Brasilianische Indigene fordern EU auf, alle Ökosysteme zu schützen

Landschaft aus der Vogelperspektive mit Wald und Fluss Cerrado-Savanne in Brasilien: Kein Wald, aber für den Schutz der biologischen Vielfalt, des Klimas und der indigenen Einwohner ebenso wichtig (© mongabay.com)

15.09.2022

Die EU will dafür sorgen, dass importierte landwirtschaftliche Rohstoffe nicht mit Waldvernichtung verbunden sind. Brasilianische Ureinwohner kritisieren die Gesetzesinitiative als nicht ausreichend und fordern die Achtung der Rechte indigener Völker und die Einbeziehung aller von ihnen bewohnten Ökosysteme über Wälder hinaus.

Der Verband APIB der brasilianischen Indigenen fordert die EU auf, eine laufende Gesetzesinitiative der EU-Kommission dringend zu verbessern. Nicht nur die Regenwälder, sondern auch die Rechte der indigenen Völker und alle von ihnen bewohnten Lebensräume müssen vor der Zerstörung geschützt werden.

Mit der Kampagne "Wir sind alle Ökosysteme" (Somos Todos Biomas) versucht die Organisation auch alle übrigen von Indigenen bewohnten Ökosysteme in Brasilien in die neue Gesetzgebung einzubeziehen. Denn in ihrer bisherigen Fassung berücksichtigt die geplante EU-Verordnung nur Waldgebiete.

Die neue EU-Verordnung soll Unternehmen dazu verpflichten, sicherzustellen, dass in der EU verkaufte Agrar- und Forstprodukte nicht auf abgeholzten oder degradierten Flächen irgendwo auf der Welt erzeugt wurden. Dazu gehören Holz, Kaffee, Kakao, Palmöl, Rinder und Soja sowie daraus hergestellte Waren wie Möbel, Schokolade, Rindfleisch und Leder.

Doch nicht nur Wälder, sondern viele weitere Ökosysteme sind von der Ausweitung der Landwirtschaft und dem damit verbundenen Verlust der biologischen Vielfalt massiv betroffen. Dazu gehören in Brasilien die sehr arten- und kohlenstoffreichen Savannengebiete des Cerrado, die Grasslandschaften der Pampa im Süden des Landes und das Pantanal, das weltweit größte tropische Binnenland-Feuchtgebiet der Erde.

Bereits im Juni hatten Vertreter der APIB auf einer Europareise auf die Schwächen der EU-Gesetzesinitiative hingewiesen und Korrekturen gefordert. Am 14. September hat das EU-Parlament mit großer Mehrheit in der ersten Lesung der Gesetzesinitiative für Entwaldungsfreie Agrarprodukte zugestimmt.

"Nun kommt es darauf an, dass die EU-Verordnung nachgebessert wird", erklärt Klaus Schenck, Wald- und Energiereferent von Rettet den Regenwald e.V. "Den Schutz der Natur nur über den Baumbestand zu regulieren, greift zu kurz. In den finalen Gesetzestext müssen daher alle Ökosysteme aufgenommen werden. Auch Ökosysteme mit wenig Bäumen sind für den Erhalt der Biodiversität, den Klimaschutz und das Leben der indigenen Völker enorm wichtig."

Damit die EU-Verordnung endgültig beschlossen werden und in Kraft treten kann, sind weitere Abstimmungen zwischen den EU-Mitgliedsstaaten und dem EU-Parlament notwendig.

Nach Angaben der UN-Welternährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO sind in den vergangenen 30 Jahren weltweit allein 420 Millionen Hektar Wälder - eine Fläche größer als die EU – gerodet worden. Haupttreiber der Abholzung ist die industrielle Landwirtschaft – besonders die Rinderzucht und der Anbau von Soja und Ölpalmen, so die FAO.

In Brasilien breiten sich Rinderweiden, Soja-Monokulturen und Eukalyptus-Plantagen auch in der 175 Millionen Hektar großen Cerrado-Savanne aus. Über die Hälfte der Savannengebiete wurden dafür laut der FAO bereits zerstört.


  1. laut der FAOFAO (2022). Valuing, restoring and managing “presumeddrylands”: Cerrado, Miombo–Mopane woodlands and the Qinghai–Tibetan Plateau: https://www.fao.org/3/cc0110en/cc0110en.pdf