100.000 Menschen aus aller Welt verteidigen die Bergregenwälder des Intag

Aktivisten von Rettet den Regenwald e.V. und Intag e.V. demonstrieren vor der Botschaft von Chile. Carlos Zorilla von DECOIN aus Ecuador trägt die Aktenordner mit den Dokumenten und Unterschriften. Chile soll Ecuadors Regenwälder erhalten, fordern Carlos Zorilla und deutsche Umweltschützer vor der Botschaft des Landes in Berlin (Foto: Christine Denck) (© © Christine Denck)

17.09.2014

Der staatseigene Kupferkonzern CODELCO aus Chile plant, in den Bergregenwäldern des Intag in Ecuador eine riesige Kupfermine anzulegen. Umweltschützer aus Ecuador und Deutschland haben gegen das Projekt vor der chilenischen Botschaft in Berlin demonstriert.

Der chilenische Kupferkonzern CODELCO mag Erfahrung im Abbau des Metalls in sehr trockenen Gebieten wie der Atacama-Wüste in Südamerika haben, aber in Bergregenwaldgebieten wie dem Intag hat das Unternehmen keinerlei Know-how", erklärt Carlos Zorilla von der Umweltorganisation DECOIN aus Ecuador. Der geplante Kupferabbau im Intag, der zur Bioregion des Choco gehört, sei eines der regenreichsten Gebiete der Erde. Allein schon die von den Wassermassen ausgehenden Gefahren sollten gegen den Bergbau sprechen.

Carlos protestierte zusammen mit Aktivisten von Rettet den Regenwald e.V. und Intag e.V. gestern vor der chilenischen Botschaft in Berlin gegen das Kupferprojekt in seiner Heimat des staatlichen CODELCO-Konzerns. Anschließend trafen sich die Aktivisten zum Gesprächstermin mit dem Umweltbeauftragten der Botschaft, Herrn Francisco Mackenney. Diesem übergaben sie in der Botschaft Dokumente und Schreiben von verschiedenen Organisationen und Autoritäten des Intag sowie eine Petition mit 100.000 Unterschriften von Rettet den Regenwald. Chile und CODELCO sollen sich aus dem Kupferprojekt Llurimagua zurückziehen und die einzigartigen und sehr artenreichen Bergregenwälder schützen helfen, so die gemeinsame Forderung.

Seitdem CODELCO in dem Konzessionsgebiet präsent und aktiv ist, haben die Menschenrechtsverletzungen im Intag stark zugenommen. Herr Mackenney sieht aber keinen Zusammenhang und erklärte, dass für die Einhaltung der Menschenrechte das betroffene Land zuständig sei, also in diesem Fall Ecuador.

Deshalb ist die Delegation der Umweltschützer nach dem Gespräch weiter zur ecuadorianischen Botschaft gezogen, wo sie vom Minister der Botschaft, Herrn Fernando Bucheli, empfanden wurde. Dort konzentrierte sich das Gespräch vor allem auf den verhafteten Bauern Javier Ramírez. Bis heute hat keine der zuständigen Institutionen in Ecuador auf die internationalen Anfragen (auf Spanisch) zu dem seit April im Gefängnis eingesperrten Bauern reagiert. Der Familienvater und Dorfvorsteher von Junin hat sich – so wie die Mehrheit der Menschen im Intag – gegen den Bergbau ausgesprochen und kein einziges Delikt begangen. Sein Dorf Junin soll für den Kupferabbau dem Erdboden gleich gemacht werden.

Herr Bucheli bestätigte, dass die Botschaft von Ecuador bisher keine Antwort von der Regierung und den zuständigen Behörden über die Gründe der Inhaftierung von Ramírez erhalten habe, genauso wie die Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen rund um den Globus, die seit Monaten gegen die Verhaftung des Bauern protestieren.

„Die Menschen und Organisationen, die im Intag waren und Javier Ramírez und ihn als Präsidenten des Dorfes Junin sowie seinen Kampf für den Erhalt der Regenwälder kennen, bitten nicht nur um eine Antwort: Wir fordern seine sofortige Freilassung und dass alle Anschuldigungen gegen ihn fallen gelassen werden", erklärt Susann Abouledahab von Intag e.V.

Die Mitarbeiter beider Botschaften haben zugesagt, die Petition und die Anfragen an die Regierungen ihrer Länder weiterzuleiten. „Sie haben angekündigt, dass Monate vergehen könnten, bis sie Antworten erhalten. Wir werden nicht locker lassen und den Fall weiter verfolgen", erklärt Guadalupe Rodríguez von Rettet den Regenwald. „Dafür ist die Unterstützung durch Menschen aus aller Welt sehr wichtig, um die Natur und Menschenrechte zu verteidigen."