Rat an die UNO: Keine Verträge mehr mit der Bolloré-Gruppe

Protest gegen Okomu Oil Palm Oil in Nigeria Protest gegen die Plantagenfirma Okomu Oil Palm Oil in Nigeria (© Okpamakhin Initiative)
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Die UNO bekämpft Armut, lindert Hunger und tritt für Kinderrechte ein. Mit welchen Firmen sie dabei arbeiten, beachten UNDP, WFP und Unicef jedoch nicht sorgfältig genug. So ist die Bolloré-Gruppe einer ihrer größten Dienstleister, obwohl sie der Korruption und über die Tochter Socfin der Verwicklungen in Landraub bezichtigt wird.

News und Updates Appell

An: Welternährungsprogramm (WFP), UN-Entwicklungsprogramm (UNDP), Unicef

„Wir raten der UNO, alle Verträge mit der Bolloré-Gruppe, der Korruption und deren Tochter Socfin Landraub und Umweltzerstörung vorgeworfen wird, zu beenden.“

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Die Vorwürfe kreisen um die Socfin-Gruppe, an der die Bolloré-Gruppe rund 39 Prozent der Anteile hält. Socfin betreibt Kautschuk- und Palmöl-Plantagen in zehn afrikanischen und asiatischen Ländern und hat einen schlechten Ruf: Wo immer dessen Tochterunternehmen aktiv sind, berichten Einwohner über rabiate Methoden wie Landraub. So identifizierten Augenzeugen Sicherheitskräfte der Socfin Tochterfirma Okomu Oil Palm Plantation Plc und Angehörige der Armee als Täter, als im Mai 2020 das nigerianische Dorf Ijaw-Gbene niederbrannte.

Die Bolloré-Gruppe wurde zudem der Korruption und illegaler Praktiken bei der Erlangung von Hafen-Konzessionen in Afrika beschuldigt, schreibt das Oakland Institute in der Studie „Doing business with the Bolloré Group“. Am 26. Februar 2021 hat die Bolloré-Gruppe im Zusammenhang mit Korruptionsvorwürfen in Togo einen Deal mit der Staatsanwaltschaft und eine Geldbuße von 12 Millionen Euro akzeptiert.

Die Bolloré-Gruppe ist dennoch ein wichtiger Dienstleister der Vereinten Nationen, darunter das Welternährungsprogramm, das Entwicklungsprogramm und Unicef. Die Verträge bringen der Gruppe jedes Jahr 50 Millionen US-Dollar für Logistik und andere Leistungen ein.

Am 24. Mai 2021 haben 40 Organisationen aus 16 Ländern die UNO aufgefordert, alle Geschäftsbeziehungen mit der Bolloré-Gruppe und ihren Tochterunternehmen zu beenden. Die UNO hat weder darauf noch auf den jüngsten Brief des Oakland Institute vom 11. November 2021 reagiert.

Offenbar kann allein die Öffentlichkeit die UNO davon überzeugen, das Richtige zu tun. Wir raten ihr, alle Verträge mit der Bolloré-Gruppe zu beenden.

Hinter­gründe

Die Bolloré-Gruppe wird von der Familie Bolloré kontrolliert. Vorstandsvorsitzender ist Cyrille Bolloré, sein Vater Vincent Bolloré ist einer der Direktoren der Socfin Gruppe.

Im Oktober 2021 berichteten mehrere Medien, die Bolloré-Gruppe plane womöglich, seine Logistik-Aktivitäten in Afrika zu beenden. Eine Bestätigung des Unternehmens dafür gibt es allerdings nicht. Zweifel sind zudem angebracht, da beispielsweise die Webseite und der Geschäftsbericht 2020 die Bedeutung des Bereichs betonen.

Die Bolloré-Gruppe besitzt zudem bedeutende Anteile an der Mediengruppe Vivendi (27 Prozent). Dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel zufolge fördert Vincent Bolloré damit den ultra-konservativen Präsidentschaftskandidaten Éric Zemmour.

In mehreren Fällen haben Socfin und Bolloré Kritiker von europäischen und afrikanischen Organisationen, Medien, Journalisten und Dorfvertreter verklagt. Socfin weist Kritik zurück.

An­schreiben

An: Welternährungsprogramm (WFP), UN-Entwicklungsprogramm (UNDP), Unicef

Sehr geehrter Herr Beasley,
sehr geehrter Herr Steiner,
sehr geehrte Frau Fore,

die Bolloré-Gruppe ist ein wichtiger Dienstleister der Vereinten Nationen, was ihr jedes Jahr 50 Millionen US-Dollar für Logistik und andere Leistungen einbringt. Zwischen 2015 und 2019 haben verschiedene UN-Organisationen mehr als 200 Verträge mit der Firmengruppe im Wert von über einer Viertel Milliarde Dollar unterschrieben. Ihre drei Organisationen decken rund 95 Prozent dieses Betrags ab.

Wir rufen Ihre Institutionen dazu auf, alle Geschäftsbeziehungen mit der Bolloré-Gruppe und ihren Tochtergesellschaften aus den folgenden Gründen zu beenden:

- Die Bolloré-Gruppe ist durch ihren Anteil von 39,4 Prozent an der Socfin-Gruppe an Kautschuk- und Palmölplantagen beteiligt. Socfin kontrolliert nahezu 400.000 Hektar Konzessionen für Plantagen in Asien und Afrika. Wo immer deren Tochterunternehmen in Nigeria, Kamerun, Sierra Leone, der Elfenbeinküste und Kambodscha aktiv sind, haben Einwohner über rabiate Methoden wie Landraub berichtet. Wiederholt wurden lokale Gemeinschaften Opfer von Gewalt, Bedrohung und willkürlichen Festnahmen.

