Mord für Agrosprit in Brasilien? Landraub der besten Anbauflächen

09.02.2009

Pressemitteilung Mord für Agrosprit in Brasilien? Landraub der besten Anbauflächen Río de Janeiro und Berlin, 10. Februar 2009 Seit März 2008 versuchen Agrosprit-Investoren, sich Land im Gebiet von Areia Grande im nordostbrasilianischen Bundesstaat Bahia anzueignen. 336 Familien und ihren 13.000 Ziegen und Schafen in der Gemeinde Casa Nova droht der Existenz- und Landverlust. Laut Informationen der Landpastorale CPT setzten gedungene Schläger, sogenannte Pistoleiros, die Familien seit dem vergangenen Jahr brutal unter Druck. Häuser, Stallungen und Zäune der Kleinbauern wurden zerstört. Vergangene Woche nun eskalierte der vom Agrarspritwahn ausgelöste Kampf um anbaufähiges Land: Die Symbolfigur des Widerstandes in der Gemeinde Casa Nova, der 56-jährige Kleinbauer José Campos Braga, wurde am 4. Februar 2009 im Weidegebiet der Gemeinde erschossen. Drei Tage später wurde er im Beisein von mehr als dreihundert trauernder Dorfbewohner beerdigt, doch der Widerstand der Bauern geht weiter. „Das Gebiet von Areia Grande ist nur eines von etlichen Gebieten, die dem Agrospritwahn im Bundesstaat Bahia zum Opfer fallen sollen. Das aggressive Regierungsprogramm BAHIABIO lockt Investoren mit staatlichen Subventionen und Steueranreizen nach Bahia, die sich mit allen Mitteln geeignete Landflächen unter den Nagel reissen. Die traditionellen Landrechte werden mit Füssen getreten und Kleinbauern, Schaf- und Ziegenhalter von den Investoren von ihren Weidegründen vertrieben“, erklärt Norbert Suchanek von Rettet den Regenwald. BAHIABIO hat die Anlage von 870.000 Hektar Zuckerrohr-Monokulturen sowie den großflächigen Anbau von Ölpflanzen wie Rizinus, Indische Brechnuss, Ölpalmen und Baumwolle auf weiteren 868.000 Hektar zum Ziel. Opfer dieses größenwahnsinnigen Agrarenergieprogramms: Die artenreichen Trockenwälder und Savannen des Cerrado- und Caatinga, die traditionellen Weiden in Gemeindebesitz, Küstenwälder sowie die kleinbäuerliche Landwirtschaft - und die sich dagegen wehrenden Menschen. "BAHIABIO ist noch 20 Mal schlimmer als die Umleitung des São Francisco-Flusses", so der Umweltexperte der Landpastorale Roberto Malvezzi. Allein die im Tal des São Francisco geplanten 510.000 Hektar bewässerter Zuckerrohrplantagen würden dem Fluss pro Sekunde im Schnitt über 500.000 Liter von dem knappen Nass entziehen. Die Gemeinde Casa Nova liegt in der Region des Sobradinho-Staudamms. „Der organisierte Landraub ist direkte Folge des Agrospritbooms und die Aussicht auf satte Gewinne. Daran mitverantwortlich ist die Agrospritpolitik von EU und Bundesregierung, die auf massive Importe aus Ländern wie Brasilien setzt. Im Mai 2008 hatte Bundeskanzlerin Merkel dazu ein Deutsch-Brasilianisches Energieabkommen unterzeichnet“, erinnert Reinhard Behrend, Vereinsvorsiztender von Rettet den Regenwald. Das Weidegebiet Areia Grande von Casa Nova ist eines von etwa 300 traditionellen, gemeinschaftlich genutzten Weidegebieten. Über 100.000 Menschen leben von dieser nachhaltigen, angepassten Nutzungsform der semiariden Caatinga-Gebiete, so der Soziologe und Mitarbeiter der Landpastorale CPT Ruben Siqueira. Auch unsere Zukunft, so Siqueira, hänge vom Widerstand dieser traditionellen Gemeinden ab. Wir sollten sie dabei unterstützen. Die Familien von Casa Nova fordern effiziente Ermittlungen zur Klärung des Mords und seiner Hintergründe, Bestrafung der Verantwortlichen, Wahrung der Sicherheit in ihren Dörfern und die Anerkennung ihrer angestammten Landrechte. Rettet den Regenwald unterstützt nachdrücklich die Forderungen der betroffenen Menschen. Weitere Informationen: Norbert Suchanek, Rio de Janeiro, Tel.. 0055-21-25076704, norbert.suchanek@online.de Reinhard Behrend, Tel.: 040 - 410 38 04, info@regenwald.org