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Gruppenfoto von Einwohnern in Baixa Verde beim Besuch von Rettet den Regenwald
Gruppenfoto mit Kleinbauern von MLT bei unserem Besuch im Herbst 2025 (© RdR/ Klaus Schenck)

Brasilien: Aus lebensfeindlichen Holzplantagen wird wieder fruchtbares Land

16.03.2026Brasilien: Die Papier- und Zellstoffindustrie in Brasilien belegt enorme Landflächen mit Eukalyptus-Plantagen. Wir haben die Siedlung Baixa Verde im brasilianischen Bundesstaat Bahia besucht. Sie wurde von den Einwohnern und Mitgliedern der Bewegung MLT auf Land dem errichtet, das die Veracel-Gruppe sich unrechtmäßig angeeignet hatte. Nun produzieren sie dort Lebensmittel und pflanzen Regenwald-Bäume.


Ende Oktober 2025 haben drei Mitarbeiter von Rettet den Regenwald die Siedlung Baixa Verde im brasilianischen Bundesstaat Bahia besucht. Über 60 Kleinbauern des Movimento de Luta pela Terra (MLT) ringen dort seit 18 Jahren mit dem Zellstoff- und Papierkonzern Veracel und dem brasilianischen Staat. Es geht um die Anerkennung von über 1.300 Hektar Land.

Veracel, ein Joint Venture der finnisch-schwedischen Stora-Enso-Gruppe und der brasilianischen Suzano-Gruppe, betreibt im Bundesstaat Bahia auf insgesamt fast 1.000 Quadratkilometern industrielle Eukalyptus-Monokulturen. Das Unternehmen hatte sich staatliche Landflächen offensichtlich unrechtmäßig angeeignet, wie Unterlagen in öffentlichen Archiven und eine Kommission des Bundesstaates Bahia bestätigt haben. Zusätzlich wurden in einem Verfahren die Grundstücke als öffentliches Eigentum anerkannt.

Der Landkonflikt ist seit fast 20 Jahren nicht gelöst

20 Personen stehen in einer Reihe mit Bannern am Rande einer Piste vor zwei grossen Holzerntemaschinen
Kleinbauern protestieren vor zwei großen Holzerntemaschinen von Veracel (© Jheyds Kann/Movimento pela Luta da Terra MLT)

2008 zogen die Kleinbauern zum ersten Mal auf das Land. Sie begannen auf den wenigen Flächen, die nicht mit Eukalyptus-Monokulturen bedeckt waren, Grundnahrungsmittel anzubauen. Gleichzeitig forderten sie den Staat und das Unternehmen auf, die Eukalyptus-Plantagen zu entfernen, um die Umwelt zu sanieren und die Produktion von Lebensmitteln zu ermöglichen.

Veracel reichte eine Klage gegen die Landbesetzung ein, und die staatlichen Institutionen stellten sich zunächst auf die Seite der Papierfirma, berichten sie uns.

„Wir haben schwierige Zeiten und sogar Hunger durchgemacht. Auf Initiative von Veracel wurden wir zunächst gewaltsam von dem Land vertrieben. Wir mussten monatelang am Rande einer Landstraße leben, bis wir nach Baixa Verde zurückkehren konnten“, sagen sie uns.

Weiterhin habe Veracel 2010 offenbar andere Personen dazu angestiftet, auf Teile des Landes einzudringen und mit den Kleinbauern der MLT zu streiten, berichten uns die Einwohner. Seitdem wurden sie wiederholt von verschiedenen Personen angegriffen und bedroht. Ihre Häuser wurden in Brand gesteckt, ihre Tiere getötet und ihre Felder zerstört. Die Menschen leiden, viele können aufgrund der Angriffe kaum schlafen. Einige haben aufgegeben, andere können das ihnen in Baixa Verde zugewiesene Land noch immer nicht bewohnen und bewirtschaften, weil es von anderen unrechtmäßig in Beschlag genommen wurde.

„Mittlerweile haben wir die Eukalyptus-Monokulturen in fruchtbare agroökologische und agroforstliche Systeme umgewandelt. Wir bauen dort Lebensmittel wie Maniok, Bananen, Süßkartoffeln an",  erklären uns die Kleinbauern.

Eine Frau hält einen Palmensetzling in der Hand, im Hintergrund sind etwa 15 Menschen dabei, auf einer freien Fläche Baumsetzlinge auszupflanzen
Die Kleinbauernfamilien von MLT pflanzen Baumsetzlinge aus, um die von den Eukalyptus-Plantagen degradierten Landflächen wieder zu renaturieren (© Jheyds Kann/Movimento pela Luta da Terra MLT)

Außerdem ziehen sie Setzlinge von lokalen Baumarten auf und pflanzen die Bäume entlang der Wasserläufe und auf anderen gesetzlich geschützten Flächen aus, die durch die jahrelange industrielle Ausbeutung und die Monokulturen geschädigt waren. Teile des Gebietes wurden bereits wiederhergestellt, andere befinden sich auf dem Weg dahin. Bald soll dort wieder der in Bahia heimische Atlantische Regenwald wachsen.

