Palmöl-Monokulturen können nicht nachhaltig sein

07.11.2009

Kopien auf Deutsch, Englisch, Spanisch, Italienisch oder Indonesisch unter email unsustainablepalmoil@gmail.com
2.11.2009

Offener Brief an RSPO und WWF
Palmöl-Monokulturen können nicht nachhaltig sein

Vor einem Jahr haben weltweit mehr als 250 Organisationen die „Internationale Erklärung gegen das „Grünwaschen“ von Palmöl durch RSPO“ unterschrieben – den „Runden Tisch für nachhaltiges Palmöl“ (siehe http://www.regenwald.org/news.php?id=1325). Dennoch zertifizierte RSPO Palmöl von Firmen, welche die Rechte lokaler Bevölkerungen verletzen, Regenwälder und natürliche Torfmoore zerstören sowie anderer Missbrauch der Menschen, der Umwelt und des Klimas. Noch schlimmer ist, dass die Palmöllieferanten „einstweilige“ RSPO -Zertifizierungen erhalten, die ausschließlich auf Selbstbewertungen basieren. Zerstörerische Palmölplantagen wurden bereits in Malaysia, Indonesien und Papua Neuguinea zertifiziert und dasselbe „Grünwaschprogramm“ hat bereits in Kolumbien, Thailand und Ghana begonnen. Wir sind sehr beunruhigt, dass RSPO-Zertifizierungen benutzt werden, um die wachsende Nachfrage nach Palmöl und damit nach neuen Ölpalmplantagen zu rechtfertigen, und um die katastrophalen sozialen und ökologischen Auswirkungen der Palmölindustrie „grünzuwaschen“.
Die RSPO-Standards schließen keine Naturwaldrodungen, Zerstörungen wichtiger Ökosysteme oder Pflanzungen in Torfmooren aus. Die RSPO zertifizierten Plantagen gefährden somit die Existenz der ansässigen Bevölkerung und ihres Lebensraums. Die Probleme werden durch Interessenskonflikte im System noch verstärkt. So beauftragt eine Firma, die zertifiziert werden will, selbst das Unternehmen, das die Prüfung durchführt.
Des Weiteren sind wir über die Rolle des WWF beunruhigt, der RSPO unterstützt und das Siegel benutzt, um die wachsende Nachfrage an Palmöl zu fördern. Der WWF veranlasste die Gründung des RSPO, betreibt weltweite Lobbyarbeit dafür und verbindet dies mit der Unterstützung der Agrospritindustrie einschließlich aus Palmöl. Die Beteiligung des WWF wird von den Agrospritfirmen benutzt, um den Bau von mehr Raffinerien und Palmölkraftwerken in Europa zu rechtfertigen. Das vom WWF unterstützte Versprechen von „nachhaltigem Palmöl“ war einer der wesentlichen Faktoren hinter der Entscheidung der EU, das Ziel von 10% Agrosprit bis 2020 weiter zu verfolgen RSPO wird dazu benutzt, um Palmöl für EU-Agrosprit-Subventionen und andere Hilfen zu qualifizieren. Dies fördert die rücksichtslose Ölpalmausbreitung in immer mehr Ländern wie zum Beispiel Mexico, Guatemala, Kamerun, DR Kongo, Republik Kongo, Uganda und Tansania an.
Mit 1,6 Millionen Tonnen pro Jahr ist Unilever der größte Palmöl-Konsument der Welt, und die Firma benutzt RSPO–Zertifizierungen als Aushängeschild, um sich selbst als eine „verantwortliche Firma“ darzustellen. Die realen Auswirkungen von Palmöl werden dabei ignoriert. Wilmar International hat RSPO -Zertifizierungen in Indonesien beantragt, obwohl Beweise für die Beteiligung an illegalen Landnahmen, das Legen von Bränden und die Zerstörung von Regenwald und Torfmooren dazu geführt haben, dass die Weltbank ihre Finanzierung von Palmöl unterbrochen hat. Diese schwer erkämpfte Aufhebung ist nun in Gefahr verloren zu gehen aufgrund der falschen Versprechungen von RSPO. Der kolumbianischen Palmölfirma Daabon, ein RSPO-Mitglied, ist es gelungen, in den europäischen Medien als eine „verantwortliche“ Firma dargestellt zu werden, obwohl sie illegal Kleinbauern von ihrem eigenen Land vertreibt, rodet und das Karibische Meer mit Palmölhavarien verseucht. In Südostasien wurden IOI-Plantagen zertifiziert, obwohl die Firma für die illegale Zerstörung von Regenwäldern, Torfmooren sowie der Lebensgrundlagen der lokalen Bevölkerung in Kalimantan verantwortlich ist. Ihr Kunde Neste Oil hat auf dieser Basis eine einstweilige RSPO -Zertifizierung erhalten und benutzt diese, um Agrosprit für den Flugzeugverkehr zu fördern und gleichzeitig die weltweit größte Palmölraffinerie für Agrosprit zu bauen. Palmölmonokulturen für die Nahrungsmittelproduktion, Kosmetik- und Chemieindustrie als auch Agrosprit sind eine Hauptursache für Abholzung und Klimawandel; sie zerstören die Lebensgrundlagen von Millionen von Kleinbauern, von Ureinwohnern wie auch von anderen Gemeinschaften. Diese Produktionsarten benötigen Chemikalien, die Arbeiter, Dörfer, Böden, Wasser, Fauna und Flora vergiften. Palmölmonokulturen sind nicht und werden nie nachhaltig sein, und „Zertifizierungen“ werden nur als ein Mittel benutzt, um diese schädliche Industrie aufrecht zu erhalten undauszudehnen. Wir wiederholen deshalb den Aufruf der Internationalen Deklaration vom letzten Jahr und fordern:

