Mother Nature Cambodia drohen zehn Jahre Gefängnis

zwei gefangene Frauen in orangener Trauerkleidung, dahinter Polizei Junge Umweltschützerinnen von Mother Nature Cambodia auf dem Weg ins Gericht (© Radio Free Asia) Junger Mann blickt auf Mine Ly Chandaravuth kämpft für Kambodschas Natur (© Radio Free Asia) Junger Mann hält Plakat mit den 6 inhaftierten Aktivisten hoch Freiheit für Mother Nature Cambodia! (© Mother Nature Cambodia)

05.06.2024

Erst Ende 2023 erhielt die Umweltbewegung Mother Nature Cambodia den Alternativen Nobelpreis, eine der bedeutendsten internationalen Auszeichnungen. Doch jetzt sind zehn Umweltaktivist:innen wieder angeklagt. Ihnen drohen bis zu zehn Jahre Gefängnis!

Sie gehen für den Schutz der Natur und Menschenrechte auf die Straße und machen seit über zehn Jahren auf Umweltverbrechen in Kambodscha aufmerksam. Für ihren friedlichen Protest wurden zahlreiche Mitglieder der Umweltbewegung Mother Nature Cambodia wiederholt von der Justiz schikaniert und inhaftiert. Aktuell sind zehn Aktivist:innen wegen angeblicher „Verschwörung gegen den Staat“ und „Beleidigung des Königs“ erneut angeklagt - bei einer Verurteilung drohen ihnen bis zu zehn Jahre Gefängnis.

Die erste Anhörung fand am 29. Mai in Phnom Penh statt. Vor dem Gerichtssaal versammelten sich Dutzende von Anhängern und Medienvertretern, um den Prozess zu verfolgen. 
Nur fünf Aktivist:innen erschienen vor Gericht – aus Protest in traditioneller kambodschanischer Bestattungskleidung: Yim Leanghy, Ly Chandaravuth, Thun Ratha, Phuon Keoreaksmey und Long Kunthea.

Neben den fünf oben genannten werden auch Sun Ratha, Alejandro Gonzalez-Davidson, Binh Piseth, Rai Raksa und Pork Khoeuy wegen Verschwörung angeklagt, während drei - Sun Ratha, Leanghy und Gonzalez-Davidson - auch wegen Beleidigung des Königs der Prozess gemacht wird. Thun Ratha, Keoraksmey und Kunthea wurden bereits im Jahr 2020 verhaftet und saßen mehr als 14 Monate im Gefängnis, weil sie einen friedlichen Protestmarsch organisiert hatten.


Aber was ich tue, tue ich nicht nur für mich, sondern auch, um die Natur in Kambodscha am Leben zu erhalten. Wie kann ich meiner Tochter gegenübertreten, wenn sie weiß, dass unsere Generation nichts getan hat, um die Dinge zu ändern. Wir wurden inhaftiert, weil wir versucht haben, die Umwelt zu schützen, und weil wir nicht wollen, dass unsere Kinder dafür oder für die Verteidigung der Menschenrechte inhaftiert werden."  Phuon Keoraksmey, Kampagnen-Chefin von Mother Nature Cambodia

Der Prozess gegen Mother Nature Cambodia wurde wiederholt verschoben. Vor dem Gericht spielten sich emotionale Szenen ab, als die fünf anwesenden Aktivisten sich auf eine Rückkehr ins Gefängnis gefasst machten. Thun Ratha hielt sein kleines Kind im Arm, bis es Zeit war, das Gebäude zu betreten. Vor Beginn des Prozesses protestierte Long Kunthea außerhalb des Gerichts und betonte die Unschuld der Umweltschützer.

„Wir sind unschuldige Menschen und arbeiten, um das nationale Interesse zu schützen. Wenn das Gericht heute beschließt, uns anzuklagen und uns wieder ins Gefängnis zu bringen, sind wir trotzdem all den Menschen dankbar, die uns Gerechtigkeit gewähren, denn das Gericht gewährt uns niemals Gerechtigkeit". Long Kunthea, Mother Nature Cambodia.

Am Morgen des 5. Juni 2024 weigerten sich die fünf Angeklagten, den Gerichtssaal zu betreten, nachdem die Behörden die Straße abgesperrt und Medien und Unterstützer daran gehindert hatten, an der öffentlichen Anhörung im Gericht von Phnom Penh teilzunehmen. Die Anhörung fand daher in Abwesenheit der Angeklagten statt. Sie bestand hauptsächlich aus der Verlesung von Abschriften ihrer früheren Vernehmungen.


„Wir kennen das kambodschanische Gerichtssystem. Das Urteil könnte nicht gut für mich ausfallen“, sagte Ly Chandaravuth in einem von Radio Free Asia veröffentlichten Videoblog. „Ich habe mich darauf vorbereitet, was passieren wird.“ 



We live in fear

In diesem Video von Radio Free Asia spricht Ly Chandaravuth vor dem Prozess über die Zerstörung der Natur Kambodschas und die drohende Haft.

Englisch, 2 Minuten

Mother Nature Cambodia und Rettet den Regenwald

Mother Nature Cambodia ist von Beginn an (2012) ein Partner von Rettet den Regenwald. Wir unterstützen die Umweltgruppe regelmäßig durch Petitionen wie Retten Sie Kambodschas Schatzinsel und Freiheit für inhaftierte Naturschützer in Kambodscha, mittels Förderung der Kampagne zur Rettung der Insel Koh Kong und im Kampf gegen die Zerstörung der Natur.

Möchten Sie mehr vom kreativen und mutigen Engagement der jungen Umweltbewegung Kambodschas wissen? Lesen Sie den Bericht zu ihrer Kampagne für die Insel Koh Kong: Alle sollen die Schönheit dieser Insel erleben. 

Vor der Verleihung des Alternativen Nobelpreises für Mother Nature Cambodia im Dezember 2023 in Schweden konnte Rettet den Regenwald Ly Chandaravuth und seine Mitstreiterinnen in Berlin zu Gesprächen mit Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen sowie mit Politikern und Abgeordneten begleiten.

Informationen zum aktuellen Prozess



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