EU-Mercosur-Freihandelsabkommen - Keine Bürgerbeteiligung und Rechte, dafür Kahlschlag der Wälder

Indigene Frauen in Brasilien protestieren mit einem Banner gegen die Abholzung ihrer Regenwald- und Schutzgebiete © Apib Comunicação - CC BY-SA 2.0

29.10.2021

Ein geplantes Freihandelsabkommen zwischen der EU und den Mercosur-Ländern Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay bedeutet mehr Abholzung, mehr Landraub und noch mehr Pestizide. Zu diesem Ergebnis kommt eine Befragung von südamerikanischen Sozial- und Umweltorganisationen im Auftrag von Rettet den Regenwald und dem Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile-Lateinamerika (FDCL).

Was sagen Organisationen aus Brasilien und Paraguay zu dem nach 20 Jahren von der EU Kommission ausgehandelten Freihandelsabkommen mit den südamerikanischen Mercosur-Ländern?

Diesen Fragen geht ein Bericht im Auftrag von Rettet den Regenwald und dem Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile-Lateinamerika (FDCL) nach, den Journalisten von De Olho nos Ruralistas aus Sao Paulo auf Grundlage von Interviews mit sozialen Basisgruppen, Umweltorganisationen und Wissenschaftler:innen durchgeführt haben.

Zivilgesellschaft war nicht an den Verhandlungen beteiligt

Weder die südamerikanische noch die europäische Zivilgesellschaft hatten demnach in den 20 Jahren währenden Verhandlungen die Möglichkeit, sich daran aktiv zu beteiligen. Ein Abkommen, das die Interessen von 715 Millionen Menschen auf beiden Seiten des Atlantiks nicht berücksichtigt, hat keine Rechtfertigung und keinen Wert.

Abkommen von der Agrarindustrie diktiert

Stattdessen hat die brasilianische Agrarlobby einen enormen Einfluss auf die Verhandlungen ausgeübt, zeichnet der Bericht nach. Die Agrarindustrie will von der vereinbarten Liberalisierung des Handels profitieren, die zunehmende Importe von Soja, Palmöl, Rindfleisch, Kaffee, Südfrüchte und Ethanol in die EU vorsehen.

Zunahme der Abholzungen und des Landgrabbing

Die Nachfrage nach Agrarprodukten wird unausweichlich zu weiterer Abholzung und das Eindringen in indigene Gebiete führen, um neue Monokulturen für den Export zu schaffen. Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro hat dazu die Indigenen-Schutzgebiete quasi freigegeben und ruft sogar ausdrücklich zu deren Besetzung und Umwandlung auf.

Das bedroht das Überleben der indigenen Völker und die großen Ökosysteme (Biome) der Region wie den Amazonas-Regenwald, die Cerrado-Savanne, das Pantanal-Feuchtgebiet, den atlantischen Küstenregenwald und die Trockenwälder des Chaco in Paraguay.

Noch mehr hochgiftige Pestizide

Die Organisationen kritisieren sehr scharf, dass die europäische Chemieindustrie große Mengen hochgiftiger Pestizide nach Südamerika exportiert. Sie bemängeln auch die offensichtlich dafür geltenden Doppelstandards. Denn viele der Agrarchemikalien sind aufgrund ihrer Toxizität für Mensch und Umwelt in der EU nicht für den Einsatz zugelassen.

Abkommen NICHT unterzeichnen

Die beteiligten Organisationen fordern das Europäische Parlament und die Regierungen der 27 EU-Länder auf, das Abkommen abzulehnen. Das von der Europäischen Kommission ausgehandelte Freihandelsabkommen mit den vier südamerikanischen Mercosur-Ländern wurde im Juni 2019 unterzeichnet und muss derzeit noch vom Europäischen Parlament und den 27 EU-Mitgliedstaaten ratifiziert werden.

Nachfolgend der Bericht auf 16 Seiten der brasilianischen Organisation De Olho nos Ruralistas für Rettet den Regenwald in vier Sprachen:

Bericht auf Deutsch "EU-MERCOSUR-FREIHANDELSABKOMMEN - Keine Bürgerbeteiligung und Rechte, dafür Kahlschlag der Wälder": https://www.regenwald.org/files/de/Bericht-Kritik-am-EU-Mercosur-Abkommen-10-21.pdf

Report in English "NO PARTICIPATION, NO DEAL: Grassroots organizations demand environmental safeguards in the EU-Mercosur trade agreement" https://www.regenwald.org/files/de/Critique-of-the-EU-Mercosur-Agreement-10-21.pdf

Informe en Español "TRATADO UNIÓN EUROPEA-MERCOSUR Sin participación, recortando selvas y derechos": https://www.regenwald.org/files/de/Informe-Critico-Acuerdo-UE-Mercosur-10-21.pdf

Relatorio em Portugues "ACORDO DE LIVRE COMÉRCIO UNIÃO EUROPEIA-MERCOSUL - Sem Participação, Cortando Florestas e Direitos" : https://www.regenwald.org/files/de/Criticas-ao-Acordo-UE-Mercosul-10-21.pdf