Retten Sie Kambodschas Schatzinsel

In einer Lagune überspülen Wellen einen Strand, im Hintegrund Wald Mangrovenwälder, glasklares Meer, weißer Strand: Die Insel Koh Kong ist weitgehend unberührt (© Mother Nature) Von Felsbrocken gesäumter Wasserlauf im Regenwald Felsige Flussläufe durchziehen die immergrünen Tieflandregenwälder (© Mother Nature) 8 junge Aktivisten und Aktivistinnen starten auf einer Straße mit ihren Fahrrädern zur Demo Fa Mit einer Fahrrad-Demo haben die Aktivist*innen von Mother Nature auf die Bedrohung für Koh Kong aufmerksam gemacht (© Mother Nature) Umweltschützer diskutiert mit Polizei, die ihre Räder auf einen LKW lädt. Ein Polizist fotografiert die Szene Polizisten haben sie nach kurzer Fahrt gestoppt und ihre Räder beschlagnahmt (© Mother Nature)

Es gibt sie noch: Ungestörte Orte mit tropischer Vielfalt über und unter Wasser – sogar in Kambodscha, das seine Regenwälder rigoros abholzt. Die Insel Koh Kong ist so ein unversehrter Ort, jetzt soll sie wirtschaftlich erschlossen werden. Unsere Partner fordern, die Insel stattdessen komplett zu schützen. Und bitten um Unterstützung.

Appell

An: Samdech Techo Hun Sen, Premierminister von Kambodscha; H.E. Say Samal, Umweltminister; H.E. Thong Khon, Tourismusminister;

„Stellen Sie Koh Kong Island vollständig unter Schutz und bewahren Sie die Naturschätze so wie sie sind.“

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Immergrüne tropische Tieflandregenwälder. Wasserfälle und Süßwasserlagunen, weite Strände und von Mangroven gesäumte Flussmündungen: Das ist Koh Kong Island, Kambodschas größte Insel. „Wir sind stolz darauf, dass solch ein erstaunlicher Ort, den uns unsere Khmer-Vorfahren hinterlassen haben, immer noch existiert. Und es ist die Aufgabe unserer Generation, diese unbezahlbaren Naturschätze zu bewahren.“

Das sagt Thun Ratha in einem Video, mit dem die Umweltgruppe Mother Nature die Welt aufrütteln will. „Save Koh Kong Island“ heißt ihre Kampagne, denn die Insel muss vor Ausbeutung gerettet werden. Das ist nur möglich, wenn sie gesetzlich vollständig geschützt und so bewahrt wird wie sie ist.

Doch Kambodschas Regierung hat offenbar andere Pläne: Im Juni 2019 verkündete Premier Hun Sen, dass die L.Y.P.-Gruppe den Auftrag erhalten habe, die Insel zu „entwickeln“. Zum Konzern gehören Luxus-Resorts, Freizeitparks, Zucker- und Kautschukplantagen.

Deshalb befürchten die Naturschützer das Schlimmste. Das Umweltministerium verkündete zwar, die Insel im Jahr 2021 zum Meeresnationalpark zu erklären – doch schon zuvor hieß es, dass einige Regionen zu Schutzgebieten werden sollen und andere zu Wirtschaftszonen.

Wenn die Regierung eine private Firma beauftragt, einen Ort zu entwickeln, werden die Naturressourcen zerstört. Das haben wir oft erlebt,“ sagt Long Kunthea von Mother Nature. „Selbst in Schutzgebieten“.

Mit einer Fahrrad-Demo haben die Aktivist*innen auf die Bedrohung von Koh Kong Island aufmerksam gemacht und wollten der Regierung eine Petition übergeben. Beamte stoppten sie und beschlagnahmten die Räder. Inzwischen sind Thun Ratha, Long Kunthea und eine weitere Aktivistin in Haft.

Bitte unterstützen Sie ihre Forderung, Koh Kong Island zu retten und die inhaftierten Umweltschützer freizulassen.

Hinter­gründe

Koh Kong Island

Sie ist die größte Insel Kambodschas und gehört zur Provinz Koh Kong im Westen des Landes. Die Insel ist mit 103 Quadratkilometern etwas größer als Sylt, mit einer Küstenlinie von 53 Kilometern.

Koh Kong Island ist nur mit dem Boot zu erreichen und selbst bei Kambodschanern kaum bekannt. Sie hat auch nur sehr wenige Bewohner, obwohl ihr nordöstlicher Rand weniger als 500 Meter vom Festlanddorf Lam Dam in der Gemeinde Koh Kapik entfernt liegt.

