Borneo in den Krallen der Palmölindustrie

Leben am Sembuluh-See, Frauen hocken auf Stegen und waschen Wäsche Fischfang ist unmöglich, denn Sinar Mas hat den Sembuluh-See auf Borneo verschmutzt (© SOB)

14.11.2019

Sinar Mas, Astra und Wilmar beherrschen große Gebiete auf Borneo. Sie sind verantwortlich für Entwaldung, Umweltverschmutzung und Waldbrände. Gerichte verurteilen sie höchstens zu Geldstrafen.

Palmölmanager und Politiker aus Borneo müssen sich vor Gericht verantworten. Die Anklage lautet auf Bestechung. Mit gut 15.000 Euro sollte demnach die Verschmutzung des Sembuluh-Sees in Zentralkalimantan vertuscht werden.

Der Sembuluh-See ist der größte See in der Provinz Zentralkalimantan und liegt inmitten riesiger Ölpalmplantagen. Die Bewohner der umliegenden Dörfer leben seit alters her hauptsächlich vom Fischfang. Doch seit die Ölpalmplantagen ihre Abwässer in den See leiten, ist der hochgradig verschmutzt.

Unser Partner Save Our Borneo hat dazu beigetragen, dass sich hochrangige Manager von Sinar Mas und anderen Konzernen vor Gericht verantworten müssen. Der Anklage zufolge haben sie vier Parlamentarier bestochen, damit sie die Anzeige wegen der Verschmutzung des Sees nicht weiter verfolgen. Wir berichteten über die ersten Verhöre zum Korruptionsskandal um den Palmölkonzern Sinar Mas.

Ein Drittel der Provinz ist inzwischen in den Krallen der Palmölindustrie, schätzt Save Our Borneo. Beim Gerichtsprozess sagte der Leiter des Umweltamtes, dass folgende "global agierende Konzerne die Provinz beherrschen": Sinar Mas, Astra und Wilmar.

Während der Brandsaison 2019, die gerade vorbei geht, sind fast eine Million Hektar Wald und Torfböden den Flammen zum Opfer gefallen. Die meisten Brände waren in und um Ölpalmplantagen lokalisiert. Ob die Unternehmen zur Rechenschaft gezogen werden, ist fraglich. Die Mühlen der Justiz mahlen langsam. Nach der schrecklichen Feuersaison 2015 wurden bisher nur wenige Brandstifter zu Schadensersatzzahlungen verurteilt. „Doch keiner einzigen Firma wurde die Genehmigung entzogen“, entrüstet sich Safrudin Mahendra von Save Our Borneo.

„Den ein oder anderen Manager zu Geldstrafen zu verurteilen, bringt nichts“, sagt Safrudin Mahendra. „Es wird erst besser, wenn sie die Genehmigung verlieren und dann die Torfböden renaturiert werden.“

Immerhin haben Behörden in diesem Jahr 80 Plantagen, davon 9 in Zentralkalimantan, wegen des Verdachts der Brandstiftung oder Unterlassung von Löscharbeiten vorläufig gesperrt. Allerdings wurden nur zwei Personen als Verdächtige beschuldigt.

„Die Bemühungen des Rechtssystems in allen Ehren“, sagt Safrudin Mahendra. „Doch wenn die Unternehmen nicht für immer geschlossen werden, werden wir im nächsten Jahr wieder Waldbrände und Umweltverschmutzung erleben.“