+ dass alle Agrospritziele, Subventionen und Anreize, insbesondere in Europa und in den USA, gestoppt werden;
+ bedeutende Absenkung der Nachfrage für Pflanzenöl und Pflanzenenergie im Norden;
+ die Annullierung der Handelsbeziehungen zwischen palmölbeziehenden Firmen und Lieferanten, die Regenwälder und Torfmoore zerstören oder Menschenrechte missachten;
+ Landreformen, um der lokalen Bevölkerung Gebiete zurückzugeben, um die Nahrungssouveränität zu garantieren, und um die Vielfalt von Ökosystemen und Agrarsysteme wiederherzustellen;
+ die Lösung der Landkonflikte, der Schutz der Menschenrechte, die Reparatur der Schäden;
+ die so weit wie mögliche Wiederherstellung aller Torfmoore, die für Palmölplantagen entwässert wurden, um die Erderwärmung zu mäßigen. NGOs sollten auf keinen Fall RSPO Legitimität geben und der WWF sollte aufhören, die RSPO-Unterstützung für Agrosprit zu fördern.
Regierungen in Europa und den USA sollten ihre Nachfrage nach Palmöl reduzieren durch die Abschaffung des künstlichen Agrospritmarkts, den sie gegründet haben, und den Agrospritverbrauch,
BEMERKUNGEN: Der Runde Tisch für umweltverträgliches Palmöl (RSPO) ist eine private Organisation und ein „Interessenvertreter-Forum“, das ein „unabhängiges Label für „nachhaltige“ Zertifizierung von Palmöl gegründet hat. Unter den RSPO-Mitgliedern sind 80 Ölpalmplantagenfirmen und Vereinigungen, 8 Banken und Finanzinstitutionen, 51 Industriekonzerne, 23 Einzelhändler, 118 Verarbeiter und Händler und 21 NGOs.