An der Nordspitze gibt es eine Militärbasis, an einigen Stränden kleine militärische Außenposten mit ein bis zwei Haushalten. Im Südosten liegt das Fischerdorf Alatang mit etwa 80 Familien, die in schwimmenden Häusern vor der Küste in einer kleinen Bucht leben. An Land gibt es einen von Wasserfällen gefüllten See, den die Dorfbewohner als Wasserquelle nutzen.

Ungestörte Natur

Immergrüne tropische Tieflandregenwälder bedecken die Insel. Es gibt viele Wasserfälle, felsige Bachbetten und Süßwasserlagunen, die an weißen Stränden durch kleine, von Mangroven flankierte Flussmündungen auf das Meer treffen. Unter Wasser breiten sich Riffe und Seegraswiesen aus, bewohnt von tropischen Fischen und Korallen.

Bedrohungen

Obwohl in der Vergangenheit selektiv gerodet wurde und Wilderei gelegentlich stattfindet, hat Koh Kong Island seine intakte Natur bis heute bewahrt. Am Horizont zeichnen sich jedoch existenzielle Bedrohungen ab:
Kürzlich wurde eine breite Straße mit schweren Maschinen gebaut. Die Straße, die bereits etwa 6.300 Meter lang ist, beginnt an der Militärbasis am nördlichen Ende der Insel und führt nach Süden.
Es kursieren Gerüchte, dass die Straße über die gesamte Länge der Insel von 20 Kilometern verlängert werden könnte. Es ist zu befürchten, dass eine Straße durch einen bisher unberührten Urwald Holzfäller und Wilderer anzieht. Und vor allem auch Landspekulanten, wie viele Beispiele in Kambodscha zeigen. Der industriellen Abholzung des Waldes steht dann nichts mehr im Weg.

Umweltschützer befürchten, dass eine Verlängerung der Straße erst der Anfang ist: Im Juni 2019 verkündete Premier Hun Sen die Absicht der Regierung, die Insel wirtschaftlich zu entwickeln dafür wurde ein Komitée gebildet unter der Führung des Umweltministeriums. Beauftragt mit der industriellen Entwicklung wurde das private Unternehmen Koh Kong SEZ Co. Ltd.  Es gehört zur mächtigen L.Y.P.-Gruppe von Ly Yong Phat, einem der einflussreichsten und vermögendsten Männern Kambodschas. Zum Konzern-Portfolio zählen Hotels und Luxus-Resorts, Freizeitparks und Golfplatz, Zucker- und Kautschukplantagen, Immobilien und ein TV-Sender. 

Deshalb befürchten die Umweltschützer, dass die „Entwicklung“ von Koh Kong Island nichts Gutes bedeutet für die bis heute intakte Natur von Koh Kong Island. Luxus-Hotels sind bereits im Gespräch.

Das Umweltministerium ließ verkünden, dass die Insel im Jahr 2021 zum Meeresnationalpark erklärt werden soll – wegen ihrer großen Artenvielfalt und der schönen Strände. Obwohl die Regierung der Firma Koh Kong SEZ die Erlaubnis erteilt hat, die Insel zu entwickeln. Die genauen Pläne, wie das aussehen soll, wollte der Sprecher des Umweltministeriums allerdings nicht erläutern.

Wenn die Regierung einer privaten Firma die Erlaubnis zur Entwicklung einer Region gibt, werden die Naturressourcen zerstört und die Bevölkerung profitiert nur wenig. Das haben wir in der Vergangenheit immer wieder gesehen,“ sagt die Umweltschützerin Long Kunthea von Mother Nature am 23. Juni 2020 gegenüber der Zeitung Kambodscha News und fordert die Regierung auf, die Lizenz an Koh Kong SEZ Co. zurückzuziehen und die gesamte Insel gesetzlich unter Schutz zu stellen.
Suon Chamroeun, der Anfang Juni an einer Fahrrad-Demo zum Schutz von Koh Kong Island teilgenommen hat, sagte der Phnom Penh Post: „Wir sind ernsthaft besorgt, dass die Regierung einer Privatfirma das Recht zur Entwicklung gebeben hat. Und niemand weiß bisher, was genau die Regierung tun will, um die Insel zu schützen. Wir sind so besorgt, weil nach unserer Auffassung Entwicklung Zerstörung bedeutet. Denn die Pläne von Koh Kong SEZ Co. sind immer noch nicht zu durchschauen.“

Ein Beispiel dafür ist der benachbarte Botum Sakor-Nationalpark, in dem während der letzten 15 Jahren immer wieder abgeholzt wurde unter dem Vorwand mehrerer sogenannter "Economic Land Concessions" und "Special Economic Zones". Deshalb fordern die Umweltschützer, die komplette Insel Koh Kong zum Nationalpark zu erkären und ihren vollständigen Schutz gesetzlich zu garantieren.

