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Regenwald zu kaufen

Ein kanadischer Konzern möchte den Bergregenwald abholzen, die Bewohner umsiedeln und im Tagebau Kupfer abbauen. Aber die Bewohner organisieren sich – mithilfe von Rettet den Regenwald

„Lasst euch nicht von den Versprechungen der Bergwerksgesellschaften täuschen und tretet nicht in die Fallen unserer Vorfahren, die Gold gegen Handspiegel tauschten. Die wollen unser Leben für ein paar Arbeitsplätze zerstören“, warnt Auki Tituaña, der indigene Bürgermeister aus Cotacachi Anfang Oktober mehr als 500 versammelte Bauern und Bäuerinnen aus dem gesamten Intag. Die sind aus 22 Dörfern angereist, um gegen die Pläne von Ascendant Exploration zu protestieren. Die Firma will die Bergregenwälder im Intag roden und dort im Tagebau Kupfer und Molybdän abbauen.

Die Protestveranstaltung im Dorf Barcelona hat die lokale Umweltgruppe Decoin organisiert, um die Bewohner in ihrem Kampf gegen das Bergwerksprojekt zu unterstützen. Nach den Plänen von Ascendant Exploration sollen neben Barcelona auch die Dörfer Junín, Cerro Pelado und El Triunfo einschließlich der umgebenden Bergregenwälder dem Erdboden gleichgemacht und die Bevölkerung umgesiedelt werden, um Platz für den Kupferabbau zu schaffen.

Börsengang soll neues Kapital bringen

Etwa zur gleichen Zeit gibt Ascendant Exploration bekannt, das Kupfervorkommen in Junin in eine neu zu gründende Ascendant Copper Corporation ausgliedern zu wollen. Danach soll diese Anfang kommenden Jahres an einer großen internationalen Börse platziert werden, wahrscheinlich in der kanadischen Wirtschaftmetropole Toronto. Auf diese Weise will der Konzern neues Kapital für das Projekt erhalten. Die Firma und deren Kapitaleigner haben allen Grund, sich Sorgen um ihr bisher investiertes Geld zu machen. In den Bergregenwäldern über dem Kupfervorkommen ist nicht ein einziger Spatenstich gefallen. Trotzdem wird der Konzern nicht müde zu behaupten, dass die Bevölkerung im Intag für den Bergbau ist. Doch die Realität ist eine andere.

Die Mehrheit der Bevölkerung lehnt das Projekt entschieden ab und ist fest entschlossen, den Bergwerkskonzern nicht in ihr Gebiet zu lassen. Die Proteste dokumentieren überall in der Gegend die großen Holzschilder entlang der Straßen. „Wir erlauben keinen Bergbau. Die Vielfalt ist unser Reichtum. Wir kämpfen für das Leben“ steht darauf unmissverständlich zu lesen. Im Jahr 2000 erklärte sich Cotacachi zum ökologischen Landkreis, dem ersten in Südamerika. Bergbau- und andere Umwelt schädigende Aktivitäten wurden verboten. Der Kampf gegen den Bergbau im Intag ist immer mehr zu einer sozialen und politischen Bewegung geworden. Bei den Kommunalwahlen im Oktober haben die erklärten Bergwerksgegner der Indigenenpartei Pachakutik vier von fünf Gemeindebezirken im Intag gewonnen, und der Bürgermeister Auki Tituaña ist zum dritten Mal wieder gewählt worden. „Wir haben bewiesen, dass wir die Mehrheit sind. Wir haben uns als Kandidaten aufstellen lassen und mühelos die meisten Stimmen erhalten“, erklärt Marcia Ramirez stolz. Die junge Frau aus Junin wurde in den Gemeinderat gewählt.

Bevölkerung soll mundtot gemacht werden

Die Menschen haben in dem jahrelangen Kampf Selbstvertrauen gewonnen. Das brauchen sie auch, denn Ascendant Exploration versucht das Projekt mit allen Mitteln durchzusetzen. „Heute wagen wir zu sagen was wir denken. Keiner kann uns täuschen und wir wissen, wie wir uns verteidigen müssen“, sagt Edmundo Lucero. Er gehört der Ökotourismusgruppe von Junin an.

Im August versucht die Firma noch, die Zustimmung der Bevölkerung über das Angebot der Instandsetzung der Straßen zu ködern. Doch die Einwohner lehnen ab, und die Firma muss ihre Baumaschinen wieder abziehen. Im September rücken auf dem Grundstück der Bäuerin Hortensia Yepez Arbeiter von Ascendant Exploration an und beginnen mit Vermessungsarbeiten für eine Strasse. Allein mit einer Machete in der Hand und Beschimpfungen vertreibt die Frau die Arbeiter von ihrem Grundstück. Wenige Tage später dringen Arbeiter des Bergbaukonzerns in den Gemeindewald von Junin ein und beginnen die Vegetation zu roden. Sofort wird das Dorf alarmiert und die illegalen Eindringlinge vertrieben.

