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Lula da Silva
Lula da Silva am Tag vor den Wahlen in Rio de Janeiro (© Ricardo Stuckert/ CC BY-SA 4.0)

Wir haben Bolsonaro besiegt – jetzt muss noch seine rechtsextreme Bewegung besiegt werden

29.10.2026Brasilien: Unser Mitarbeiter Felipe Duran berichtet über den Ausgang der Wahlen und die Situation in seinem Land zwei Tage danach. Er hat zwischen dem ersten Wahlgang am 4. Oktober und der Stichwahl am 25. Oktober an der Mobilisierung von großen Teilen der brasilianischen Gesellschaft für die Demokratie, die Menschenrechte und den Erhalt der Natur teilgenommen.


Es sind noch nicht einmal 48 Stunden seit dem historischen Sieg des brasiliansichen Präsidenten Lula da Silva vergangen, und schon ist der unterlegene Kandidat Flávio Bolsonaro nach Miami in die USA geflohen. Unter dem Schutz von Donald Trump will er sich so Gerichtsverfahren und einer möglichen Inhaftierung wegen Geldwäsche- und Korruptionsdelikten entziehen, derer er beschuldigt wird – und für die es zahlreiche Beweise gibt.

Ebenfalls zwei Tage seit dem Sieg der Demokratie berichtete die Vereinigung der indigenen Völker Brasiliens (APIB), dass Angehörige des Guarani-Kaiowá-Stammes im Bundesstaat Mato Grosso do Sul von Menschen ermordet wurden, die das Wahlergebnis nicht akzeptierten. Auch aus anderen Teilen des Landes erreichten uns Nachrichten über brutale Gewalttaten nach der Wahl. Menschen, die für Lula gestimmt hatten, wurden von Bolsonaro-Anhängern zusammengeschlagen und getötet.

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Zudem verbreiteten sich – und verbreiten sich auch heute noch, 72 Stunden nach dem überraschenden Wahlsieg – Berichte, wonach Bolsonaro-nahe Unternehmer linke Mitarbeiter oder solche, die erklärt hatten, für Lula da Silva gestimmt zu haben, schikanieren und entlassen. Bislang sind bei der Arbeitsstaatsanwaltschaft bereits mehr als 900 Anzeigen dieser Art eingegangen, darunter Berichte über Geschäfstleute, die dazu aufrufen, Listen mit Namen von Personen oder Firmen der Linken zu erstellen und zu verbreiten, damit deren Arbeit und Geschäfte boykottiert werden.  Das erinnert an das nationalsozialistische Deutschland, als kurz nach Hitlers Machtübernahme Geschäfte und Besitztümer von Juden gekennzeichnet wurden.

Der Bolsonarismus, also die rechtspopulistische politische Bewegung und Ideologie der Anhänger von Ex-Präsident Jair Bolsonaro, ist Faschismus auf brasilianische Art. Sie ist putschistisch, feige und gewalttätig, so wie andere totalitäre Ideologien auch. Vor allem aber ist sie von Ressentiments geprägt, weil deren Vertreter – gewöhnliche Menschen, die man auf den Straßen sieht – sich nicht mit den eingeführten sozialen Maßnahmen abfinden, die eine historische Wiedergutmachung für Indigene, Schwarze, Menschen mit Behinderungen, Frauen und queer Personen bewirken. Die Bolsonaristen hassen nicht Lula, sondern die Freiheit und die Selbstbestimmung, die die Menschen, die immer unterdrückt wurden, unter den linken Regierungen errungen haben.

Der Bolsonarismus sehnt sich nach den 358 Jahren Sklaverei, die die 526 Jahre, die Brasilien besteht, traurigerweise prägen. Und es sei daran erinnert, dass die UNO Anfang dieses Jahres eine Resolution verabschiedet hat, die den transatlantischen Handel mit versklavten Afrikanern als das schwerste Verbrechen anerkennt, das jemals gegen die Menschheit begangen wurde. Der Bolsonarismus hat Hass als Antrieb und Verbrechen als Methode.

