UNO empfiehlt: Schluss mit Agrospritpolitik der Industrienationen

09.06.2011

Internationale Organisationen drängen die Regierungen der Industrieländer, die Förderung von sogenanntem Biosprit zu beenden. Die Energie vom Acker verteuert weltweit massiv die Nahrungsmittelpreise und verschärft damit Unterernährung und Hunger. Demnach landen bereits jetzt 20 Prozent der Zuckerrohrernte und 9 Prozent der Pflanzenöle in Autotanks anstatt auf dem Teller. Schon die Hälfte der Maisproduktion der USA wird für die Herstellung von Ethanol verbraucht.

Zehn internationale Organisationen – darunter das Welternährungsprogramm (WFP) und die Welternährungsorganisation (FAO) der Vereinten Nationen, die Weltbank, die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in Europa (OECD) – drängen die Regierungen der Industrieländer, die Förderung von sogenanntem Biosprit zu beenden. Sie empfehlen den Regierungen sämtliche „in ihren nationalen Richtlinien die Bestimmungen streichen, die die Produktion und den Verbrauch von Biosprit subventionieren oder vorschreiben", so die Autoren der Studie.

Der Grund: Die Energie vom Acker verteuert weltweit massiv die Nahrungsmittelpreise und verschärft damit Unterernährung und Hunger. Demnach landen bereits jetzt 20 Prozent der Zuckerrohrernte und 9 Prozent der Pflanzenöle in Autotanks anstatt auf dem Teller. Schon die Hälfte der Maisproduktion der USA wird für die Herstellung von Ethanol verbraucht.

Allein in der EU wird die Herstellung von Agrosprit mit jährlich etwa 3 Milliarden Euro Steuergeldern finanziert. Viele weitere Länder wie die USA, Brasilien, China und Australien fördern ebenfalls die vermeintlich grüne Energie vom Acker. Die EU hat bereits 2009 beschlossen, dass bis 2020 mindestens 10 Prozent des Kraftstoffs aus "erneuerbaren Quellen" stammen muss. Und in Deutschland hat die Bundesregierung Anfang des Jahres die Einführung von E10-Kraftstoff vorgeschrieben. Der neue Sprit enthält 10 Prozent Ethanol und wird seitdem weitgehend von den Autofahrern boykottiert.

Zurecht, denn selbst die von der EU dazu in Auftrag gegebenen Studien weisen längst nach, dass Agrosprit zumeist mehr klimaschädliche Emissionen verursacht, als fossiler Kraftstoff. Der Agrosprit ist damit nicht "klimaneutral" wie fälschlich immer wieder behauptet. Denn für den Anbau der Pflanzenenergie werden riesige Landflächen benötigt. Da Ackerland weltweit knapp ist, werden die Anbauflächen vielfach auf Kosten natürlicher Ökosysteme wie der Regenwälder geschaffen. Deren Rodung setzt gewaltige Mengen des in Vegetation und Böden gebundenen Kohlenstoffs frei. Oder die Agrospritkulturen verdrängen den Anbau von Nahrungsmitteln.

Die Studie der zehn Organisationen auf Englisch "Price Volatility in Food and Agricultural Markets: Policy Responses" finden Sie hier.