Naturschutz und Menschenrechte in Einklang bringen
In den Regenwäldern des Kongo-Beckens entscheidet sich, ob die Bewahrung von Artenvielfalt und Klima gelingt. Die Organisation CAD hilft, Naturschutz in den Gemeinden zu verwurzeln.
Projektübersicht
ProjektthemaMenschen
Projektziel Wälder in der Republik Kongo bewahren
Aktivitäten Die örtliche Bevölkerung stärken, damit ihre Menschenrechte respektiert werden
Die Liste liest sich wie das Who-is-who bedrohter Tiere: Gorillas, Schimpansen, Waldelefanten. Ungezählte Spezies von Säugetieren, Vögeln und Insekten sind daheim in unterschiedlichsten Regenwäldern, in Torfwäldern, Savannen und Mangroven – die Republik Kongo ist mit einer so vielfältigen Natur gesegnet wie wenige Länder.
Streng geschützte Nationalparks sollen garantieren, dass das so bleibt. Doch ganz so einfach ist es nicht: die Regenwälder sind Heimat tausender Menschen, darunter viele Indigene. Schutzgebiete müssen daher unbedingt die Rechte der Bevölkerung berücksichtigen, wenn sie überzeugen wollen.
Unser Partner CAD bringt Naturschutz und Menschenrechte in Einklang
In den Nationalparks Ntokou-Pikounda (NPNP) und Odzala-Kokoua-Lossi ist das leider nicht der Fall, beklagten Aktivisten des Centre d´actions pour le développement – Aktionszentrum für Entwicklung, abgekürzt CAD.
Die erst vor wenigen Jahren gegründete Organisation CAD mit Sitz in Brazzaville bekämpft Korruption und Umweltverbrechen, deckt mit umfangreichen Recherchen Menschenrechtsverletzungen auf und unterstützt indigene Gemeinschaften dabei, ihre Rechte wahrzunehmen.
Menschenrechte werden bei Naturschutzmaßnahmen noch immer unzureichend berücksichtigt“, sagt CAD-Direktor Trésor Chardon Nzila Kendet.
So führe die vorgebliche Bekämpfung von Wilderei oft zu Schikanen, willkürlichen Festnahmen und Gewalt. Auch, weil viele Ranger schlecht ausgebildet seien. Statt Akzeptanz für den Schutz der Natur zu wecken, verbreiten sie unter den Menschen Angst.
CAD ist zwar klein, legt sich trotzdem mit den Großen an. So haben Recherchen unserer Partner über Gewalt im Nationalpark Ntokou Pikounda (NPNP) den mächtigen WWF in Bedrängnis gebracht. Der WWF managt das Schutzgebiet. Es erstreckt sich auf 4.572 Quadratkilometern über Wälder und Sümpfe, die zum größten Torfmoorkomplex der Erde gehören. Große Mengen Kohlenstoff sind dort gespeichert; der Wert für die Bewahrung des Klimas ist kaum zu überschätzen.
„Wenn das Glück der einen anderen Elend aufbürdet“
Im März 2023 warf CAD Park-Rangern des Nationalparks Ntokou Pikounda im Bericht „Quand le bonheur des uns impose la misère aux autres“ Menschenrechtsverletzungen vor. Es ging um physische Gewalt und die Vernichtung der Lebensgrundlagen, etwa von Kleinbauern. Ranger räumten demnach gewaltsam Fischerlager, plünderten sie und brannten sie nieder.
WWF ließ die Vorwürfe untersuchen, räumte viele als zutreffend ein, wies andere zurück und gelobte, zukünftig mehr Rücksicht auf die Bevölkerung zu nehmen.
Missstände im Nationalpark Odzala-Kokoua
Im Nationalpark Odzala-Kokoua geht es der örtlichen Bevölkerung ähnlich. Der Park ist die Heimat von Westlichen Flachlandgorillas und gilt als Rückgrat der Waldelefanten-Population Zentralafrikas. Berühmt sind die 130 sumpfigen Waldlichtungen, deren Nährstoffreichtum viele Tiergruppen anlockt. Augenscheinlich ein Paradies.
Doch 2023 erhoben die Organisation Survival International und die indigene Bevölkerung schwere Vorwürfe: Park-Ranger sollen Einheimische systematisch geschlagen, gefoltert und vergewaltigt haben, wenn diese die Wälder zum Jagen, Fischen oder Sammeln betraten.
CAD hatte bereits jahrelang Alarm geschlagen, die Warnungen wurden allerdings nicht gehört.
In Odzala-Kokoua trägt die Firma African Parks gemeinsam mit der Regierung die Verantwortung. Eine Londoner Anwaltskanzlei untersuchte die Vorwürfe. CAD steuerte Informationen wie Zeugenaussagen der Betroffenen bei. Schließlich räumte African Parks Menschenrechtsverletzungen ein und versprach Verbesserungen: gegen beschuldigte Mitarbeiter würden rechtliche und disziplinarische Schritte eingeleitet, ein unabhängiges Beschwerdegremium werde eingerichtet, die Beziehungen zu den Einheimischen sollen verbessert werden.
CAD fordert: Nationalparks müssen Menschenrechte achten
Jetzt geht es CAD darum, dass die Eingeständnisse und Ankündigungen für die Bevölkerung tatsächlich Verbesserungen bringen. Hier setzt unsere Zusammenarbeit an: CAD-Mitarbeiter reisen mehrfach in die Gemeinden, klären die Menschen in Versammlungen über ihre Rechte und die Zusagen von African Parks auf, um „gerechte Entschädigung zu gewährleisten, die die verschiedenen Aspekte des Gemeinschaftslebens abdeckt.“ Zudem will CAD ein Auge darauf haben, dass die Ranger besser geschult werden - und in Zukunft keine Menschenrechtsverletzungen mehr begehen.
CAD würdigt die guten Absichten von African Parks und erwartet konkrete Maßnahmen, um sicherzustellen, dass die Opfer eine echte Wiedergutmachung sowie Schutzmaßnahmen erhalten, damit diese Missbräuche nicht mehr auftreten.“
Kampagne gegen Öl-Projekte
Kennengelernt haben wir CAD in einem anderen Zusammenhang: Die Regierung in Brazzaville hat im Conkouati-Douli Nationalpark die Genehmigung für die Suche nach Erdöl erteilt. Kongolesische und internationale Organisationen, darunter Rettet den Regenwald, stellen sich dagegen; eine tragende Rolle spielt dabei unser Partner CAD.
Im Board of Directors sitzt seit 2023 der britische Prinz Harry, nachdem er ab 2017 Präsident der Organisation war, die 22 weiteren Schutzgebieten in 13 afrikanischen Ländern verwaltet.
Brisant: einen großen Teil des Parkbudgets bestreiten neben der EU das deutsche Bundesentwicklungsministerium über den Legacy Landscapes Fund (LLF). Im Dezember 2025 wurde die Förderung trotz der Vorwürfe verlängert, allerdings mit Auflagen.
Es handelt sich dabei um die Kanzlei Omnia Strategies von Cherie Blair, der Frau des britischen Ex-Regierungschefs Tony Blair.
Den Untersuchungsbericht von Omnia hält African Parks geheim.