TV-Reportage: Europas dreckige Ernte - Unser Obst und Gemüse

Gewächshäuser in Spanien Gewächshäuser an Spaniens Küste (© Olaf Speier/Istockphoto.com)

09.07.2018

Die deutschen Supermärkte wie Aldi, Edeka, Lidl und Rewe locken die Kunden mit Billigangeboten für Obst und Gemüse in ihre Filialen. Sehr viel davon stammt aus Südspanien und wird dort unter katastrophalen Auswirkungen auf die Umwelt produziert. Die ARD-Reportage "Europas dreckige Ernte" zeigt, dass auch die Arbeiter in den Betrieben massiv unter dem Preisdiktat der Einzelhandelskonzerne leiden.

Die Erntehelfer in Spanien leben in Slums aus alten Plastikplanen und Paletten, berichtet die ARD. Unter sklavenähnlichen Bedingungen schuften sie in den Obst- und Gemüseplantagen an der Mittelmeerküste. Allein in der Provinz Almeria sind 400 Quadratkilometer Land – eine Fläche wesentlich größer als München – unter Plastikplanen verschwunden.

Auch in Murcia und Huelva wachsen Broccoli, Blattsalat, Sellerie, Tomaten, Erdbeeren und Melonen. Das meiste davon geht in den deutschen Supermärkten wie Aldi, Edeka, Lidl und Rewe über die Theke. Im vergangenen Jahr hat Spanien Obst und Gemüse im Wert von 3,8 Milliarden Euro nach Deutschland exportiert.

Die Arbeiter in den Betrieben haben davon nichts. Viele verdienen nur 25 Euro am Tag und riskieren bei der Arbeit mit Pestiziden ihre Gesundheit. Doch die meisten wagen es nicht, sich zu wehren. Als Flüchtlinge und Migranten aus Nordafrika haben sie keine offiziellen Papiere und damit kaum Rechte. Und wer protestiert, ist den Job schnell los.

Auch in Süditalien, in Kalabrien und auf Sizilien, herrschen dieselben Zustände, wie die Reportage zeigt. Auf 11.000 Quadratkilometern sprießen dort Obst und Gemüse. Aus Italien führte Deutschland letztes Jahr Ware im Wert von 2,2 Milliarden Euro ein.

Finanziert wird das Geschäft auch mit vielen Millionen Euro Agrarsubventionen der EU. Zwei Drittel der EU-Milliarden werden über die Fläche der Betriebe ausgeschüttet. Je größer der Agrarbetrieb, desto mehr Geld sprudelt aus Brüssel. Das Nachsehen haben kleine Betriebe. Für die Arbeitsbedingungen und den Umweltschutz interessieren sich die EU und der zuständige EU-Landwirtschaftskommissar Phil Hogan nicht.

Bitte unterzeichnen Sie auch unsere Petition Gift für Seepferdchen, billiges Gemüse für uns. Die einst artenreiche Lagune Mar Menor in Südspanien ist verseucht. Weil deutsche Handelsketten immer weiter die Preise drücken, leiten die Anbaubetriebe Abwässer in das Schutzgebiet, um Kosten zu sparen. Für unser billiges Obst und Gemüse aus dem Supermarkt sterben die Seepferdchen und viele andere Meeresbewohner.