Elefanten, Tiger, Orang-Utan, Nashorn-Wald gerettet

Regenwald im Leuser-Nationalpark Elefanten, Tiger, Orang-Utans und Nashörner leben nur hier zusammen, im Leuser-Ökosystem (© FKL)

04.09.2019

Umweltschützer verhindern einen Staudamm im Leuser-Ökosystem. Der Staudamm hätte die Sumatra-Elefantengruppen isoliert und ihre drohende Ausrottung beschleunigt. Laut Gerichtsurteil wird der Staudamm nicht gebaut.

„Wenn dieses ganze Gebiet überflutet wird, dann wird das Elefantenhabitat zerstückelt. Wenn die Tiere ihr Habitat verlieren, geht ihre Population zurück. Dann ist es nur eine Frage der Zeit, wann die Sumatra-Elefanten aussterben.“ Das sagte Farwiza Farhan (Forum Konservasi Leuser) im Mai dem BBC in der Dokumentation Staudamm Aceh Tamiang: Nützlich für Menschen, tödlich für Elefanten über das geplante 443 Megawatt-Wasserkraftwerk Tampur in der Provinz Aceh.

Tampur liegt im Leuser-Ökosystem, dem letzten Gebiet auf dieser Erde, wo Tiger, Orang-Utans, Elefanten und Nashörner im gleichen Habitat leben. Diese großen Säugetiere sind alle stark bedroht und stehen eigentlich unter Schutz. Eingriffe in das Ökosystem wie Straßenbau, Ölpalmplantagen oder auch Staudämme gefährden ihren Bestand. Das Leuser-Ökosystem ist eines der letzten Regenwaldgebiete Südostasiens und das einzige verbliebene größere Waldgebiet auf Sumatra und deshalb von entscheidender Bedeutung für den Schutz der Artenvielfalt und des Klimas. Ohne Leuser haben Sumatra-Nashorn, -Elefant, -Tiger, und –Orang-Utan keine realistische Überlebenschance mehr(!).

Doch leider ist das Leuser-Ökosystem nicht mehr intakt. Umso schlimmer, wenn die Regierung von Aceh zurzeit mehrere Wasserkraftwerke mitten in den artenreichen Wäldern bauen will. Der Tampur-Stausee wäre der größte der sechs oder sieben geplanten geworden. Ja sogar der größte von ganz Sumatra. Für das gesamte Projekt wären 4.407 Hektar überflutet bzw. bebaut worden.

Umweltorganisationen wie das Forum Konservasi Leuser, das von Rettet den Regenwald unterstützt wird, oder Walhi – Friends of the Earth Indonesia – warnen vor den Folgen, insbesondere vor der Zerstückelung des Leuser-Ökosystems. In den inselartigen Kleinhabitaten hätten die Elefanten und zahlreiche weitere bedrohte Arten keine Überlebenschance.

Auch die Bevölkerung von Tampur ist gegen den Bau des Staudamms, denn sie hat seit Jahren unter verheerenden Überschwemmungen zu leiden. Erst 2006 starben bei Blitzfluten, wie sie in den Tropen immer wieder vorkommen, 28 Menschen, 200.000 mussten ihre Dörfer verlassen. Solche Katastrophen würden sich häufen, wenn der Fluss im Oberlauf gestaut würde, warnen Experten.

Im Frühjahr 2019 hat Walhi Klage gegen die Provinzregierung und das ausführende Unternehmen aus Hongkong eingereicht, und im September hat ein Gericht in Aceh entschieden, dass die Erteilung der Genehmigung für das Bauwerk nichtig ist. Als Begründung gibt das Gericht nur Formalitäten an: die Regierung von Aceh darf keine Projekte über 5 Hektar vergeben. Doch die Juristen haben Tampur vorher besucht und erfahren, dass der geplante Staudamm dramatische Folgen für die Elefanten und die örtliche Bevölkerung haben würde.

Unsere Partner vom Forum Konservasi Leuser und unsere Kollegen von Walhi freuen sich über den Gerichtsbeschluss. Der Staudamm im Habitat der Tiger, Elefanten und Rhinos von Sumatra darf nicht gebaut werden!

Selbst Vertreter der Regierung geben an, dass Aceh über genug Elektrizität verfüge und keine neuen Kraftwerke brauche. Es drängt sich der Verdacht auf, dass reine Gier hinter den Projekten steckt - man will an Provisionen mitverdienen - oder dass mehr Strom noch mehr Bergbau in diesem einzigartigen Schutzgebiet bedeuten könnte.

Jetzt kommt es darauf an, dass der Gerichtsbeschluss tatsächlich umgesetzt wird. Auch die anderen geplanten Staudämme im Leuser-Ökosystem müssen unter ökologischen und sozialen Aspekten beleuchtet und letztlich verhindert werden. Nur ein intaktes Ökosystem mit genügend großem Lebensraum kann das Überleben der Elefanten, Tiger und Nashörner garantieren. Und der Orang-Utans, denn 95% der Sumatra-Orang-Utans leben im Leuser.