„Herzschlag des Waldes“ gewinnt Gedichtwettbewerb
: Der Gewinner unseres Wettbewerbs steht fest: Das Gedicht „Herzschlag des Waldes“ von Anita Rusterholz erhielt die meisten Stimmen. Herzlichen Glüchwunsch!
Sage und schreibe 2.060 Freundinnen und Freude der Regenwälder und der Poesie haben abgestimmt. 663 haben für das Gedicht „Herzschlag des Waldes“ von Anita Rusterholz votiert.
Wir gratulieren von Herzen!
Unser Dank gilt allen, die Texte eingeschickt und abgestimmt haben. Die Resonanz hat uns begeistert. Wir überlegen daher, zu unserem 40. Vereinsjubiläum 40 Texte in einem Gedichtband zu veröffentlichen.
Hier finden sie das Gewinnergedicht und im Anschluss die fünf unserer Vorauswahl:
Herzschlag des Waldes
Im Atem der Erde
stehen sie –
Kathedralen aus Licht und Blatt,
Säulen aus Wurzeln,
die tiefer greifen
als unsere Erinnerung.
Der Regenwald ist kein Ort.
Er ist ein Pulsschlag.
Ein Kreislauf aus Nebel und Gesang,
aus fallenden Tropfen
und steigender Hoffnung.
Zwischen Farnen und flirrendem Grün
zieht der Orang-Utan seine leisen Bahnen,
ein rotes Leuchten im Blättermeer.
Vögel schreiben mit ihren Flügeln
Gedichte in den Morgen.
Flüsse tragen Geschichten
von Fischen, Kindern, Mangroven,
die einst wie schützende Arme
die Küsten hielten.
Und Menschen –
Hüterinnen des Samens,
Hüter des Feuers,
mit Wissen älter als jedes Börsenbarometer –
lesen im Rascheln der Blätter
wie andere in Büchern.
Sie nennen den Wald nicht Ressource.
Sie nennen ihn Zuhause.
Doch das Dröhnen der Sägen
schneidet durch den Gesang.
Feuer frisst sich
durch Jahrtausende.
Für Palmöl,
für Rendite,
für eine Zahl im Quartal.
Mangroven fallen –
und mit ihnen der Schutz.
Wellen finden kein Wurzelwerk mehr,
nur Leere.
Böden werden zu Narben,
Flüsse zu braunen Klagen.
Orang-Utans verlieren den Ast,
an dem ihre Zukunft hing.
„Nach uns die Sintflut“
flüstert die Gleichgültigkeit.
Doch die Sintflut
ist längst unterwegs.
Sie trägt die Hitze,
den tauenden Permafrost,
die brennenden Wälder,
die Murgänge der Berge
und die Verzweiflung derer,
deren Hände auf Plantagen
die Früchte pflücken,
die ihnen selbst nicht gehören.
Und doch –
unter der Asche
schläft Samen.
Menschen stehen auf.
Indigene Gemeinschaften verteidigen
mit blossen Händen
und grosser Würde
ihr Stück Welt.
Forscherinnen warnen.
Kinder stellen Fragen,
die lauter sind als Lobbyflüstern.
Gärten wachsen,
Permakultur webt
leise Gegenentwürfe.
Der Wald ist nicht nur Opfer.
Er ist Versprechen.
Wenn wir ihn lassen,
heilt er.
Wenn wir ihn schützen,
schützt er uns.
Er kühlt die Fieber der Städte,
bindet den Atem des Himmels,
hält Wasser,
Leben,
Zukunft.
Vielleicht beginnt Rettung
nicht im Parlament,
nicht im Vorstandssaal,
sondern im Gewissen.
Im Mut, Nein zu sagen.
Im Mut, weniger zu wollen.
Im Mut, hinzusehen.
Der Regenwald ruft nicht laut.
Er atmet.
Und jeder Atemzug fragt:
Wie viel sind wir bereit zu verlieren,
bevor wir begreifen,
dass wir uns selbst verlieren?
