Gerechtigkeit für die Bevölkerung in Sierra Leone

Eine Aktivistin von Rettet den Regenwald hält in der Botschaft von Sierra Leone Petition und Übergabeplakat in die Höhe. Rettet den Regenwald übergibt 120.000 Unterschriften zur Unterstützung der Landrechtskämpfer in SIerra Leone. (© Rettet den Regenwald)

16.06.2016

Heute haben Green Scenery in Sierra Leone und Rettet den Regenwald in Deutschland eine Petition mit rund 120.000 Unterschriften an die Regierung des westafrikanischen Landes übergeben. Die Menschen verlieren immer mehr Land an europäische Großinvestoren zum Anbau von Ölpalmen und Zuckerrohr für den Export. Wer sich dagegen wehrt, droht verfolgt und eingesperrt zu werden.

Lokale Führer, Funktionäre und Politiker verscherbelten den Grund und Boden der Bauern für 50 Jahre an den belgisch-luxemburgischen Palmölkonzern SOCFIN. Bereits fast ein Fünftel der gesamten Ackerfläche von Sierra Leone wurde von Großinvestoren in Plantagen-Ödland aus Ölpalmen, Zuckerrohr und Gummibäumen verwandelt. Die Menschen fordern ihr Land zurück.
Sechs Vorstandsmitglieder der lokalen Landbesitzervereinigung MALOA wurden in Sierra Leone  im Februar 2016 wegen angeblicher Verschwörung zu monatelanger Gefängnishaft verurteilt, weil sie gegen den Raub ihrer Lebensgrundlagen protestiert haben.

Am 16. Juni 2016 machte Green Scenery zusammen mit 22 weiteren Nichtregierungsorganisationen in Sierra Leones Hauptstadt Freetown durch eine Pressekonferenz auf die aktuelle Situation von MALOA aufmerksam und präsentierte die gesammelten Unterschriften der Öffentlichkeit. Rettet den Regenwald war live mit dabei: Fotos von der am gleichen Tag stattgefundenen Übergabe der Unterschriften in Deutschland zierten die Wand des Veranstaltungsraumes. Unter dem Motto "Gerechtigkeit für die Verteidiger der Landrechte - Justice for Land Rights Defenders" hatte Rettet den Regenwald wenige Stunden zuvor die Petition mit mehr als 120.000 Unterschriften in der Botschaft von Sierra Leone in Berlin eingereicht.

Eine parallel zur Petition laufende Spendenkampagne, die ebenfalls von Rettet den Regenwald unterstützt wurde, hatte es möglich gemacht, die Strafgelder der verhafteten Aktivisten in Höhe von 210 Millionen Leones (etwa 35.000,00 Euro) zu begleichen. Aufgrund der Solidarität von Organisationen aus aller Welt konnten Anfang Mai alle sechs aus der Haft entlassen werden und in ihre Dörfer zurückkehren. Zurück in Freiheit, doch der Kampf um das Land und die Ressourcen geht weiter.

Joseph Rahall, Direktor von Green Scenery, gehört zu den treibenden Kräften in diesem Prozess. Er zeigte sich erfreut über den Erfolg der Aktion: „Über 100.000 haben die Petition für MALOA unterschrieben und viele Menschen aus Sierra Leone und aus aller Welt haben sich an unserer Spendenkampagne beteiligt. Wir sind dankbar für diese großzügige Unterstützung, die den Landrechtsaktivisten von MALOA neuen Rückenwind gibt.“

Für Rückenwind sorgten auch noch weitere internationale Solidaritäts-Aktionen: In Brüssel und Paris demonstrierten mehrere Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen gegen das Landgrabbing in Sierra Leone. Die Proteste richteten sich gegen die Äktionärsversammlungen von SOCFIN und der Bolloré-Gruppe, einem der Hauptaktionäre des Palmölkonzerns. Hier ein Bericht auf Englisch im französischen Magazin Bastamag.

Ein weiterer Fall von Landraub in Sierra Leone ist nun filmisch dokumentiert. Die im NDR ausgestrahlte Fernsehreportage "Herr Abass und das geklaute Land"  ist weiterhin im Internet zu sehen. Es geht um die Schweizer Firma Addax Bioenergy, die die Kleinbauern von ihrem Land verdrängt. Statt Nahrungsmitteln für die lokale Bevölkerung wächst dort nun Zuckerrohr zur Produktion von EU-Biosprit. Finanziert wurde das Projekt auch mit einem zweistelligen Millionen Euro-Betrag der staatlichen DEG-Bank aus Deutschland, einer Tochter der KfW-Bank.