Ecuador: Sarayaku werden an der Anhörung vor dem Interamerikanischen Gerichtshof teilnehmen

01.07.2011

„Wir möchten keine Ölförderung mehr in unserem Territorium. Überall dort, wo seismische Forschung betrieben wurde, gibt es heute keine Pflanzen und Tiere mehr. Mein Volk kämpft für seine Würde, für die Wiedergutmachung der entstandenen Schäden und die Entfernung der Sprengkörper aus unserem Territorium. Wir hoffen auf diesem Weg Gerechtigkeit zu erlangen, damit so etwas nie wieder passiert.“, José Gualinga, Präsident des Kichwa-Volkes aus Sarayaku (ecuadorianisches Amazonasgebiet).

Nach 8 Jahren des Kampfes wird der Fall Sarayaku mit der Anhörung vor dem internationalen Gerichtshof für Menschenrechte, die am 6. und 7. Juli 2011 in San José, Costa Rica stattfinden wird, seine Endphase erreichen. Eine Abordnung von Anführern und Zeugen aus der Gemeinde Sarayaku werden an der Anhörung teilnehmen und von den Anwälten Mario Melo der Fundación Pachamama sowie Viviana Kriticevic und Ariela Peralta des Center for Justice and International Law (CEJIL ) unterstützt.

„Am Anfang verstanden wir nicht was passierte, es war wie ein Albtraum: plötzlich waren das Militär und die Ölfirma da. Wir dachten immer dass unsere Territorium und unsere Autonomie respektiert würden. Doch die Ölfirma sorgte für Panik, brachte Familien auseinander und schuf Gewalt. Die Auswirkungen sind bis heute spürbar und es wird auch in Zukunft schwierig für uns sein diese Erlebnisse aus unserer Erinnerung zu löschen.“, erzählt José Gualinga über die schwierige Zeit, die sein Volk zwischen 2002 und 2003 durchleben musste, als der argentinische Ölkonzern CGC mit Militärschutz in das Sarayaku- Territorium eindrang, um dort ohne Rücksprache und Einwilligung der Gemeinde Sarayaku seismische Forschungen durchzuführen.

Die Anhörung ist sehr wichtig für die Gemeinde Sarayaku, denn es ist die einzige Chance um das Plädoyer in Form von Zeugenberichten und Gutachten vor dem Gerichtshof vorzubringen, um die Verstöße gegen die internationalen Menschenrechte aufzuzeigen, unter denen das Volk der Sarayaku während den Ölförderungen im Block 23 zu leiden hatte.

Im Laufe der Anhörung werden vier mutmaßliche Opfer, zwei vom Staat vorgeschlagene Zeugen und zwei Gutachtern, unter ihnen James Anaya, Sonderberichterstatter der UNO über die rechte indigener Völker, vor dem Gerichtshof aussagen. Die Anhörung ist öffentlich und wird im Internet auf der Webpage www.corteidh.or.cr live übertragen (am 6. Juli ab 15:00 Uhr und am 7. Juli ab 9:00 Uhr, jeweils Ortszeit - 6. Juli ab 23:00 und 7. Juli ab 17:00 deutscher Zeit).

„Wir haben viel Solidarität und Unterstützung durch andere Völker erfahren. Viele haben uns gebeten unsere Erfahrungen mit der Klage und den Kampf für die Anerkennung  unserer Rechte mit ihnen zu teilen.“, verkündet der Präsident von Sarayaku.

Momentan hat die ecuadorianische Regierung bekannt gegeben, dass eine neue Verhandlungsrunde mit den Ölgesellschaften einberufen wird. Hierbei werden 12 Blöcke mitwirken, die auf mehr als 2 Millionen Hektar verteilt sind und ungefähr 95% der Territorienfläche von fünf indigenen Nationalitäten betreffen, welche alle in der gleiche Region liegen, in der sich auch Sarayaku befindet.

Mario Mela, Anwalt von Sarayaku, deutete an „Ein Urteil zugunsten des Volkes von Sarayaku würde einen wichtigen juristischern Präzedenzfall für ganz Amerika darstellen und Staaten in die Verantwortung ziehen das Mitspracherecht und die Einwilligung der indigenen Völker anzuerkennen, wenn deren Leben und Kultur durch „Entwicklungsprojekten“ in ihren Territorien beeinträchtigt werden“.

Verfasserin: Kristina Osen (Freiwillige in Sarayaku)

(Quelle: OroVerde)

 

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