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Luftaufnahme von brennendem Amazonas-Regenwald
© Istockphoto

Über 200 Organisationen gegen die „vorläufige Anwendung” des EU-Mercosur Abkommens

26.02.2026Argentinien, Brasilien, Paraguay, Uruguay: Die EU-Kommission will das umstrittene Freihandelsabkommen mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten vorläufig anwenden. Damit setzt sie sich über die Entscheidung des EU-Parlaments hinweg, das Vertragswerk vom Europäischen Gerichtshof vorher prüfen zu lassen. Mehr als 200 Organisationen protestieren in einem Schreiben an die EU-Kommission über deren Vorgehen.


 Die EU-Kommission hat es Anfang Januar erreicht, dass eine Mehrheit der Regierungen der EU-Mitgliedsstaaten dem Freihandelsabkommen der EU mit den südamerikanischen Mercosur-Ländern Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay zugestimmt hat. Vorausgegangen waren mehr als 25 Jahre Verhandlungen, denn die Opposition gegen das EU-Mercosur-Freihandelsabkommen ist groß. 

Wenige Tage später hat eine Mehrheit aller Parteien im EU-Parlament Bedenken über die Rechtmäßigkeit des Vertragswerks geäußert und beschlossen, dieses vor einer endgültigen Abstimmung vom Europäischen Gerichtshof prüfen zu lassen. Das Verfahren wird sich voraussichtlich über viele Monate - bis maximal eineinhalb Jahre, hinziehen.

Weiterhin müssen auch noch die 27 nationalen Parlamente aller EU-Länder für das Partnerschaftsabkommen mit den Mercosur-Ländern stimmen. Auch dieses Verfahren wird viele Monate dauern. Dabei ist es nicht sicher, ob es in allen Ländern eine Mehrheit für das Abkommen gibt. Wenn nur in einem EU-Land ein Parlament gegen den Vertrag ist,  kann dieser nicht in Kraft treten.

Die Regierungen von Frankreich, Irland und Österreich hatten schon im EU-Rat gegen das Abkommen votiert, wurden aber von den anderen Ländern überstimmt. Aber auch in allen anderen  EU-Ländern gibt es weiterhin heftigen Widerstand gegen das Abkommen aus allen Teilen der Gesellschaft. 

Trotzdem hat die EU-Kommssion nun angekündigt, das Abkommen vorläufig in Kraft setzen zu wollen - voraussichlich zum 1. Mai.

Gegen diesen zu tiefst undemokratischen Schritt haben mehr als 200 Organisationen einen offenen Brief an den EU-Rat und die EU-Kommission unterzeichnet. Darin fordern sie, das Handelsabkommen nicht vorläufig anzuwenden. Nachfolgend die Übersetzung des Schreibens mit den Namen aller Organisationen:

Offener Brief an den EU-Rat und die Europäische Kommission gegen die vorläufige Anwendung des EU-Mercosur Abkommens

Wir fordern Sie auf, demokratische Prozesse zu respektieren und sicherzustellen, dass es zu keiner vorläufigen Anwendung des EU-Mercosur Abkommens ohne Zustimmung des EU-Parlaments kommt.

Das EU-Mercosur Abkommen ist äußerst umstritten. Viele Bürger*innen und zivilgesellschaftliche Gruppen - sowohl in der EU als auch in den Mercosur-Ländern -  haben wiederholt Bedenken bezüglich Lebensmittelstandards, Auswirkungen auf Arbeitsplätze und Landwirtschaft sowie Entwaldung geäußert. Es ist für unsere Demokratie entscheidend, ob diese Stimmen Gehör finden.

Zu Recht wird gerade die demokratische Grundlage des Abkommens in Frage gestellt. Das Abkommen konnte nur dank höchst umstrittener Entscheidungen, die die nationalen Parlamente umgangen haben, vorangetrieben werden. Eine Zustimmung im Europäischen Rat wurde nur mit knapper Mehrheit erreicht. Es ist das erste Mal, dass ein Handelsabkommen ohne einstimmige Unterstützung verabschiedet wurde. Nun hat das Europäische Parlament um eine Stellungnahme vom Europäischen Gerichtshof zur Vereinbarkeit des Abkommens mit EU-Recht gebeten, was ein klares Signal für Rechtsstaatlichkeit ist.