Unterschriften:
Acción Ecológica – Ecuador Action Populaire Contre la Mondialisation, Geneva, Switzerland
Afosci, Paraguay
Agencia de los Pueblos En Pie, Ecuador Alert aginst the Green Desert Network, Brazil Alotau Environment Ltd, Papua New Guinea
Amigos de la Tierra Buenos Aires, Argentina A SEED Europe, Netherlands ASOCIACION DE SOLIDARIDAD CON COLOMBIA "ASOC-KATÍO", Spain
ASOCONSUMO, Colombia Asolatino Berna, Swiss Attac, Spain BI "Kein Strom aus Palmöl !" - Germany
Biofuelwatch, UK
Bismarck Ramu Group - Madang, Papua New Guinea
Centre for Orangutan Protection, Indonesia
CETRI - Centro tricontinental, Belgica Centro de Acogida para imigrantes y de Promocion Cultural "E. Balducci", Italia Centro de Documentación en Derechos Humanos “Segundo Montes Mozo S. J.” (CSMM), Equador
CENTRO DE MUJERES " AMELIA BRUHN", CHILE Centro Ecologista Renacer, Argentina Climat et Justice Sociale, Genève CODDEFFAGOLF, Honduras
COECOCEIBA-AT Costa Rica
Colectivo de Colombianos Refugiados en Asturias, Spain
Colectivo Rosa Luxemburgo, Chiapas, México
Colectivo Sur Cacarica, Spain Comité Cerezo, México
COMITÉ OSCAR ROMERO DE MADRID, Spain
Comité Oscar Romero de Vigo, Spain
Comunidad cristiana Mártires de Uganda, Spain
Cooperativa de Artesanas Jolom Mayaetik, Chiapas, México
Coordinadora Nacional de Organizaciones Campesinas (CNOC), Guatemala
Corporate Europe Observatory, Bruselas, Bélgica
Ecological Society of the Philippines Ecoportal.Net, Argentina
Envirocare, Tanzania
FASE /Espirito Santo, Brazil Federación de Comités de Solidaridad con África Negra, Spain
FEDICAMP – Esteli, Nicaragua
FOBOMADE Bolivia Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile-Lateinamerika e.V.
FDCL, Germany
Freunde der Naturvölker e.V./FdN (fPcN), Germany
Grupo de Trabajo Suiza Colombia, Basilea/Berna Guildford and Waverley
Friends of the Earth Group, England
Kinal Antsetik, A. C., Chiapas, México
KoBra, Germany
Labour, Health and Human Rights DEvelopment Centre, Nigeria
Latin American Network against Monoculture Tree Plantations RECOMA Maderas del Pueblo del Sureste, Chiapas, Mexico
Mangrove Action Project MAP, USA
Munlochy Vigil, Scotland Nacional de Organizaciones Campesinas CNOC, Guatemala
Network for ecofarming in Africa NECOFA, Kenya
Network of Alternatives against Impunity and Market Globalisation, International
Nordin, Save Our Borneo, Indonesia
NORTH EAST PEOPLES ALLINACE, NORTH EAST INDIA
Observatorio Latinoamericano de Conflictos Ambientales, Chile
Osservatorio Informativo sulla Americhe, Italy Otros Mundos, Mexico Plataforma de Solidaridad con Chiapas de Madrid, Spain
Programa de Defensa de Derechos Indígenas - Perú REDES – FOE, Uruguay
Regenwald-Institut e.V., Germany
Robin Wood, Germany
Salva la Selva/Rettet den Regenwald, Germany
SAVIA, Guatemala
SECRETARIADO DE CENTROAMERICA, Central America, Office in Switzerland
Sobrevivencia, Amigos de la Tierra Paraguay
Sociedad Colombiana de Automovilistas, Colombia
Socio-Ecológica LaFuerza, Guatemala
SPI (Indonesian Peasant Union), Indonesia
Toxicsoy.org, Netherlands
Programa Universitario México
Nación Multicultural PUMC-UNAM of Oaxaca, México
Union paysanne du Québec, Canadá
Watch Indonesia!, Germany
World Rainforest Movement, Uruguay
XXI Solidario, Spain
Youth, governance and evironmental programme Y-GEP, Kenya
Private Personen: François Houtart, Prof. emeritus of the Catholic University of Louvain, UNESCO prize 2009, Belgium
Elvira Lussana, Prof. Faculty of Economics University of Perugia-Italy Monique Munting, Belgium