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Gruppe Massai-Männer sitzt im Gras, gekleidet in bunte Decken
Die Massai haben Angst vor Repressalien. Wir treffen sie deshalb außerhalb ihre Dorfes. (© RdR/Mathias Rittgerott)

UNESCO darf Massai nicht im Stich lassen

21.07.2026Tansania: Rund um den weltberühmten Ngorongoro-Krater leiden indigene Massai unter Vertreibung und Unterdrückung. Tansanias Regierung behauptet, nur so das Welterbe bewahren zu können. In einer Petition mit 145.191 Unterschriften haben wir die UNESCO erneut aufgefordert, die Rechte der Massai und den Schutz der Natur in Einklang zu bringen.


Was wir im Jahr 2023 während einer Recherche-Reise nach Tansania gesehen und gehört haben, hat uns erschüttert: Massai berichteten, wie sie in der Region des weltberühmten Ngorongoro-Kraters drangsaliert werden, wie ihnen ihre Lebensgrundlage geraubt wird und wie Sicherheitskräfte auf sie geschossen haben. All dies müssen sie im Namen des Naturschutzes erdulden: die UNESCO hat die Ngorongoro Conservation Area mit ihren riesigen Herden von Gnus, Antilopen und Zebras, die im Rhythmus von Regen- und Trockenzeit durch die Savanne ziehen, vor fast 30 Jahren zum Welterbe erklärt. Die traditionelle Lebensweise der Massai-Hirten, die auf Harmonie mit den Wildtieren beruht, trägt zur Bewahrung der Natur bei.

Als die UNESCO und die Weltnaturschutzunion IUCN allerdings kritisierten, das Gebiet werde nicht ausreichend geschützt, reagierte die Regierung mit Gewalt gegen die Massai. 80.000 Männer, Frauen und Kinder sollten vertrieben werden.

Massai mit Ziegenherde auf einem Weg durch lichten Wald
Massai sind ein Hirtenvolk. Der Regen- und Trockenzeit folgend, treiben sie ihre Herden in unterschiedliche Weidegründe. (© RdR/Mathias Rittgerott)

Seit wir 2021 erste Berichte über die geplanten Vertreibungen gehört haben, unterstützen wir die Massai-Organisation TEST und finanzieren einen Radiosender, der die Bevölkerung vereint und über ihre Rechte informiert. Zudem haben wir die Petition Ngorongoro – Stoppt die Vertreibung der Massai gestartet.

Petition an UNESCO übergeben

Zum Beginn der 48. Jahrestagung des Welterbe-Komitees in Busan (Republik Korea) haben wir die Petition jetzt per Email an den Direktor des Komitees, Lazare Eloundou Assomo, und den Leiter der Afrika-Unit, Muhammad Juma, geschickt.

Eine Antwort haben wir bisher nicht erhalten.

Wir beenden damit unsere Petition. Unser Dank gilt allen 145.191 Personen, die die Massai mit ihrer Unterschrift unterstützt haben.

Am 8.9.2021 haben wir die Petition erstmals übergeben. Damals waren wir bei der Botschaft von Tansania in Berlin. Zu dem Zeitpunkt hatten 93.740 Personen unterzeichnet. Da die Forderungen nicht erfüllt wurden, haben wir die Kampagne fortgesetzt.

UNESCO tut zu wenig für die Massai

Vor der Tagung des Welterbe-Komitees liegt ein Entwurf vor, wie die Organisation auf die Vorwürfe der Massai reagieren will. Wir befürchten, dass die UNESCO kaum starke Beschlüsse zugunsten der Massai fassen wird, die über die diplomatischen Formulierungen hinausgehen. Auch Politik dürfte eine Rolle spielen: in dem Gremium sitzen 21 gewählte Mitglieder – derzeit gehört ausgerechnet Tansania dazu. 

Auch andere Umweltschützer und Menschenrechtler kritisieren, dass sich der Entwurf nicht explizit gegen die Vertreibungen ausspricht. Es wird lediglich „festgestellt“, dass die tansanische Regierung in Ngorongoro auf „freiwillige Umsiedlung“ setze. Der Text spreche von „Konsultation“, nicht von Zustimmung. Schließlich ignoriere er, dass der Ausbau des Tourismus die Umwelt bedrohe und die Massai von ihrem Land verdränge.

Zebraherde unter einem Baum, umgeben von gelbem Grasland
Zebraherden prägen das Massai-Land (© RdR/Mathias Rittgerott)

In einem aktuellen offenen Brief des Oakland Institute, mit dem wir zusammenarbeiten, heißt es, der Status als Weltnaturerbe müsse auf Menschenrechten, der Würde der Massai  und ihrem Bleiberecht beruhen. „Solange diese Rechte nicht uneingeschränkt geachtet und geschützt werden, sollte das Komitee das Ngorongoro-Schutzgebiet von der Liste streichen.“

Leere Worte der UNESCO

Die UNESCO hat zwar wiederholt betont, dass gewaltsame Vertreibungen inakzeptabel seien und nicht mit internationalen Garantien der Menschenrechte vereinbar seien. Dennoch ließ sie Tansanias Regierung gewähren. Zwei von Präsidentin Samia Suluhu Hassan eingesetzte Kommissionen, die eigentlich die Krise untersuchen sollten, haben stattdessen die Umsiedlungspolitik legitimiert. Angeblich führe die traditionelle Weidewirtschaft der indigenen Bevölkerung zu Umweltzerstörung. Die Experten ignorierten Belege dafür, dass die Ausweitung des Tourismus mit Luxus-Lodges und Straßen die Natur weitaus mehr belasten.

Welche Ausmaße der Tourismus genommen hat, haben wir während unserer Reise beobachtet: An einer Zufahrt zum Ngorongoro-Krater stauten sich die Geländewagen der Besucher aus aller Welt.

  1. TEST steht für Traditional Ecosystems Survival Tanzania

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