UN-Beauftragter für das Recht auf Nahrung: „Biokraftstoffpolitik in der EU und den USA völlig unverantwortlich“

14.03.2011

In der Tageszeitung Der Standard aus Wien verurteilt der UN-Sonderbeauftragte für das Recht auf Nahrung, Olivier De Schutter, die "Biospritpolitik" der Industrieländer scharf

In der Tageszeitung Der Standard aus Wien verurteilt der UN-Sonderbeauftragte für das Recht auf Nahrung, Olivier De Schutter, die "Biospritpolitik" der Industrieländer scharf:

"Es ist völlig unverantwortlich von der EU und den USA, diesen Weg weiterzugehen. Die Produktion von Biobrennstoffen ist ein Grund, warum die angespannte Lage auf den Agrarmärkten so groß geworden ist. In Entwicklungsländern kann Bioenergie die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen mindern und Elektrizität in ländlichen Gebiete schaffen. Doch in der EU und den USA ist es einfach verrückt. Die USA verwenden 38 Prozent ihrer Maisproduktion für Ethanol, Deutschland einen großen Teil von Raps für Biodiesel. Große Mengen an Pflanzenöl werden aus Südasien und Lateinamerika importiert. Biotreibstoff führt zu Landspekulationen, Vertreibungen von Farmern und Rodungen. Es ist ein Skandal - das wird jeder sagen, der was über Agrarmärkte und Lebensmittelsicherheit weiß."

Lesen Sie das vollständige Interview "Wieder mehr als eine Milliarde Hungernde". Olivier De Schutter ist seit 2008 UN-Sonderbeauftragter für das Recht auf Nahrung. Der Belgier ist Jurist mit Harvard-Diplom, Menschenrechtsexperte und Universitätsprofessor. Bereits sein Vorgänger, der Schweizer Jean Ziegler, hatte 2008 Biosprit als "Verbrechen gegen die Menschheit" bezeichnet.

Auch die Lebensmittelkonzerne warnen vor Biosprit: „Absoluter Wahnsinn auf Kosten der Ärmsten der Armen“ sei die Nutzung von Feldfrüchten für die Gewinnung von Biodiesel, erklärte Nestle-Chef Peter Brabeck gegenüber der FAZ. Und sein Kollege, der Unilever-Chef Paul Polmann sieht die hohen Lebensmittelpreise als „perverse Folge“ hoher Biosprit-Subventionen in den Industrieländern an. Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Hans Heinrich Driftmann, befürchtet sogar, dass wir "wegen Biosprit in spätestens drei Jahren eine globale Hungerkrise erleben könnten".

Doch bei den Befürwortern von "Biosprit", Bundeskanzlerin Merkel und US-Präsident Obama, stossen die Apelle der Experten immer noch auf taube Ohren. Wie lange noch?