Obwohl die Kleinbauern bereits mit dem Staat einen Vertrag unterzeichnet haben, der ihnen die Nutzungsrechte gewährt, können sie Teile der Grundstücke auch nach bald zwei Jahrzehnten immer noch nicht nutzen. Daher haben sie uns gebeten, sie mit der Petition „Wir wollen fruchtbares Land statt Holzplantagen!“ auf unserer Webseite zu unterstützen.

Sie fordern die Behörden auf, die MLT zugesprochenen Flächen von unbefugten Personen zu räumen und die mit dem Staat vereinbarten aber bisher noch nicht umgesetzten Maßnahmen wie die Versorgung mit Trinkwasser, Strom und Wohnraum durchzuführen.

Extrem ungleiche Landverteilung

In Brasilien ist der Landbesitz extrem ungleich verteilt. Weniger als 1 % der Eigentümer-Firmen und Großgrundbesitzer besitzen fast 50 % der Gesamtfläche. Auf der anderen Seite werden mehr als 47 % der Grundstücke von Kleinbauern bewirtschaftet, die aber nur über etwa 2,3 % der landwirtschaftlichen Fläche verfügen. Währenddessen warten in Brasilien über 145.000 Kleinbauern-Familien auf die Erteilung von Land, was ihnen nach der Verfassung zusteht. Während der Staat bei der Durchführung der Agrarreform kaum vorankommt, fordern die sozialen Bewegungen weiterhin Land und Territorium und leisten durch Besetzungen Widerstand.

Grüne Wüsten

Vier Personen betrachten ein Gewässer vom Ufer aus
Die Gewässer erholen sich durch die Entfernung der Eukalyptus-Plantagen und Renaturierung, erklären uns die Kleinbauern von MLT während des Besuchs (© RdR/ Klaus Schenck)

Insgesamt nennt der Veracel-Konzern im Süden Bahias 2.070 km2 Land sein eigen. Weit über die Hälfte davon besteht aus Eukalyptus-Plantagen. Umweltorganisationen und Einwohner bezeichnen die Eukalyptus-Monokulturen als grüne Wüsten, weil sie weder der lokalen Pflanzen- und Tierwelt noch den dort lebenden Menschen Lebensraum bieten. Die rasch wachsenden exotischen Bäume zerstören die Fruchtbarkeit der Böden, die Plantagen speichern kein Wasser und trocknen im Gegenteil sogar die Bäche und das Grundwasser aus.

Ausgebrachte Mineraldünger und versprühte Pestizide verseuchen zudem die Umwelt und töten die Flora und Fauna. Mindestens 17 verschiedene Insektizide, Fungizide und Herbizide werden von Veracel eingesetzt, darunter hochgiftige in der EU verbotene Spritzmittel wie Sulfluramid, Bifentrina und Imidacloprid.

Landraub und Zerstörung für unseren Papierkonsum

Die Aktivitäten von Veracel in Brasilien sind eng mit unserem Papier-Konsum in Europa verknüpft. Aus dem Holz der Bäume produziert Veracel jährlich 1,1 Millionen Tonnen Zellstoff, der überwiegend in den Export geht. Eukalyptus-Fasern werden hauptsächlich für die Herstellung von Druck- und Schreibpapieren sowie für Hygieneprodukte wie Toilettenpapier, Taschentücher und Windeln genutzt. Unser Verbrauch an Druckerpapieren, Taschentüchern, Windeln und Toilettenpapier hat verheerende Auswirkungen in den Tropenländern.

Ein geschlossenes Holztor vor einer Weidefläche mit einer Eukalyptusplantage im Hintergrund
Industrielle Eukalyptus-Monokulturen der Papierkonzerne bedecken viele Millionen Hektar Land in Brasilen (© RdR/ Klaus Schenck)

Insgesamt exportiert Brasilien 15 Millionen Tonnen Eukalyptus-Zellstoff pro Jahr. Die EU-Länder importieren pro Jahr allein aus Brasilien über 10 Millionen Tonnen Zellulose, davon Deutschland fast eine Million Tonnen. Um diese Menge zu produzieren, sind etwa eine Million Hektar Eukalyptus-Plantagen erforderlich.

