In Liberia bleiben die Küchen kalt – mit „Unterstützung“ aus Berlin

02.06.2010

Pressemitteilung des Vereins Rettet den Regenwald In Liberia bleiben die Küchen kalt – mit „Unterstützung“ aus Berlin Berlins regierender Bürgermeister Wowereit besichtigt heute zwischen 15.00 bis 17.00 Uhr den Neubau des Holzkraftwerks von Vattenfall an der Rummelsburger Bucht in Lichtenberg, in dem der Energiekonzern das in Afrika dringend benötigte Brennholz verheizen will. Der schwedische Energiekonzern Vattenfall und die Senatsregierung von Berlin befinden sich mit der Energieversorgung der Hauptstadt buchstäblich auf dem Holzweg. Mit Holz soll nämlich Europas größtes Biomasseheizkraftwerk in Berlin Lichtenberg betrieben werden, genauso wie die Anlage im Märkischen Viertel in Reinickendorf. Auch in den bestehenden Kraftwerken Reuter West und Moabit soll Holz als Beifeuerung dienen. Auf diese Marschroute haben sich der regierende Bürgermeister Wowereit und Umweltsenatorin Lompscher in einer „Klimaschutzvereinbarung zwischen dem Land Berlin und Vattenfall“ 1 bis 2020 festgelegt. Eine Million Tonnen Holz pro Jahr benötigt Vattenfall dafür nach eigenen Angaben. Da sich diese Holzmenge entgegen vorheriger Behauptungen nicht aus dem Umkreis Berlins beschaffen lässt, greift Vattenfall nach Afrika. Eine Million Tonnen Gummibaum-Holzschnitzel will Vattenfall in den kommenden Jahren aus Liberia importieren. Die niederländische Firma Buchanan Renewable Energy (BRE) schlägt in dem westafrikanischen Land die Bäume ein und transportiert sie zur Verschiffung an die Küste. „Die in Liberia wachsenden Gummibaum-Plantagen sind als Folge zerstörten Regenwaldes entstanden“, erklärt Reinhard Behrend, Vereinsvorsitzender von Rettet den Regenwald. „Und jetzt verlieren die Menschen auch noch das dringend benötigte Feuerholz. Das bedeutet: Damit Vattenfall und die Stadt Berlin ihre CO2-Bilanzen drastisch schönen können, bleiben in Liberia nun auch noch die Küchen kalt.“ Denn die Menschen kochen dort mit Holzkohle vom Gummibaum. Bereits jetzt haben die Holzkäufe und Exporte von BRE zu schwerwiegenden wirtschaftlichen Auswirkungen in den Städten des Landes geführt, die auf die Holzkohle angewiesen sind. Die Holzkohlepreise haben sich verdoppelt. Dadurch nimmt der Druck auf die Regenwälder in Liberia weiter zu - zur Suche von Feuerholz und zu deren Umwandlung in Gummibaumplantagen. Auf den bestehenden Plantagen herrschenden katastrophalen Zustände, darunter verbreitete Kinderarbeit. Die Vereinten Nationen attestierten sogar „sklavenartige Arbeitsbedingungen“, „Gesetzlosigkeit“ und schwere Umweltverschmutzung 2). Währenddessen kommt der Bau eines 36 MW Elektrizitätskraftwerks in der Hauptstadt Monrovia seit einem Jahr nicht voran. Buchanan Renewable (BR), ein weiterer Unternehmenszweig der Niederländer, sollte im Auftrag der Regierung die katastrophale Stromversorgung in Monrovia verbessern. Auch dieses Kraftwerk soll mit den Holzchips betrieben werden. Es steht zu befürchten, dass es für BR wesentlich attraktiver ist, die Holzchips an Vattenfall zu verkaufen, als sie lokal für die Stromerzeugung in Monrovia zu nutzen. Liberia ist eines der ärmsten Länder der Erde. Erst jetzt lassen der Berliner Senat und Vattenfall Kriterien untersuchen, ob und wie die benötigte Biomasse „nachhaltig“ erzeugt werden kann 3. Generell ist es fraglich, ob Nachhaltigkeitskriterien in einem Land wie Liberia anwendbar sind. Viele wichtige Faktoren wie indirekte Landnutzungsänderungen, d.h. die Verdrängung bestehender Aktivitäten, und der Einfluß auf die Nahrungsmittelpreise, sind damit überhaupt nicht zu beherrschen. Auch ist der weite Transport des Gummibaumholzes – vom Landesinneren Liberias zum Hafen an der Küste und dann über 5 500 Kilometer von Liberia nach Berlin – für Klima und Ökologie sehr schädlich. Und Gummibaumholz ist keinesfalls ein nutzloses Abfallprodukt, wie Vattenfall und BRE behaupten. Das Holz wird seit Jahren für die Fertigung von Küchenutensilien, Spielzeug und Möbeln genutzt und in dieser Form in großen Mengen nach Deutschland importiert. Rettet den Regenwald fordert deshalb vom Berliner Bürgermeister Wowereit, die Planungs- und Genehmigungsverfahren zum Bau von Biomasseheizkraftwerken in Berlin sofort zu stoppen einschließlich aller Pläne zum Import von Biomasse zur energetischen Nutzung. Weitere Informationen: Reinhard Behrend, Vereinsvorsitzender von Rettet den Regenwald e.V., Tel. 040-410 38 04, info@regenwald.org http://www.regenwald.org Foto unter: http://regenwald.org/service/brennholz.jpg © Rettet den Regenwald /Cordula Kropke. Abdruck frei.