- Die Bolloré-Gruppe wurde der Korruption und illegaler Praktiken in einer Reihe von Geschäften zur Erlangung von Hafen-Konzessionen in Afrika beschuldigt. Am 26. Februar 2021 hat die Bolloré-Gruppe im Zusammenhang mit Korruptionsvorwürfen in Togo einen Deal mit der Staatsanwaltschaft und eine Geldbuße von 12 Millionen Euro akzeptiert.

Alle Dokumente und Zusammenhänge, die Grundlage für die obigen Aussagen sind, sind im Bericht "Doing Business With the Bolloré Group" des Oakland Institute dargelegt.

Vor dem Hintergrund der dokumentieren Vorwürfe von illegalen Praktiken und Korruption erscheint es als eklatanter Verstoß gegen die "Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte", die "Kriterien zur Auswahl von Dienstleistern" und des "United Nations Global Compact", wenn UN-Organisationen und Programme Geschäftsbeziehungen zur Bolloré-Gruppe unterhalten.

Geschäfte mit der Bolloré-Gruppe widersprechen auch dem Auftrag Ihrer Institutionen, Hunger und Leid zu lindern und Entwicklung zu fördern.

Wir raten Ihren Institutionen daher dazu, alle Geschäftsbeziehungen mit der Bolloré-Gruppe und ihrer Tochterunternehmen zu beenden.

Mit freundlichen Grüßen

News und Updates

Presse-Echo · 24.02.2022

Radio-Interview zu UN-Geschäften mit der Bolloré Gruppe

Protest gegen Okomu Oil Palm Oil in Nigeria

Der Radiosender KPFA in Berkeley (USA) hat ein ausführliches Interview über unsere Petition "Rat an die UNO: Keine Verträge mehr mit der Bolloré-Gruppe" gesendet. Timecode ab 36:55. Einen weiteren Artikel dazu finden Sie hier: https://salonecompass.news/?p=752

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Petitionsübergabe · 11.02.2022

UN erhält 72.643 Unterschriften wegen Afrika-Deals mit Bolloré

Drei UN-Organisationen haben alarmierende Post bekommen: Am Montag haben Rettet den Regenwald und das Oakland Institute eine Petition mit 72.643 Unterschriften an das Welternährungsprogramm, das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen und UNICEF geschickt. Darin fordern sie ein Ende von Geschäften mit der Bolloré-Gruppe, die in Korruption und über eine Tochterfirma in Landraub verstrickt ist.

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Fußnoten

Socfin GruppeSocfin steht für Société Financière des Caoutchoucs. Die Firmengruppe betreibt in Afrika und Asien Plantagen für Kautschuk und Palmöl.

https://www.socfin.com/sites/default/files/2021-10/2021.06.30%20-%20Socfinaf%20-%20Consolidated%20financial%20statements_0_1.pdf


Bolloré GruppeDie französische Bolloré-Gruppe wurde im Jahr 1822 gegründet und gehört zu den 500 größten Unternehmen weltweit. Laut Geschäftsbericht 2020 betrugen die Einnahmen (revenue) 24 Milliarden Euro, der Gewinn (net income) 1,563 Milliarden Euro. Das Kapital (in equity) lag bei 26 Milliarden Euro.

Die Gruppe beschäftigt in 130 Ländern 79.000 Mitarbeiter und ist in den Feldern 1. Transport und Logistik, 2. Medien und Kommunikation und 3. Stromspeicherung und Systeme tätig. Laut Geschäftsbericht 2020 „hat sich die Gruppe zu einer der zehn größten Logistikfirmen der Welt und zur größten Transportgruppe in Afrika entwickelt“.

https://www.bollore.com/bollo-content/uploads/2021/05/0506_2101198_bollore_ra_gb_mel.pdf


einen Deal mit der StaatsanwaltschaftWenn ein Unternehmen in Frankreich eine convention judiciaire d’intérêt public (CJIP)("Gerichtsvereinbarung im öffentlichen Interesse") eingeht, bedeutet das nicht, dass es auch die Vorwürfe einräumt. Es ist kein Schuldeingeständnis; die Firma gilt weiterhin als unschuldig. Ziel ist vielmehr, die Vorwürfe und ein Gerichtsverfahren schnell und geräuschlos aus der Welt zu schaffen.

Hier finden Sie die CJIP der Bolloré Gruppe:

La CJIP de l’affaire Bolloré / Financière de l’Odet au Togo en version intégrale »

http://www.justice.gouv.fr/art_pix/CJIP_bollore_20210902.pdf

Besonders interessant sind diese beiden Punkte:

(...)

21. Le 12 décembre 2018, la société Bolloré SE était mise en examen des chefs de corruption d’agent public étranger, faits commis sur le territoire national et au Togo, entre 2009 et 2011, complicité d’abus de confiance commis au préjudice de la SNC SDV Afrique, faits commis sur le territoire national et au Togo, courant 2009 et 2010.

22. Le 7 janvier 2021, la société Bolloré SE a déclaré reconnaître ces faits et accepter leur qualification pénale.

(…)

Grundsätzlich könnte der Bolloré-Gruppe ein Bußgeld von 6.2 Milliarden Euro drohen.
23. (…) Le montant maximal théorique de l’amende d’intérêt public est donc de 6 620 500 000 euros.