„Verantwortungsbewusste Soja“ – ein Fall von Verbrauchertäuschung

Ein Flugzeug versprüht Pestizide über einem Sojafeld Chemie-Cocktail aus der Luft: schädlich für Menschen und Natur
20.063 Teilnehmer

Ende der Aktion: 20.05.2014

Liebe Freunde des bewussten Einkaufs,  Supermärkte und Lebensmittelindustrie erwecken gern den Anschein, dass ihre Produkte nicht nur gut für die Kunden sind, sondern auch für Natur und Umwelt. Lassen Sie sich dabei jedoch nicht irreführen. In Kürze wird ein neues Label für angeblich „verantwortungsbewusste“ Soja lanciert. Dabei handelt es sich um einen besonders dreisten Versuch der Verbrauchertäuschung, denn diese Soja ist gentechnisch verändert.

Appell

Wie Ihnen vielleicht bekannt ist, müssen Sie bei konventionell erzeugten Milchprodukten und Fleisch sowie Eiern damit rechnen, dass die Tiere mit gentechnisch veränderter Soja gefüttert worden sind. Davon erfahren Sie jedoch nichts, denn diese Erzeugnisse tragen kein Gentech-Label. Auf der sicheren Seite sind Sie nur, wenn Sie Bio-Produkte kaufen oder solche, die mit dem Siegel „ohne Gentechnik“ gekennzeichnet sind.

Als wäre es nicht ärgerlich genug, dass Ihnen beim Kauf tierischer Produkte die Information vorenthalten wird, ob Kuh, Huhn und Schwein Gentech-Soja im Futter hatten – jetzt soll Ihnen gentechnisch veränderte Soja auch noch als „verantwortungsbewusst“ untergejubelt werden.

Dahinter steckt der sogenannte „Runde Tisch für verantwortungsbewusste Soja“ (oder Round Table on Responsible Soy, RTRS), ein Zusammenschluss hauptsächlich von Unternehmen, die am Wachstum des Sojamarktes ein ureigenes Interesse haben. Dem RTRS gehören unter anderen Sojaproduzenten aus Argentinien, Brasilien und China an, des weiteren Gentechnik- und Agrarchemieunternehmen wie Monsanto, Bayer und Syngenta, Ölfirmen wie BP und Shell, die weltweit größten Händler von agrarischen Rohstoffen ADM, Bunge und Cargill sowie die Umweltstiftung WWF International.

Der RTRS kann kein einziges mit dem Anbau von Gentech-Soja verbundenes Problem lösen:

  • Die Belastung der ortsansässigen Bevölkerung mit Herbiziden wird nicht reduziert.
  • Lokale Landnutzer wie Kleinbauern oder indigene Gemeinschaften werden nicht vor Vertreibung geschützt.
  • Nicht einmal die massive Vernichtung von Regenwald und anderen wertvollen Naturräumen wird gestoppt.
  • Auch einer weiteren Ausdehnung des Soja-Anbaus werden keine Grenzen gesetzt.

Stattdessen soll sich Gentech-Soja künftig mit einem grünen Mäntelchen schmücken können. Zum ersten Mal wird dann eine Gentech-Pflanze mit dem Prädikat „verantwortbewusst“ versehen.

Wird sich dieses neue Label durchsetzen? Das haben auch Sie in der Hand! Unterstützen Sie Friends of the Earth International, die Global Forest Coalition, Rettet den Regenwald, die European Coordination Via Campesina, Food and Water Europe, den BUND als deutsches Mitglied von Friends of the Earth und viele andere Organisationen, die sich gegen das „greenwashing“ der Gentech-Soja wehren!

Sie sind mit uns der Meinung, dass Gentech-Soja niemals „verantwortungsbewusst“ sein kann?

Sie möchten, dass die EU sich aus der Abhängigkeit von Importfuttermitteln löst?  Statt Gentech-Importen möchten Sie gentechnikfreie Eiweißpflanzen von heimischen Äckern?

 

Dann schreiben Sie an die großen europäischen Supermarktketten.

Deutsche Übersetzung des Schreibens

Hinter­gründe

An die Supermärkte und die Lebensmittelindustrie in Europa

„Verantwortungsbewusste Soja“ – ein Fall von Verbrauchertäuschung

Sehr geehrte Damen und Herren!

In diesem Frühjahr wird ein neues Label für angeblich „verantwortungsbewusste“ Soja lanciert. Von „Verantwortung“ kann jedoch keine Rede sein. Nach den vom sogenannten „Runden Tisch für verantwortungsbewusste Soja“ (RTRS) aufgestellten Kriterien können sich Soja-Monokulturen auf Kosten von Waldgebieten und bäuerlichen Betrieben weiter ausdehnen; ebenso wird der massive Einsatz von Spritzmitteln weiterhin Menschen und Umwelt schädigen.