Eine Anwendung des Abkommens ohne Zustimmung der EU-Abgeordneten und ohne Meinung des Europäischen Gerichtshofes, würde demokratische Prozesse entwerten, die gerade dafür gedacht sind, Sorgen von Bürger*innen zu berücksichtigen und zu besänftigen. Durch eine vorläufige Anwendung würden sowohl das Vertrauen der Öffentlichkeit, als auch die demokratische Legitimität europäischer Institutionen schwinden. In einer Zeit, in der sich viele in unserer Gesellschaft ausgegrenzt fühlen und das Vertrauen in politische Prozesse verlieren, birgt diese Entscheidung eine enorme Sprengkraft und könnte Spannungen in und unter den EU-Staaten weiter schüren.

Wir fordern Sie auf, an den etablierten demokratischen Grundsätzen festzuhalten und sich zu verpflichten, die Stellungnahme des Gerichtshofs und die Zustimmung des Europäischen Parlaments abzuwarten, bevor es zu einer Anwendung des EU-Mercosur Abkommens kommt.

Unterzeichnet von:

  1. International
  2. CIDSE
  3. Climate Action Netwok Latin América (CANLA)
  4. Climate Action Network Europe (CAN Europe)
  5. Corporate Europe Observatory
  6. Ekō
  7. Eurogroup for Animals
  8. European Coordination Via Campesina
  9. European Federation of Food, Agriculture and Tourism Trade Unions (EFFAT)
  10. European Institute for Animal Law & Policy
  11. European Trade Justice Coalition
  12. Friends of the Earth Europe
  13. Global Forest Coalition
  14. GRAIN
  15. Greenpeace EU
  16. Red EU-LAT
  17. Rede de Gênero y Comércio
  18. Southern Africa Climate Change Network
  19. WIDE+ (Women In Development Europe+)
  20. National
  21. Confederación General del Trabajo de la República Argentina, Argentina
  22. Diálogo 2000-Jubileo Sur Argentina, Argentina
  23. Subversión, Argentina
  24. Tierra Nativa – Amigos de la Tierra Argentina, Argentina
  25. Attac Argentina, Argentina
  26. Iniciativa Arcoiris de Ecología Política, Argentina
  27. Anders Handeln Austria, Austria
  28. Attac Austria, Austria
  29. BirdLife Austria, Austria
  30. DKA Austria – Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar, Austria
  31. Erde & Saat, Austria
  32. GLOBAL 2000, Austria
  33. KOO-Coordination Office of the Austrian Episcopal Conference for International Partnerships and Global Church, Austria
  34. ÖBV-Via Campesina Austria, Austria
  35. WIDE – Network for Women´s Rights and Feminist Perspectives in Development, Austria
  36. Welthaus Graz, Austria
  37. 11.11.11, Belgium
  38. Autre Terre, Belgium
  39. CNCD-11.11.11, Belgium
  40. Collectif 5C, Belgium
  41. Collectif Stratégies Alimentaires, Belgium
  42. Défi Belgique Afrique, Belgium
  43. Eco-Vie asbl, Belgium
  44. Entraide & Fraternité, Belgium
  45. Fédération Wallonne de l’Agriculture, Belgium
  46. FIAN Belgium, Belgium
  47. FUGEA, Belgium
  48. Humundi, Belgium
  49. MAP-EPI, Belgium
  50. MOC, Belgium
  51. RUCOLA asbl, Belgium
  52. Solidagro, Belgium
  53. Union des Agricultrices Wallonnes, Belgium
  54. VITAL asbl, Belgium
  55. Voedsel Anders Vlaanderen, Belgium
  56. vzw Climaxi, Belgium
  57. WSM, Belgium
  58. AMAR Brasil (Acteur dans le Monde Agricole et Rural), Brasil
  59. Associação Escola Sem Muros Grupo Eco, Brasil
  60. EcosBrasil – Associaçáo Ecologica de Cooperaçáo Social, Brasil
  61. ESPLAR- Centro de Pesquisa e Assessoria, Brasil
  62. Frente Brasil Contra Devastação, Brasil