Wir haben Flávio Bolsonaro an der Wahlurne besiegt, aber nun gilt es, den Bolsonarismus so schnell wie möglich zu besiegen. Das wird keine einfache Aufgabe sein, das wissen wir, aber die Straßen und die sozialen Netzwerke haben bereits gezeigt, dass es möglich ist.

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Drei Wochen vor der Stichwahl füllte eine von Studenten ausgelöste Mobilisierungswelle des demokratischen Lagers Brasilien mit Straßenaktionen und konstruktiven Diskussionen in den Familien, im Freundeskreis, an Bushaltestellen und allen Orten des Lebens. Die Mobilisierung von Millionen von Menschen hat – sowohl in der digitalen als auch in der analogen Welt – Netzwerke der Solidarität und des Zusammenhalts miteinander verbunden. Sie hat Menschen aus allen gesellschaftlichen Bereichen und Mitglieder zivilgesellschaftlicher Organisationen auf einem gemeinsamen Weg vereint – Organisationen, die Flávio in seinem Regierungsprogramm bereits überwachen und einschränken wollte, so wie es sein Vater tat, als er Präsident war.

Dank der demokratischen Welle, die das Land nach dem Sieg von Flávio Bolsonaro in der ersten Wahlrunde wieder aufrichtete und erhellte, waren die sozialen Netzwerke am 25. Oktober, dem Tag der Wahl, voller hoffnungsvoller Bilder von Menschen jeden Alters, von Menschen mit Behinderungen, Menschen mit eingeschränkter Mobilität, im Rollstuhl, von Verwandten und Freunden getragen, die voller Elan und Freude ihr demokratisches Wahlrecht ausübten, um ein Land zu gewährleisten, in dem Unterschiede respektiert werden.

Es hat geklappt

Die Mobilisierung der Linken auf den Straßen hat gesiegt. Und sie wird weiter siegen, solange wir nicht nachlassen, solange wir gemeinsam und solidarisch handeln, solange wir die Schatten der Vergangenheit kennen, um sie in der Gegenwart nicht zu wiederholen.

  1. Articulação dos Povos Indígenas do Brasil, 28.10.2026. APIB DENUNCIA ESCALADA DA VIOLÊNCIA CONTRA O POVO GUARANI KAIOWÁ NO MATO GROSSO DO SUL!: https://www.facebook.com/apiboficial/videos/apib-denuncia-escalada-da-violência-contra-o-povo-guarani-kaiowá-no-mato-grosso-/3218022688391206/ und https://www.instagram.com/p/De_zRBsJmJ9/

  2. O Globo, 28.10.2026. MPT recebe 941 denúncias de assédio eleitoral nos dois dias após a votação; listas de boicote viram alvo da Justiça: https://oglobo.globo.com/economia/noticia/2026/10/28/mpt-recebe-530-denuncias-de-assedio-eleitoral-nos-dois-dias-apos-a-votacao-listas-de-boicote-viram-alvo-da-justica.ghtml

  3. Tribunal Superior Eleitoral, 2026. Flavio Bolsonaro - Propostas de Governo: https://www.tse.jus.br/eleicoes/eleicoes-2026-content/propostas-de-governo-dos-candidatos-ao-cargo-de-presidente-da-republica-eleicoes-2026/flavio-bolsonaro

    Im Abschnitt über die Umwelt steht auf Seite 59:

    (…) Wir werden Überschneidungen zwischen Ibama, Funai und ICMBio beseitigen, um die Aufsicht effizienter zu gestalten, und von Geldgebern sowie von Projekten der NGOs, die internationale Mittel erhalten und Klagen gegen den Staat einreichen, Transparenz einfordern; denn wo ausländisches Geld Entscheidungen über brasilianisches Hoheitsgebiet beeinflusst, bestehen Risiken für das nationale Interesse, über die die brasilianischen Bürger informiert sein müssen. (…)

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