Protest gegen IKEA erfolgreich

Abholzungsmaschinen mit Baumstämmen neben IKEA-Logo Dieses Bild von Ikeas Holzeinschlag in Karelien soll bald der Vergangenheit angehören

18.02.2014

Ikea beendet die Abholzung der letzten Urwälder im russischen Karelien. Seit vielen Jahren fällt Swedwood Ikea Industry in den borealen Wäldern im Kahlschlag und mit schweren Maschinen Jahrhunderte alte Bäume. Rettet den Regenwald hatte 65.000 Unterschriften gesammelt.

Swedwood Ikea Industry wolle seine Holzproduktion in Russland zukünftig auf seinen Produktionsort Tikhvin konzentrieren und den Betrieb in Karelien schließen, verbreitet die Firma in einer Pressemitteilung. Genannt werden wirtschaftliche Gründe.

„Es ist gut, dass nun Ikeas Motorsägen und Forstschlepper in Karelien ruhen sollen“, erklärt Klaus Schenck, Wald- und Energiereferent von Rettet den Regenwald: „Die Urwälder dürfen jetzt keinesfalls an andere Holzunternehmen verkauft, sondern müssen endlich komplett unter Schutz gestellt werden. Auch an anderen Standorten muss Ikea Holz wirklich umweltfreundlich und sozialverträglich produzieren. Allerdings ist fraglich, ob dies bei Ikeas Jahresverbrauch von ca. 14 Millionen Kubikmetern Holz überhaupt möglich ist.“

Linda Nordström Ellegaard von der Organisation Protect the Forest sagt: "Gemeinsam mit russischen Umweltschutzorganisationen fordern wir von Ikea als multinationalem Unternehmen, dass der Konzern kein Holz in intakten Urwäldern einschlagen oder aus solchen Gebieten kaufen darf, gleichgültig ob die Wälder zertifiziert sind oder nicht."

Zusammen mit Rettet den Regenwald kritisieren Umweltschützer in Schweden und Russland schon seit Langem den industriellen Kahlschlag durch Ikea. Auf rund 300.000 Hektar Fläche holzt der Konzern in Karelien/Nordwest-Russland intakte Waldgebiete mit Jahrhunderten alten Bäumen und außergewöhnlicher Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten großflächig und mit schweren Maschinen ab. Die Flächen werden in monotone Wirtschaftswälder umgewandelt. Während die Schäden für Natur und Böden immens sind, macht Ikea mit dem geschlagenen Holz Profit.

Ikea rechtfertigt die Abholzungen in Karelien bisher damit, dass die Firma FSC International die Urwaldgebiete 2006 zertifiziert hat. Der Kritik von Rettet den Regenwald an der zertifizierten Urwaldabholzung entgegnete FSC mit einem offenen Brief, wonach „FSC kein Ökolabel“ sei. Ende Januar 2014 verlor Sweedwood Karelia das Zertifikat für seine Waldkonzession allerdings. Die FSC-Zertifizierer hatten sechs schwerwiegende Mängel festgestellt.

Im Sommer 2012 hatte Rettet den Regenwald die Protestaktion Ikea: Wohnst du noch oder zerstörst du schon? gestartet. Im Dezember 2012 übergaben die schwedischen Umweltschutzorganisationen Protect the Forest und Friends of the Earth Sweden Ikea 180.000 Unterschriften aus aller Welt – 65.000 davon stammten von Rettet den Regenwald.

Update 10. März 2014:

Ikea verkündet das FSC-Label wiedererlangt zu haben. Doch bei der Massnahme handelt es sich wohl eher um einen Trick. Zwei der bei Swedwood festgestellten schwerwiegenden Mängel wurden nach einer Beschwerde von Ikea fallengelassen, berichtet der Wirtschaftsdienst EUWID. Ein angeblich unabhängiges Beschwerdekomitee hätte zudem einen weiteren Mangel von „schwerwiegend" auf „gering" zurückgestuft. "

"Es ist sehr erstaunlich, wie die gravierenden Probleme bei Ikea sich quasi über Nacht in Luft auflösen", erklärt Klaus Schenck, Waldreferent von Rettet den Regenwald.