  63. GEEMA – Grupo de Estudos em Educação e Meio Ambiente do Rio de Janeiro, Brasil
  64. GTA – Rede de Trabalho Amazonico, Brasil
  65. Instituto Eqüit – Gênero, Economia e Cidadania Global, Brasil
  66. Instituto Políticas Alternativas para o Cone Sul – PACS, Brasil
  67. Jubileu Sul Brasil, Brasil
  68. Movimento dos Atingidos por Barragens, Brasil
  69. Movimento SOS Chapada dos Veadeiros, Brasil
  70. REBRIP- Rede Brasileira pela integração dos Povos, Brasil
  71. Rede de Mulheres Ambientalistas da América Latina, Brasil
  72. Tendência Náutico Urgente ECO, Brasil
  73. Assossiação Alternativa Terrazul, Brasil
  74. Centro de Agricultura Alternativa Vicente Nica, Brasil
  75. FAOR Fórum da Amazônia Oriental, Brasil
  76. Fórum Brasileiro de ONGs e Movimentos Sociais pelo Meio Ambiente, Brasil
  77. Envol Vert, Colombia, France and Peru
  78. NOAH – Friends of the Earth Denmark, Denmark
  79. Agricultores y Ganaderos Independientes de Madrid (AGIM-COAG), Estado Español
  80. Amigas de la Tierra, Estado Español
  81. Asdecoba, Estado Español
  82. Asociación por la Paz y los Derechos Humanos Taula per Mèxic, Estado Español
  83. Attac España, Estado Español
  84. Cátedra UNESCO de Desarrollo Humano Sostenible, Estado Español
  85. CGT Confederación General del Trabajo, Estado Español
  86. COAG (Coordinadora de Organizaciones de Agricultores y Ganaderos), Estado Español
  87. COAG Burgos, Estado Español
  88. COAG Castilla y León, Estado Español
  89. Ecologistas en Acción, Estado Español
  90. EHNE Nafarroa, Estado Español
  91. En clau de dona, Estado Español
  92. Enkarterrin mendiak aske, Estado Español
  93. Entrepueblos/Entrepobles/Entrepobos/Herriarte, Estado Español
  94. INTERKONEXIO ELEKTRIKORIK EZ, Estado Español
  95. Observatori del Deute en la Globalització, Estado Español
  96. Politki elkartea, Estado Español
  97. Salva la Selva, Estado Español
  98. STACYL Valladolid, Estado Español
  99. Unió de Pagesos de Menorca, Estado Español
  100. UNIÓN DE AGRICULTORES Y GANADEROS DE ARAGÓN (UAGA-COAG), Estado Español
  101. Unión de Agricultores y Ganaderos de La Rioja (UAGR-COAG), Estado Español
  102. Zambra Málaga, Estado Español
  103. Biolur Elkartea, Euskal Herria (estado español)
  104. CNT Gipuzkoa, Euskal Herria (estado español)
  105. EHNE (Euskal Herriko Nekazarien Elkartasuna), Euskal Herria (estado español)
  106. EHNE Bizkaia, Euskal Herria (estado español)
  107. ELA Sindikatua, Euskal Herria (estado español)
  108. Etxalde Nekazaritza Iraunkorra, Euskal Herria (estado español)
  109. ActionAid France, France
  110. Aitec, France
  111. all4trees, France
  112. Alofa Tuvalu, France
  113. Alternatiba, France
  114. Amis de la Terre France, France
  115. Attac France, France
  116. AVF (Association Végétarienne de France), France
  117. BLOOM Association, France
  118. CADTM, France
  119. Canopée – Forêts vivantes, France
  120. Coalition Secrets Toxiques, France
  121. Collectif national Stop Mercosur, France
  122. Combat Monsanto, France
  123. Comité de solidarité internationale avec les Autochtones des Amériques (CSIA-Nitassinan), France
  124. Comité Français pour la Solidarité Internationale, France
  125. Confédération paysanne, France
  126. CRID (Centre de recherche et d’information pour le développement), France
  127. Fédération Artisans du Monde, France
  128. Fondation Copernic, France
  129. Foodwatch, France