Verantwortungsloser Soja-Anbau in Südamerika wird fortgesetzt

In Südamerika wird Soja für Tierfutter in riesigen Monokulturen angebaut. Dabei werden große Mengen hochgiftiger Herbizide versprüht, zumeist auf Gentech-Pflanzen. Diese überstehen im Gegensatz zu allen anderen Pflanzen auf dem Acker die Anwendung von Totalherbiziden. Geschädigt hingegen werden die Menschen, die in den Soja-Gebieten leben. Besonders gefährdet sind Kinder. Um die Sojaproduktion weiter auszudehnen, werden Kleinbauern und indigene Gemeinschaften von ihrem Land vertrieben. Wälder oder andere wertvolle Naturräume werden zerstört. Soja mit dem RTRS-Label stoppt diese Entwicklung nicht und andere Labels wie Soja+, die vorgeben, die Situation zu verbessern, sind sogar noch weniger glaubwürdig. Deshalb hat eine Vielzahl von Organisationen auch das RTRS-Label als „irreführend“ und als Versuch von „greenwashing“ gebrandmarkt.

Verantwortungslose Massentierhaltung in Europa wird fortgesetzt

Mehr als 34 Millionen Tonnen Soja werden jedes Jahr nach Europa importiert. Zumeist landet es als Futter in den Trögen von Tieren, die in industriellen Anlagen gehalten werden. Diese Anlagen verunreinigen nicht nur Wasser, Böden und Luft, die Haltungsbedingungen verursachen zudem vielfaches Leiden von Tieren.

Der Großteil konventionell erzeugter Milchprodukte und Fleisch sowie Eier stammt von Tieren, die mit gentechnisch veränderter Soja gefüttert worden sind. Davon jedoch erfahren Verbraucher nichts, denn diese Erzeugnisse tragen kein Gentech-Label.

Die Ausbeutung natürlicher Ressourcen in Ländern des Südens, die eine Überproduktion von tierischen Produkten in Ländern des Nordens ermöglicht, ist weder „verantwortungsbewusst“ noch „nachhaltig“. Deshalb ist die Abkehr von der Massentierhaltung zwingend erforderlich – ebenso wie der Anbau gentechnikfreier Eiweißpflanzen auf heimischen Äckern.

Schluss mit dem „greenwashing“

Labels auf Lebensmitteln sollen Verbraucherinnen und Verbrauchern eine begründete Kaufentscheidung ermöglichen und sie nicht irreführen. Soja-Monokulturen können nicht „verantwortungsbewusst“ sein. Das RTRS-Label ist ein Fall von Verbrauchertäuschung. Machen Sie dabei nicht mit. Setzen Sie sich stattdessen dafür ein, dass tierische Produkte, die mit Gentech-Pflanzen hergestellt wurden, endlich die entsprechende Gentech-Kennzeichnung erhalten.

An­schreiben

To: supermarkets and food industry in Europe

Dear Sir or Madam:

This year a new label will be launched for so-called ‘responsible’ soy. However, the criteria proposed by the Round Table on Responsible Soy (RTRS) do not guarantee any level of ‘responsibility’. Soy monocultures can still expand at the expense of forest and small farms; massive pesticide spraying will continue to poison people and the environment.

Irresponsible soy production in the South will continue
Soy for animal feed is grown in large monocultures in South America. Massive amounts of toxic pesticides are used on the mostly genetically modified (GM) crop. Local communities and their environment are poisoned, and children are especially vulnerable. To increase soy production, small farmers and indigenous people are pushed from their land and forests and valuable natural areas are destroyed. RTRS soy will not stop this and labels like Soja+ are even weaker. Many social and environmental organisations have voiced clear opposition to the ‘responsible’ label.

Irresponsible animal industry in the North will continue
Over 34 million tons of soy are imported into Europe each year. Most of it is used to feed animals in factory farms. These are highly polluting to water, soil and air and cause much animal suffering. Most of the industrially produced dairy, eggs and meat comes from animals fed with GM soy.

In fact, most people don’t even know that they indirectly consume GM products, because it is not on the label. Exploiting the natural resources of the South to enable an over-production of animal products in the North can never be responsible or sustainable. Instead, factory farming should be abandoned and animal feed should be locally produced.

Stop the greenwash
Labels on food are meant to inform people, not to confuse or mislead them. Soy monocultures are not responsible. The RTRS label could therefore be seen as label fraud. Don’t buy the greenwash message. Instead it would be better to inform consumers about what they are buying by introducing a ‘fed with GM crops’ label for meat and dairy products.