Ecuador: Javier Ramírez ist frei

Javier Ramírez umarmt seine Mutter Javier Ramírez mit seiner Mutter nach seiner Freilassung aus dem Gefängnis

25.02.2015

Nach 308 Tagen Untersuchungshaft wurde der Bauer Javier Ramírez freigelassen. Sein Vergehen: Er ist gegen die Zerstörung seiner Heimat für den Kupferabbau. Die Menschen in Ecuador und aus aller Welt haben sich für seine sofortige und bedingungslose Freilassung eingesetzt. Die Proteste gegen die geplante Kupfermine im Intag gehen weiter

Ist es ein Verbrechen gegen ein riesiges Bergbauprojekt zu sein, für das ganze Berghänge samt der darauf wachsenden Regenwälder mit ihrer Artenvielfalt, den dort entspringenden Bächen und Flüssen und mehrere Dörfer Platz machen sollen?

In Ecuador kann man dafür der „Rebellion und des Deliktes gegen die öffentliche Verwaltung", der „Sabotage" und sogar des „Terrorismus" angeklagt und verurteilt werden. Das musste der Bauer Javier Ramirez am eigenen Leib erfahren. Der Sprecher des kleinen Dorfes Junin, das für eine geplante Kupfermine verschwinden soll, wurde verhaftet und für zehn Monate ins Untersuchungsgefängnis gesperrt, weil er so wie viele Einwohner der Gegend friedlich für den Erhalt der Natur eintritt.

Denn der ecuadorianischen Regierung, deren staatliches Bergbauunternehmen ENAMI zusammen mit dem ebenfalls staatseigenen Kupferkonzern CODELCO aus Chile das begehrte gelbe Metall im Toisan-Gebirge nördlich der Hauptstadt Quito abbauen will, sind Kritiker und Umweltschützer ein Dorn im Auge.

Am 10. April 2014 wurde Javier verhaftet. Der Bauer soll Funktionäre der Bergbaugesellschaft ENAMI angegriffen haben, so der Vorwurf. Javier bestreitet dies, und hat sogar Zeugen dafür, dass er an dem fraglichen Tag krank Zuhause war.

Nun ist Javier frei, weil die Menschen in Ecuador, aber auch Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen aus aller Welt sich für seine sofortige und bedingungslose Freilassung eingesetzt haben. Allein an der Petition von Rettet den Regenwald Ecuador: Keine Kupfermine im Regenwald – Freiheit für Javier Ramirez haben innerhalb weniger Tage 76.000 Menschen teilgenommen.

Am 10 Februar 2015 wurde Javier nach 308 Tagen Haft von einer Menschenmenge mit großem Beifall und Musik vor dem Gefängnis empfangen, darunter auch zahlreiche Prominente Einwohner wie Alberto Acosta, ehemaliger Minister und Präsident der verfassungsgebenden Versammlung, Elsie Monge von der Menschenrechtsorganisation CEDHU, Rocio Cachimel von der Föderation der Indigenen und Bauern in der Provinz Imbabura und dem Sänger Jaime Guevara.

Es bleibt aber ein sehr bitterer Nachgeschmack. Denn Javier Ramírez wurde nicht wie von seinem Anwalt gefordert freigesprochen. Er wurde zu zehn Monaten Haft verurteilt – genau die Zeit die er im Untersuchungsgefängnis bis zu seinem Schauprozess eingesessen hat. Auf diese Weise versucht die ecuadorianische Justiz die wachsende Kritik abzuschütteln.

Fakt ist: Das Urteil ist politisch begründet und ungerecht, die Justiz und Regierung Ecuadors müssen sich dafür schämen.

Weitere Informationen
Artikel und Video des ecuadorianischen Fernsehsenders TVN

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