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Ein junges Mädchen riecht in der Hand einer indigenen Frau die ätherischen Öle
Die wohlriechenden Pflanzenessenzen erfreuen groß und klein (© Gabriela Vivacqua)
Zwei Männer sprechen über auf einem Tisch ausgebreitete kleine Fläschen mit ätherischen Ölen
Die im Kurs gewonnen Pflanzenessenzen wurden in Fläschen abgefüllt (© Gabriela Vivacqua)

"Haus der Essenzen": Traditionelle Medizin der indigenen Tukano

Das Ziel des mit den Tukano und der Partnerorganisation Instituto Nova Era vereinbarten Projektes ist es, das altüberlieferte Wissen über Medizinalpflanzen der Gemeinschaften im indigenen Land Balaio im brasilianischen Amazonasregenwald, deren Kultur und Spiritualität zu erhalten und zu stärken.

Projektübersicht

ProjektthemaMenschen

Projektziel Die Kenntnisse der Tukano bewahren und Zusatzeinkommen schaffen

Aktivitäten Ausbildung in der Produktion von Pflanzenessenzen und Anlage Medizinalgärten


"Diese Arbeit ist sehr gut, sie muss weitergehen. Ich bin sehr glücklich, dass dies heute hier passiert", sagt die junge Frau Marinilce im indigenen Land Balaio. Zusammen mit anderen dreißig Indigenen - Kinder, Jugendliche, alte Menschen, Frauen und Männer, nimmt sie an einer praktischen Ausbildung teil, die unser Partner Instituto Nova Era mit Finanzierung von Rettet den Regenwald organisiert hat und nun vor Ort durchführt.

Dazu wurde ein blitzblanker Destillationsapparat aus Edelstahl zusammen mit vielen weiteren Gerätschaften erworben und in das entlegene Regenwaldgebiet geschafft. Dort wurden die Apparate der indigenen Gemeinschaft formal übergeben und mit dem Ausbildungskurs in Betrieb genommen:

"Ich bin auf Bitte des Führers Alvaro Tukano und des Instituto Nova Era mit meinem Kollegen Diego hier", erklärt Carlos Roberto Gallo vor der versammelten Gruppe.

Drei Personen bearbeiten auf einer Plane am Boden ausgebreitetes Pflanzenmaterial, im Hintergrund stehen zwei Männer neben einem Dampfdestillationsgerät
Die Tukano bereiten das im Regenwald gesammelte Pflanzenmaterial auf (© Gabriela Vivacqua)
Mehrere Personen schütten Pflanzenmaterial aus einem Korb aus
Das aufbereitete Pflanzenmaterial wird in das Dampfextraktionsgerät gegeben (© Gabriela Vivacqua)

Unter seiner Anleitung stopft die Menschen Blätter und anderes Pflanzenmaterial wie Baumrinde und Samen, die sie vorher im Wald gesammelt und aufbereitet haben, in einen Dampfkessel.

"Ich mache das aus meiner tiefen Liebe zur traditionellen Medizin der indigenen Völker. Ich lehre die Menschen, Medizin herzustellen. Wir wissen, dass ihr ein großes Wissen und eine enorme Stärke habt", sagt Carlos.

Mit Enthusiasmus verriegeln die Leute die Verschlüsse und beginnen den Kessel zu beheizen. Dann extrahiert und destilliert die Gruppe mit Wasserdampf und Druck Essenzen und Öle aus den Pflanzen. Am Ende streichen sich alle einige Tropfen der gewonnenen Pflanzenöle und Essenzen auf die Hände und riechen daran zufrieden.

Teilnehmer der Ausbildung hantieren an den Gerätschaften während andere gespannt zuschauen
An der Ausbildung haben alle Altersklassen mit großem Interesse teilgenommen (© Gabriela Vivacqua)

Ich hätte nie gedacht, dass eines Tages jemand kommen und uns das beibringen würde. Ich wusste immer, dass diese Pflanzen Öl haben, weil ich es an anderen Orten gesehen habe. Aber ich wusste nicht, wie man es extrahiert. Heute haben wir das gelernt, fährt die junge Frau Marinilce fort.

Eine indigene Frau riecht neben einem Dampfdestillationsgerät ätherische Öle, die ihr der Ausbilder auf die Hand getröpfelt hat
Die destillierten Essenzen überraschen mit ihrem Geruch (© Gabriela Vivacqua)

Weiterhin haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eigenständig eine eigene Produktmarke der Gemeinschaft entwickelt. Deren visuelles Erscheinungsbild haben sie an dem traditionellen Wissen und dem Territorium orientiert. Mit Unterstützung des INE wurden Etiketten, Produktbeschreibungen und die Positionierung als traditionelles indigenes Produkt gestaltet, wodurch die kulturelle Identität und der Mehrwert gestärkt wurden. Mit Erfolg: Der Verkauf erster Proben brauchte bereits einen Umsatz von umgerechnet gut 800 Euro ein.

Eine indigene Frau im Regenwald präsentiert einen Korb voller kleiner Fläschen mit ätherischen Ölen
Erste Proben der Essenzen wurden bereits lokal verkauft (© Gabriela Vivacqua)

Zur Anlage von Gärten mit Medizinalpflanzen wurden bereits Saatbeete angelegt und Stecklinge gepflanzt. So sind Medizinalpflanzen immer schneller zur Hand und das Wissen kann leichter an die Jugendlichen vermittel werden.

Zum indigenen Territorium Balaio

In dem indigenen Territorium Balaio (2.570 km2) im Norden des brasilianischen Bundesstaates Amazonas leben einige Hundert Menschen mehrerer indigener Gemeinschaften, darunter die Tukano. Den Regenwald durchziehen bis über 1.000 Meter hohe Bergzüge und Tafelberge, die sich durch eine enorme und wissenschaftlich kaum erforschte Artenvielfalt auszeichnen.

Der Transport und die Versorgung der Einwohner in dem abgelegenen Gebiet nahe der Grenze zu Venezuela sind ein großes Problem. Bis zum nächsten größeren Ort São Gabriel da Cachoeira am Rio Negro sind es 100 km über eine unbefestigte Piste voller Schlamm, die meist kaum befahrbar ist.

Die Pflanzenessenzen sind für die Einwohner ein ideales Produkt, um ein kleines Einkommen zu erwirtschaften: Die Pflanzenblätter können sie im Regenwald sammeln und in den Gärten mit Medizinalpflanzen anbauen, die abgefüllten Essenzen sind lange haltbar und können aufgrund ihrer geringen Formats und Gewichts leicht transportiert werden.

Die Ausbildung hat unser Partner Instituto Nova Era per Video dokumentiert:

Originalton mit englischen Untertiteln (Bilder Gabriela Vivacqua – @gabrielavivacqua und Edition Matheus Vieira)

Originalton mit portugiesischen Untertiteln (Bilder Gabriela Vivacqua – @gabrielavivacqua und Edition Matheus Vieira)




 

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