Aufgrund der wirtschaftlichen Interessen Europas hat die öffentliche Europäische Investitionsbank (EIB) Veracel mit zwei Darlehen finanziert: Mit 30 Mio. US-Dollar förderte die EIB im Jahr 2001 die Anlage von insgesamt 26.200 ha Eukalyptus-Plantagen und mit 80 Mio. US-Dollar im Jahr 2003 den Bau der Zellstofffabrik von Veracell in Bahia. Ökologische, soziale und rechtliche Kriterien haben bei der Finanzentscheidung der Bank offensichtlich keine ausreichende Rolle gespielt.

Täuschung mit angeblichem Nachhaltigkeitslabel

Die industriellen Eukalyptus-Plantagen von Veracel sind mit dem Siegel der Firma Forest Stewardship Council GmbH (FSC) aus Bonn zertifiziert – insgesamt 197.619 Hektar Land. Das Label garantiert angeblich umweltgerechte, sozialverträgliche und wirtschaftlich tragfähige Waldbewirtschaftung. Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen aus aller Welt – darunter Rettet den Regenwald, lehnen das FSC-Label als Etikettenschwindel und Täuschung ab. Die industriellen Monokulturen sind weder Wälder, noch umweltfreundlich oder sozial.

  1. https://www.theguardian.com/global-development/2025/nov/05/brazil-green-desert-bahia-farmers-winning-battle-eucalyptus-wood-pulp-veracel-celulose  und

    Teia dos Povos, Zugriff am 3.12.2025. A Incessante Luta do Assentamento Baixa Verde - MLT Contra a Monocultura do Eucalipto: https://teiadospovos.org/a-incessante-luta-do-assentamento-baixa-verde-mlt-contra-a-monocultura-do-eucalipto/   

  2. Veracel, Zugriff am 3.12.2025. OUR WAY - When we grow together we go much further: https://www.veracel.com.br/en/about-veracel/

  3. Ação Discriminatória Judicial sob o n. 0000627-97.2010.8.05.0079.

  4. IBGE, 2020. ATLAS DO ESPAÇO RURAL BRASILEIRO, Cap. 2: ESTRUTURA FUNDIÁRIA: https://www.ibge.gov.br/apps/atlasrural/pdfs/02_00_Texto.pdf   und

    Transparencia Internacional Brasil, 12-2021. GOVERNANÇA FUNDIÁRIA FRÁGIL, FRAUDE E CORRUPÇÃO: UM TERRENO FÉRTIL PARA A GRILAGEM DE TERRAS: https://comunidade.transparenciainternacional.org.br/grilagem-de-terras

  5. Reporter Brasil, 24.2.2025. Brasil tem 145 mil famílias acampadas à espera de terra: https://reporterbrasil.org.br/2025/02/brasil-familias-acampadas-reforma-agraria/#:~:text=O%20BRASIL%20TEM%20PELO%20MENOS,de%20sem%2Dterra%20no%20país.

  6. World Rainforest Movement (WRM), 2022. Brazil: The ‘Alert Against the Green Desert’ Network relights the flame of resistance:https://www.wrm.org.uy/bulletin-articles/brazil-the-alert-against-the-green-desert-network-relights-the-flame-of-resistance

  7. Imaflora/FSC, 2021. Relatório de Auditoria de Certificação de Manejo/Gestão Florestal: https://fscglobal.my.salesforce-sites.com/servlet/servlet.FileDownload?file=00P4y00001l3V19EAEx

  8. Folha de São Paulo, 2026. Vaivém: Exportação de celulose cresce, mas setor pode ter desequilíbrio: https://www1.folha.uol.com.br/colunas/vaivem/2026/02/exportacao-de-celulose-cresce-mas-setor-pode-ter-desequilibrio.shtml 

  9. Die Papierindustrie e.V., 2025. Papier 2025 – Ein Leistungsbericht, Seite 9 unten: https://www.papierindustrie.de/fileadmin/0002-PAPIERINDUSTRIE/07_Dateien/XX-LB/PAPIER2022-digital.pdf

  10. Europäische Investitionsbank (EIB), Zugriff am 3.12.2025. Projekt Veracel-Zellstofffabrik, Brasilien: https://www.eib.org/de/press/topical-briefs/all/veracel-pulp-mill-project-brazil

  11. Rettet den Regenwald e.V., 5.7.2012. FSC ist kein „Ökolabel": https://www.regenwald.org/pressemitteilungen/4475/fsc-ist-kein-oekolabel und

    Greenpeace, 10.3.2021. Certification schemes such as FSC are greenwashing forest destruction: https://www.greenpeace.org/international/press-release/46802/certification-schemes-such-as-fsc-are-greenwashing-forest-destruction/ 

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