Unternehmen Voith Hydro den verantwortlichen Konzern Norte Energía. Belo Monte gilt als Prestigeprojekt und die brasilianische Regierung will es mit aller Macht umsetzen. Bisher wurden alle richterlichen Beschlüsse über Baustopps an Belo Monte von höheren Instanzen kassiert.

Belo Monte ist die schlechteste Ingenieursleistung in der Geschichte Brasiliens

Die ökologischen und sozialen Risiken von Belo Monte sind enorm. Für das Staubecken muss eine Regenwaldfläche größer als der Bodensee geflutet werden. Die verrottenden Pflanzen werden große Mengen des klimafeindlichen Methangasses freisetzen. Nicht nur die Artenvielfalt im Wald ist bedroht, sondern auch die des Flusses. Etwa 100 Kilometer des mächtigen Seitenarms des Amazonas werden nahezu trocken gelegt und die Dämme werden wichtige Routen für wandernde Fischarten blockieren. Zwischen 20.000 und 40.000 Flussanwohner müssen, meist gegen ihren Willen, umgesiedelt werden.

Experten stellen aufgrund der geringen Fließgeschwindigkeit des Xingu sogar die Wirtschaftlichkeit von Belo Monte in Frage. Das Fachmagazin der brasilianischen Ingenieure bezeichnete deshalb Belo Monte als "die schlechteste Ingenieursarbeit in der Geschichte des brasilianischen Wasserbaus, wenn nicht gar der Welt". Von den versprochenen 11.233 Megawatt Leistung wird Belo Monte durchschnittlich nicht mehr als 4419 Megawatt erzeugen können. 

Mit mehreren Protestaktionen unterstützte Rettet den Regenwald den Widerstand der brasilianischen Bevölkerung gegen Belo Monte. Im August 2011 überreichten wir mehr als 60.000 Unterschriften in der brasilianischen Botschaft in Berlin. Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

Weitere Informationen:

Wissenschaftsmagazin Spektrum 

Staudämme am Amazonas gefährden Klima und Regenwald (Zeit-Artikel)

Dokumentation: Countdown am Xingu II von Martin Keßler