  130. France Amérique Latine (FAL), France
  131. France Nature Environnement, France
  132. FSU, France
  133. Générations Futures, France
  134. INDECOSA CGT, France
  135. La Mutuelle Familiale, France
  136. LDH (Ligue des droits de l’Homme), France
  137. Les Amis du Monde diplomatiquer, France
  138. MIRAMAP – Mouvement Inter-régional des AMAP, France
  139. MRJC, France
  140. Noé, France
  141. Notre Affaire à Tous, France
  142. Planète Amazone, France
  143. Pôle InPact, France
  144. POLLINIS, France
  145. Terre d’Abeilles, France
  146. Terre de Liens, France
  147. Union syndicale Solidaires, France
  148. Veblen Institute, France
  149. Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt e.V., Germany
  150. Attac Germany, Germany
  151. Attac Hamburg, Germany
  152. Coordination gegen BAYER-Gefahren, Germany
  153. Darmstädter Bündnis für Gerechten Welthandel, Germany
  154. FARBE eV, Germany
  155. Forum Umwelt & Entwicklung, Germany
  156. Gemeinsam gegen die Tierindustrie, Germany
  157. Konstanzer Bündnis für gerechten Welthandel, Germany
  158. Leave it in the Ground Initiative (LINGO), Germany
  159. Misereor, Germany
  160. NaturFreunde Deutschlands, Germany
  161. Netzwerk Solidarische Landwirtschaft e.V., Germany
  162. PowerShift e.V., Germany
  163. PRO MenschNatur Mittelbaden e.V., Germany
  164. Rettet den Regenwald, Germany
  165. Naturefriends Greece, Greece
  166. Instituto para el Futuro Común Amerindio IFCA , Honduras
  167. Environmental Pillar, Ireland
  168. Talamh Beo, Ireland
  169. Coordinamento nord sud del mondo, Italy
  170. Fairwatch, Italy
  171. Mouvement Ecologique, Luxembourg
  172. Agriculture coalition for Just Trade, Netherlands
  173. Foodwatch, Netherlands
  174. Handel Anders, Netherlands
  175. Platform Aarde Boer Consument, Netherlands
  176. Handelskampanjen, Norway
  177. Heñói Centro de Estudios, Paraguay
  178. Movimiento Solidario Paraguay Venezuela, Paraguay
  179. Plataforma Paraguay Mejor Sin Libre Comercio, Paraguay
  180. Red Continental de Solidaridad Paraguay-Cuba, Paraguay
  181. SOBREVIVENCIA, Amigos de la Tierra Paraguay, Paraguay
  182. Sociedad de Economía Política del Paraguay, Paraguay
  183. Associação ReflorestarPT, Portugal
  184. BioPorto – Grupo de Acção Ambiental, Portugal
  185. Campo Aberto, Portugal
  186. CIDAC – Centro de Intervenção para o Desenvolvimento Amílcar Cabral, Portugal
  187. Ecomood Portugal, Portugal
  188. Palombar – Associação de Conservação da Natureza e do Património Rural, Portugal
  189. TROCA – Plataforma por um Comércio Internacional Justo, Portugal
  190. Center za trajnostni razvoj podeželja Kranj (Center for Sustainable Rural Development Kranj), Slovenia
  191. Focus Association for Sustainable Development, Slovenia
  192. Umanotera, Slovenia
  193. Framtidsjorden, Sweden
  194. Jordens Vänner / Friends of the Earth Sweden, Sweden
  195. Solifonds, Switzerland
  196. Genc Dusunce Enstitusu, Turkey
  197. Environmental Justice Foundation, United Kingdom
  198. Strategies for Ethical and Environmental Development (SEED), United States
  199. Coop. Comunidad del Sur, Uruguay
  200. REDES-Amigos de la Tierra Uruguay, Uruguay
  201. African Coalition on Green Growth, Zimbabwe
  202. Emmaus International Trust, Zimbabwe
  203. Zimbabwe Climate Change Coalition, Zimbabwe
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