Protestaktion gegen WWF-Konferenz in Berlin

Greenwash-Demo vor der Konferenz

01.02.2012

Greenwashing? Mit uns nicht! Riesige Monokulturen von Palmöl und Soja sind nicht nachhaltig, egal was die Industrie erzählt. Die Berliner Regionalgruppe von Rettet den Regenwald protestierte vor der Konferenz "Nachhaltigkeitsstandards für Agrarrohstoffe" und bot damit ein klares Gegengewicht zur sich schulterklopfenden Industrie

Am 26. Januar lud der WWF zur Konferenz für „Nachhaltigkeitsstandards für Agrarrohstoffe - Eine Herausforderung für Wirtschaft und Politik" in die Landesvertretung von Baden Württemberg in Berlin. Im Zentrum der Veranstaltung stand der Versuch der industriellen Landwirtschaft, den von Deutschland und der EU in steigenden Mengen importierten Agrarrohstoffen einen grünen Anstrich zu verleihen. Auf der Rednerliste standen unter anderem Vertreter von Unilever und Nestlé.

Schon vor der Veranstaltung machte die Regenwald-Regionalgruppe Berlin deutlich, was von der Konferenz zu halten ist. Auf einer kleinen aber feinen Kundgebung machten wir mit Transparenten und Flugblättern auf den Charakter der Veranstaltung aufmerksam. Der Versuch, riesige Monokulturen von Palmöl und Soja im globalen Süden als ökologisch nachhaltig darzustellen, ist Greenwashing.

In vielen Protestaktionen und Berichten wies Rettet den Regenwald immer wieder auf die verherrenden Folgen der Plantagenwirtschaft in Indonesien, Afrika und Südamerika hin. Dort werden Millionen Tonnen billiger Agrarrohstoffe für den Konsum in den Industrieländern produziert. Allein zur Aufrechterhaltung der Massentierhaltung in Deutschland wird in Südamerika eine Fläche von 2,6 Millionen Hektar Soja angebaut, größtenteils gentechnisch verändert. Der industrielle Druck auf Landflächen, die mit Tropenwald und Savanne bewachsen sind, steigt stetig. Nicht nur die Artenvielfalt wird vernichtet, sondern auch die Heimat und der Lebensunterhalt der dort lebenden Menschen.

Die Redebeiträge der Referenten auf der Konferenz verloren sich in theoretischen Ausführungen, wie Zertifizierungen am Besten zu gestalten seien, sowie in leeren Wortungetümen. Aber auch „Nachhaltigkeits-Hotspots", „Pro-Planet-Initiativen" und „Global-Orientation-Frameworks" konnten nicht über die Realität hinwegtäuschen – Monokulturen sind eine Katastrophe für Mensch und Umwelt.

So stellte ein vortragender Wissenschaftler fest, dass die vielen nebeneinander existierenden freiwilligen Zertifizierungssysteme nur auf Konsumentenbedürfnisse ausgerichtet sind, aber in der Praxis nichts nützen. Der Vertreter einer großen Handelskette ergänzte, dass bilaterale Handelsabkommen sinnvoller seien als Industrielabel.

In den Diskussionen beteiligte sich Rettet den Regenwald mit kritischen Beiträgen zu den Folgen des Palmölwahns in Indonesien und Malaysia. Dort sind bereits 9 Millionen Hektar mit Palmöl-Monokulturen bepflanzt, und es kommen immer mehr dazu. Die verantwortlichen Konzerne holzen illegal Regenwald und begehen schwere Menschenrechtsverletzungen. Das Washingtoner Artenschutzabkommen bezeichnet die unkontrollierte Ausbreitung von Palmöl-Plantagen als Hauptbedrohung für die gefährdeten Sumatra-Tiger und Orang-Utans. Die industrielle Landwirtschaft zur Herstellung von Konsumgütern und Agrartreibstoffen für die Industrienationen gefährdet die Ernährungsgrundlage für die Menschen im globalen Süden. Wie sollen diese Zustände als sozial verträglich und ökologisch nachhaltig zertifiziert werden? Weder die anwesenden Industrievertreter noch der WWF konnten darauf eine überzeugende Antwort geben.

Das Konzept der industriellen Agrarwirtschaft sowie der chemie- und energieintensiven Monokultur-Landwirtschaft ist grandios gescheitert. Der von UNO und Weltbank in Auftrag gegebene Weltagrarbericht von 2008 kam bereits zu diesem Ergebnis. Ein „weiter-so“ ist verantwortungslose Politik und gefährdet die Umwelt und nachkommende Generationen. Bei der grünen Woche in Berlin forderte der neue Direktor der Uno-Welternährungsorganisation FAO, da Silva, ein Ende der industriellen Landwirtschaft.

Es wird Zeit, dass der WWF und die Vertreter der europäischen Lebensmittelindustrie auch zu diesem Schluss kommen.

Lesen Sie hier die Stellungnahme von Rettet den Regenwald zur WWF Konferenz „Nachhaltigkeitsstandards für Agrarrohstoffe".