Kampagnen-Ziel

Die Save Koh Kong Island-Kampagne zielt darauf ab, die Menschen mit der Schönheit und Bedeutung dieser besonderen Insel vertraut zu machen, damit sie in ihrem natürlichen Zustand für zukünftige Generationen erhalten bleiben kann.
Mother Nature will erreichen, dass das Umweltministerium die gesamte Insel Koh Kong zum Nationalpark erklärt, damit sie gesetzlich geschützt und vollständig erhalten werden kann. Die Umwelschützer sind entschieden gegen jede Entwicklung, die negative Auswirkungen auf die Insel haben kann.
Sollte eine Entwicklung stattfinden müssen, sollen nur nachhaltige und umweltfreundliche Optionen in Betracht gezogen werden, beispielsweise ihre Förderung als Ökotourismusgebiet.

Umweltschützer in großer Gefahr

Wer sich in Kambodscha öffentlich für Naturschutz und Menschenrechte einsetzt, lebt in ständiger Gefahr, behindert, bedroht und verhaftet zu werden. Das müssen auch die Aktivisten von Mother Nature (MN) seit Jahren erleben:

  • Am 3. September 2020 wurden der MN-Aktivist Thun Ratha und seine Kolleginnen Long Kunthea und Phuong Keorasmey in Phnom Penh verhaftet, weil sie einen friedlichen Einzel-Marsch zur Residenz des Premierministers organisiert hatten, um auf die Zubetonierung des Boeung Tamoke-Sees für eine Militärbasis aufmerksam zu machen. Der See ernährt 300 Familien. Als Grund für die Verhaftungen wurde „Anstiftung zu einem Verbrechen oder zu sozialen Unruhen“ genannt. Die drei Umweltschützer*nnen sind auch Organisatoren der Save Koh Kong-Kampagne. Sie sind bis heute in Haft.
  • Am 22. Juni 2020 veranstalteten 10 MN-Mitglieder vor der Wat Botum Pagode eine öffentliche Foto-Ausstellung über die Natur auf Koh Kong Island. So sollten möglichst viele Menschen von der Schönheit der Insel erfahren. Die Ausstellung wurde sofort von Sicherheitskräften beendet. Ihnen wurde außerdem verboten, die Veranstaltung live auf facebook zu verbreiten. Angeblich hätten sie dafür eine Genehmigung gebraucht, was nach offiziellem Recht aber nicht zutraf.
  • Am 1. Juni 2020 starteten 18 MN-AktivistInnen zusammen mit Jugendlichen zu einer Fahrrad-Rallye von Koh Kong in die Hauptstadt Phnom Penh, um der Regierung eine Petition zur Rettung von Koh Kong Island zu übergeben. Schon am zweiten Tag wurden sie von Provinz-Beamten gestoppt, die sämtliche Fahrräder einkassierten.

Dies sind nur drei der jüngsten Beispiele von vielen, wie Umweltschützer und Menschenrechtler mundtot gemacht werden sollen in Kambodscha. Wir haben Mother Nature seit ihrer Gründung begleitet und unterstützt, und mehrfach auch über die Bedrohungen berichtet:

https://www.regenwald.org/news/7466/wir-werden-weiter-kaempfen-fuer-die-natur-und-fuer-unser-recht

https://www.regenwald.org/spende/241/widerstand-gegen-landraub-in-kambodscha


Kambodscha verkauft seine Naturschätze

Das Königreich am Mekong hat eine der weltweit höchsten Entwaldungsraten: Zwischen 2001 und 2014 sind 16.000 Quadratkilometer immergrüner Tieflandregenwald verlorengegangen – vor allem für Kautschukplantagen. Das zeigen laut Mongabay NASA-Satellitenbilder aus Zentral-Kambodscha. Kaum drei Prozent Primärregenwald sind dem Land geblieben.

Seit vielen Jahren vergibt die Regierung Konzessionen an Holz- und Plantagenfirmen, so haben sich vor allem Kautschukplantagen rasant ausgebreitet. Doch nicht nur die genehmigten industriellen Rodungen der Holzindustrie sind ein Problem für die Biodiversität. Viel größer noch ist das Ausmaß der illegalen Rodungen – sie sollen einer Studie zufolge 90 Prozent der Holzproduktion ausmachen. 