Lasst uns seine Hüter sein.
Nicht morgen.
Jetzt.
Damit Kinder wieder hören,
wie der Wald klingt,
wenn er nicht brennt –
sondern lebt.
Von Anita Rusterholz
Die Lunge der Welt
Durch die Nähe zum Äquator ist der Morgen schnell erwacht.
Kaum vergeht die kühle Nacht
scheint die Sonne senkrecht nieder,
wärmt der Bäume grün Gefieder.
Wärme steigt durchs Baumgeflecht.
Starke Winde von den Meeren bringen kühle Luft heran,
verbinden sich zu Wolken dann
und sie brechen und entlassen
herrlich warme Wassermassen.
Bis die Sonne wieder sticht.
Dieses Spiel von Luft und Sonne hat den Regenwald gemacht.
Hoch und immergrün bedacht,
scheint uns Menschen dieser Raum
wie ein großer Sommertraum.
Doch ist er der Welt Organ.
Ohne seine Artenvielfalt kann der Mensch nicht weiterleben.
Deshalb gilt es zu erstreben,
dass kein Baum hier wird gerodet,
dass kein Tier hier wird getötet,
dass der Wald auf ewig bleibt.
Von Marion Aumüller
Von Kerstin Kindt
Unbeschreiblich
Unbeschreiblich, deine Schönheit.
Zauberhaftes grünes Kleid.
Deine Vielfalt, deine Fülle
ist zum Leben so bereit!
Unbeschreiblich, deine Trauer.
Geisterhaftes Erdenkleid.
Deine Kahlheit, deine Leere
ist vom Leben so entweiht.
Unbeschreiblich, deine Hoffnung.
Wie sie lautstark tapfer schallt.
Denn der Regen fließt beharrlich,
auf der Suche nach dem Wald.
Unbeschreiblich stark und mutig
für dein ach so zartes Kleid.
Dich beschützend sind zur Rettung
Menschenhände stets bereit.
Geschrieben von Regina Holak
Lass mich von Regenwäldern träumen
Lass mich von Regenwäldern träumen,
Dort, wo die Papageien leben
Und über Blütenblättersäumen
Handtellergroße Falter schweben,
Flughunde von Baumriesen gleiten,
Um deren Stämme sich Lianen schlingen,
Kakadus sich um Früchte streiten
Und Gibbons ihre Lieder singen.
Lass mich von Regenwäldern träumen,
Wo durch das Dickicht Tiger streifen,
Während von Tamarindenbäumen
Tukane ihren Warnruf keifen,
Wo in des Tages dumpfer Schwüle
Kolibris über Blüten schwirren
Und wo im nächtlichen Gewühle
Heerscharen von Insekten sirren.
Lass mich von Regenwäldern träumen,
Wo unerforschte Welten lauern;
Lass mich von Regenwäldern träumen,
Die mich und dich und unsere Enkel überdauern.
Von Angelika Lotfey
Ein Tropfen Hoffnung
Wenn sich in einem einzigen Tropfen
ein ganzer Wald spiegelt
werde ich ganz still
ahnungsvoll
dass es noch viel mehr gibt
als ich in diesem einen Tropfen sehen kann.
Wenn in dem Ruf eines bunten Vogels
die Hoffnung der ganzen Welt liegt
werde ich ganz still
ahnungsvoll
dass da viele sind
die dem Ruf der Hoffnung folgen.
Wenn die Schwere der Luft
sich auf mein Gemüt legt und mich niederdrückt
werde ich ganz still
ahnungsvoll
dass ich nicht ruhen darf
sondern aufstehen muss für eine bessere Welt.
Wenn die Sonne dann hinter den Waldriesen schlafen geht
und Wachstum in seiner Fülle mich erinnert
werde ich ganz still
ahnungsvoll
dass es immer ein Morgen gibt.
Von Susanne Gerstenberg