Holzkohle: Auf dem Grill geht der Tropenwald in Flammen auf

Collage aus Beutel mit Holzkohle auf abgebranntem Regenwald 250.000 Tonnen Holzkohle verbrennen pro Jahr auf deutschen Grills – ein Großteil stammt aus Raubbbau in den Tropen und Osteuropa (© COP - Montage Rettet den Regenwald)

18.07.2018

Holzkohle für das sommerliche Grillvergnügen ist auch im Jahr 2018 leider mit der Plünderung von Tropenwäldern und illegalem Holzeinschlag in Europa eng verbunden. Das belegen Nachforschungen von Umweltschützern und Journalisten.

Die Organisation WWF und das ARD-Fernsehen haben untersucht, woher unsere Holzkohle stammt. Sie haben dazu 36 verschiedene Marken Holzkohle und Holzbrikettbeutel im Einzelhandel gekauft und untersuchen lassen.

Das traurige Ergebnis: In 40% der Säcke (14 Holzkohlemarken) findet sich Tropenholz, so die Analyse von Holzwissenschaftlern des staatlichen Thünen Instituts in Hamburg. Und bei fast allen Marken muss damit gerechnet werden, dass illegal geschlagene Hölzer aus der Ukraine dabei sind.

Besonders dreist: Die bei Bauhaus gekaufte Marke Flash Barbecue Season – 3 kg Grillholzkohle (Hersteller BOOMEX GmbH Essen) wirbt sogar mit Aufdrucken wie "Kein Tropenholz", obwohl das Produkt neben europäischen Arten auch aus Holz aus tropischen und subtropischen Regionen besteht.

Auch zertifizierte Holzkohle (Industrielabel FSC und PEFC) bietet keine Sicherheit. Die bei Lidl erhältlichen Meister Grill Briketts aus Holzkohle und bei Netto gekauften Best of BBQ enthalten nach der Untersuchung "tropische und subtropische Holzarten mit einem hohen Risiko für illegalen Holzeinschlag und/oder Raubbau", so der WWF.

Der FSC-Direktor Kim Carstensen findet das inakzeptabel, aber das Geschäft läuft trotzdem weiter. Und so werden die Kunden, die im guten Glauben die zertifizierte Holzkohle im Supermarkt kaufen, offensichtlich betrogen.

Europäische Ware garantiert ebensowenig Sicherheit vor unrechtmäßigem Holzeinschlag, Naturplünderung und Korruption. 166.000 t Holzkohle exportierte die Ukraine 2017 in die EU. Sogar in Nationalparks wie im Vyzhnytsky in den Karpaten werden Jahrhunderte alte Buchen gefällt und zu Holzkohle verarbeitet – mit Wissen und Mitwirkung der Behörden des Landes.

Die einzigen deutschen Holzkohlehersteller sind demnach Profagus (Marke Premium Buchen Grill-Holzkohlebriketts) und Nero Grillkohle aus dem Stadtwald von Saarbrücken.

Alle anderen Hersteller und Vertriebsgesellschaften kaufen die Ware weitgehend im Ausland ein. Kontrollen oder rechtliche Vorgaben, die kriminellen Machenschaften mit der Holzkohle zu unterbinden oder zu verfolgen, gibt es nicht. Politik und Wirtschaft setzen auf freiwillige Maßnahmen – sind untätig und schweigen. Dabei importiert allein Deutschland pro Jahr 250.000 Tonnen Holzkohle für unseren Freizeitspass, ein Drittel davon von Händlern aus Polen.

Polen ist die Drehscheibe für Holzkohleeinfuhren in die EU. Einer der größten Händler dort ist die Firma Dancoal. Deren Ware stammt nach eigenen Angaben u.a. aus der Ukraine, Namibia, Ghana, Paraguay, Indonesien und Nigeria. Sage und schreibe 157 Holzarten hat die Firma in die Liste der für Holzkohle verwendeten zertifizierten Hölzer kopiert. Die meisten dieser Arten kommen aus den Tropen und manche davon stehen sogar auf der Liste des Washingtoner Artenschutzabkommens für bedrohte Arten (CITES).

Brennpunkt Nigeria

Danacoal vertreibt große Mengen Holzkohle aus Nigeria. Das afrikanische Land hat die höchste Entwaldungsrate auf dem Kontinent. In den letzten 20 Jahren wurde die Hälfte der Tropenwälder des Landes abgeholzt. Die Regierung hat die Herstellung von Holzkohle im Land verboten, doch eingehalten wird das nicht. Solange es eine Nachfrage im Ausland nach der billigen Holzkohle gibt, wird sie produziert und exportiert, erklärt ein Forscher der Universtät von Lagos.

Nach Angaben von Interpol ist ein großer Teil des Holzkohlegeschäfts organisierte Kriminalität. Mit den Millionen-Euro-Einnahmen finanzieren sich sogar islamistische Terrorgruppen. Das hält die europäischen Händler offenbar aber nicht davon ab, ihre Geschäfte zu machen.

Der Import einer Tonne Tropenholzkohle nach Polen im Container kostet 190 Euro. Gemischt und umverpackt zahlt der deutsche Einzelhandel im Schnitt dafür 550 Euro. Im Bau- und Supermarkt oder an der Tankstelle wird die Ware dann für drei bis zehn Euro verkauft – für zumeist 3 bis 5 kg Holzkohle oder Holzbriketts.

Folgende Holzkohleprodukte, die im deutschen Einzelahndel und an Tankstellen gekauft wurden, enthalten laut WWF Tropenhölzer, wie Analysen der Ware ergaben.

- Aldi, Marke GRILLTIME!; Grill-Holzkohle-Briketts, 3 kg

- Bauhaus, Marke Flash Barbecue Season, 3 kg Grillholzkohle, Grill Lumpwood charcoal

- Globus Fachmarkt, Marke favorit QUALITÄTSGRILLHOLZKOHLE, 10 kg und Matke favorit BRIQUETTES DE CHARBON DE BOIS, 5 kg

- Hellweg, Marke MAX; 3 kg; Premium Holzkohle; Kohlen Union B. Schönbucher GmbH

- Lidl, Marke GRILL MEISTER; GRILL Briketts aus Holzkohle, 3 kg, 11817 / FSC-107188 SGSCH und Make GRILL MEISTER; GRILL Briketts aus Holzkohle, 3 kg, 11817 / PEFC-32-31-069 Verpackung FSC-117334 SGSCH

- Netto, Marke Best of BBQ; Grill Holzkohle, 2,5 kg, PLU 283, FSC-C023343; SGSCH

- Penny, Marke Grill Country Barbeque Charcoal Briquettes, 3 kg und Marke Grill Country; Grill Holzkohle, 3 kg

- Real, Marke Grill profi; Holzkohle, 3 kg

- Rewe, Marke Grill Holz-Kohle, 2,5 kg

- Esso-Tankstelle, Marke ECHTE GRILLKETTS, 3 kg

- Getränke Hoffmann, Marke Hubert's Qualitäts Grill Holzkohle, 2,5 kg

FAZIT: Der Einzelhandel verkauft auch weiterhin große Mengen Holzkohle aus illegalem Holzeinschlag und aus den Tropen (Nigeria, Paraguay, Indonesien 5%, Ghana).

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