Rückkehr nach Indonesien – voller Sorge, was nun geschieht

Ida, Bidin und ihr Sohn Agung Bidin, Ida und ihr Sohn Agung

21.12.2011

Zwei Wochen lang waren die Regenwaldkämpfer aus Sumatra und Borneo in Deutschland und schilderten, warum "nachhaltiges" Palmöl eine Lüge ist. „Mein Herz ist voller Sorge um unsere Familie“, sagt Bidin zum Abschied. Wir fordern Unilever auf, die Verantwortung für seine Produkte zu übernehmen

Mitten auf der Weser verliert Bidin die Fassung. Der Häuptling aus Sungai Buayan auf Sumatra steht im Heck der kleinen Barkasse und starrt auf die gewaltigen Silos am Ufer. „Hier also landet das Palmöl, das für uns Leid, Not und Hunger bedeutet. Sie schaffen alles aus dem Land, verdienen damit das große Geld, auch Unilever. Und wir haben nichts davon.“

Dann sieht Bidin das Firmenschild über den Silos: Wilmar. Das ist der Name des weltgrößten Palmölkonzerns, der in Brake an der Unterweser eine große Fett-Raffinierie betreibt – täglich 2.500 Tonnen Öl bearbeiten sie dort. „Jeden Tag müssen wir auf unserem Land dieses Schild sehen“, sagt Bidin. „Nicht betreten. Dieses Land gehört Asiatic Persada“, steht dort. Die Palmölfirma gehört zu Wilmar.

Vor neun Jahren hat sie dem Familien-Clan von Bidin und Ida den Wald gestohlen, um Plantagen zu pflanzen. Das Land gehörte schon den Ururgroßeltern des Clans. „Eintausend Durian-Bäume haben unsere Vorfahren dort gepflanzt“, erzählt Bidin. „Die Gräber unserer Ahnen liegen in diesem Land. Das beweist, dass wir seit vielen Generationen hier leben. Seit 1983 besitzen wir sogar eine Karte und Urkunden. Das alles hat uns nichts genützt. Wilmar und alle, die mit dem Palmöl von unserem Land viel Geld verdienen, haben uns zu Bettlern gemacht.“

Bidin ist voller Sorge, dass er sein Erbe nicht an seine Kinder weitergeben kann. Sein Erbe ist das Wissen um den Wald. Wie man Bäume anpflanzt, wie man den Wald erhält und wie man in der Wildnis überlebt. Dazu gehört zum Beispiel, die Sprache der Affen zu verstehen – wie sie sich gegenseitig vor Tigern warnen. „Jetzt gibt es keine Affen mehr und keine Tiger,“ sagt Bidin. „Keine Urwaldriesen und keine Obstbäume. Wir haben nur noch einen Baum – und den millionenfach: Die Ölpalme. Das ist die große Tragödie unseres Volkes. Die junge Generation kennt nur noch Palmölplantagen und kriegsähnliche Zustände. Das ist es, was wir unseren vier Kindern hinterlassen. Wie soll ich da an eine Zukunft glauben?“

Bidin und Ida, die nur ihren kleinen Sohn Agung mit nach Deutschland nehmen konnten, haben Angst vor dem, was sie Zuhause erwartet. Wie ist es den drei anderen Kindern ergangen, der Familie, allen Menschen in ihrem zerstörten Dorf? Leben sie noch? Haben sie etwas zu essen? Dürfen Ida und Bidin überhaupt zurück – oder ist das Dorf wieder von der Polizei abgeriegelt?Auch unser Partner Feri Irawan kehrt voller Sorge zurück. Seine Aktivisten in Jambi haben für den 22. Dezember eine Vorladung zum Polizei-Verhör. Es geht um angebliche Landbesetzung während der Wilmar-Gewaltaktion im August in Bidins Dorf und zwei weiteren Dörfern. Feri befürchtet, dass seine Leute verhaftet werden sollen – „man tut alles, um die Bewegung zu zerschlagen.“

Rettet den Regenwald führt bereits Verhandlungen mit einem Hamburger Rechtsanwalt. Ab 2012 gibt es neue Gesetze, nach denen offengelegt werden muss, ob für ein Produkt Menschenrechte verletzt und die Natur zerstört worden sind. Danach wird auch Unilever für die gesamte Herstellungskette seiner Produkte haften müssen.Außerdem werden wir zusammen mit Robin Wood genau verfolgen, ob Unilever sein mündliches Versprechen hält. Der Konzern will innerhhalb von 30 Tagen dafür sorgen, dass sein Lieferant Wilmar die zerstörten Dörfer in Sumatra wieder aufbaut und die Menschen entschädigt. Die Frist läuft am 14. Januar 2012 ab.