Umso wichtiger, den intakten immergrünen Regenwald auf Koh Kong Island so zu bewahren, wie er ist.

An­schreiben

An: Samdech Techo Hun Sen, Premierminister von Kambodscha; H.E. Say Samal, Umweltminister; H.E. Thong Khon, Tourismusminister;

Sehr geehrte Herren,

ich schreibe Ihnen, um meine Unterstützung für die Zehntausenden Kambodschaner auszudrücken, die öffentlich ihr Interesse am Schutz der größten und schönsten Insel Kambodschas bekundet haben – Koh Kong Island.

Bitte:
* Widerrufen Sie die Vereinbarung, die die königliche Regierung von Kambodscha mit der Firma Koh Kong SEZ zur „Entwicklung“ der Insel Koh Kong unterzeichnet hat, unter Geheimhaltung und ohne Rücksprache mit relevanten Interessengruppen. Die Menschen in Kambodscha und insbesondere die Gemeinden in der Provinz Koh Kong würden viel stärker davon profitieren, wenn die Insel so wie sie ist bewahrt bleibt als von ihrer Entwicklung.

• Erklären Sie die gesamte Insel sowie die umliegende Meeresregion zum Nationalpark und bewahren Sie sie vor jeglicher Zerstörung. Die Art und Weise, wie Kambodscha viele seiner einst unberührten Inseln und Schutzgebiete „entwickelt“ hat, kann kein Beispiel für Koh Kong Island sein.

• Arbeiten Sie mit lokalen Gemeinschaften, Umweltaktivisten sowie nationalen und internationalen Organisationen zusammen und beschließen Sie gemeinsam ein Konzept, wie die Insel eine begrenzte Anzahl von Besuchern aufnehmen kann. Damit die Natur so wenig wie möglich darunter leidet.

• Arbeiten Sie mit Experten im In- und Ausland zusammen, um die Insel und ihre Mangrovenwälder zu einem Zentrum für ökologische Forschung zu machen.

• Beenden Sie sofort die Bedrohung und Unterdrückung der kambodschanischen Umweltaktivisten, die sich öffentlich dafür ausgesprochen haben, dass die Insel so erhalten bleibt, wie sie derzeit ist. Lassen Sie die drei kürzlich inhaftierten Aktivisten von Mother Nature Cambodia frei, die die Kampagne zum Schutz von Koh Kong Island geleitet haben: Thun Ratha, Long Kunthea und Phuon Keorasmey.

Mit freundlichen Grüßen

Fußnoten

Koh Kong IslandDie Insel gehört zur gleichnamigen Provinz im Westen des Landes. Sie ist mit 103 Quadratkilometern etwas größer als Sylt, mit einer Küstenlinie von 53 Kilometern.


Mother NatureMother Nature ist eine Umweltschutzorganisation, die sich in Kambodscha und weltweit für die Bewahrung und den Schutz der Natur einsetzt. Sie deckt rechtswidrige Umweltzerstörung und die Verursacher auf, macht sie öffentlich und unterstützt die Umweltbewegung durch Workshops und finanziell. Außerdem klärt sie lokale Fischer und indigene Gemeinschaften über ihre Rechte auf und steht an ihrer Seite, wenn sie ihre Landrechte, ihre Kultur und Lebensgrundlagen verteidigen müssen.
https://www.mothernaturecambodia.org/about-us.html



L.Y.P.-GruppeKonzern-Website des Unternehmers Ly Yong Phat, einem der einflussreichsten und vermögendsten Männer Kambodschas (englisch)
https://www.lypgroup.com/index.php



schon zuvor hieß esZitat des Direktors der Umweltbehörde von Koh Kong, Morm Phalla, in der Phnom Penh Post vom 23.7.19, englisch
https://www.phnompenhpost.com/national/activists-launch-rescue-island-campaign-koh-kong-krao




in Haft.Website der Frontline Defenders. Die Organisation wurde 2001 in Dublin gegründet, um Menschenrechtsaktivisten und -schützer zu unterstützen: https://www.frontlinedefenders.org/en/case/three-environmental-rights-defenders-arbitrarily-detained

Cambodia News vom 6.9.2020, englisch:
https://cambojanews.com/three-mother-nature-activists-charged-with-incitement/

Diese Petition ist in folgenden Sprachen verfügbar:

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