Doch die Aktionen von Ascendant Exploration werden immer aggressiver. Mit fingierten Anschuldigungen wegen angeblich illegaler Holznutzung hat der Konzern den Bauernführer Polibio Perez angezeigt. Das Umweltministerium hat den Fall untersucht und abgewiesen. Nun wurde er zusammen mit dem Anwalt der Umweltschützer Dr. José Serrano der Verleumdung angeklagt. Angebliches Vergehen: In einem Radiointerview in Quito sollen sie sich negativ über das Bergbauprojekt geäußert haben. Auch die lokale Zeitung, die über das Bergbauprojekt kritisch berichtet hat, versucht der Bergbaukonzern per Gerichtsanzeige zum Schweigen zu bringen.

Die Arbeit der Umweltgruppe Decoin wird versucht per Internetseite in Misskredit zu bringen. Dort steht zu lesen, dass der Intag von einer Gruppe von „Pseudoumweltschützern gekidnapped“ wurde. Die Aktivisten von Decoin sollen danach „Häuser in Quito und neue Autos“ haben. Carlos Zorilla, Gründungsmitglied von Decoin, kann dazu nur den Kopf schütteln. „Die Firma sieht sich einem ständig zunehmenden Widerstand gegenüber. Da versuchen sie ihr Projekt mit allen Mitteln durchzusetzen.“

Morddrohungen gegen Bauernführer

Die gestreuten Gerüchte sollen offensichtlich Verwirrung stiften und den Zusammenhalt der Dorfgemeinschaften brechen. Alirio Ramirez aus dem Dorf Chalguayacu berichtet: „Früher haben wir friedlich zusammengelebt und man konnte sich frei bewegen. Heute ist unser Dorf gespalten, die für den Bergbau sind lassen uns nicht durch ihre Grundstücke passieren und umgekehrt. Der Konzern macht Geschenke und bietet Jobs an. Einige Einwohner wie der Gemeindevorsteher Tarquino Vallejo sind jetzt für den Bergbau, doch die Mehrheit des Dorfes ist weiterhin dagegen.“

Die Umweltschützer haben ihrerseits wegen der zunehmenden Menschenrechtsverletzungen und Todesdrohungen durch Mitarbeiter von Ascendant Exploration beim Generalstaatsanwalt in Quito Anzeige erstattet. So haben Wachleute des Konzerns Schüsse in Richtung auf das Haus von Polibio Perez abgefeuert und ihn und seine Familie mit dem Tode bedroht. Außerdem plant Decoin, eine Klage bei der Menschenrechtskommission der Organisation Amerikanische Staaten einzureichen.

Sperrgrundstücke blockieren Bergbaufirma

Die Bevölkerung im Intag braucht gerade jetzt dringend internationale Unterstützung. Ascendant Exploration hat bereits viel Geld in das Projekt investiert und wird nicht so schnell aufgeben. Die Firma genießt dabei die Unterstützung der Zentralregierung in Quito. Die treibt die Ausbeutung der Ressourcen des Landes durch internationale Konzerne voran, um die Zinsen für die Auslandsschulden des Landes bezahlen zu können.

Zur Durchführung von Prospektionsarbeiten und Bau von Zufahrtspisten versucht der Bergwerkskonzern jetzt Grundstücke von den Bauern im Bereich der Bergwerkskonzession zu kaufen – bisher ohne Erfolg. Bereits seit Jahren unterstützt Rettet den Regenwald mit Spendengeldern den Erwerb von Bergregenwald direkt über den Kupfervorkommen. Sperrgrundstücke blockieren den Zugang zum Kupfervorkommen und verhindern den Beginn von Arbeiten. Bisher wurden etwa 1.500 Hektar Bergregenwald erworben und dem Dorf als Gemeindewald überschrieben, davon 500 Hektar im vergangenen September.

Die Dorfbewohner kontrollieren selbst ihren Wald. Der Gemeindewald ist eine der Attraktionen für das kommunale Ökotourismusprojekt. Fast 500 Vogel- und 45 Säugetierarten kommen in der Gegend vor, mindestens 28 davon sind vom Aussterben bedroht.

Der Kampf geht weiter

Auch die Nachbardörfer sind am Kauf von eigenen Gemeindewäldern im Gebiet des Kupfervorkommens interessiert. In Chalguayacu sind die Bauern dabei, eine Umweltgruppe zu gründen. Direkt angrenzend an den Gemeindewald von Junin wollen sie insgesamt 510 Hektar Bergregenwald kaufen und ein Schutzgebiet gründen. Dass Dorf Barcelona plant 50 Hektar Wald zu erwerben, um dort ein Tourismusprojekt zu betreiben. Dazu werden dringend Spendengelder benötigt.

Spendenkonto

SPARDA-BANK Hamburg

BLZ 206 905 00

Kto. 0000 600 463

Rettet den Regenwald ist als gemeinnützig anerkannt. Spenden sind abzugsfähig.