Náaybi Lu’um: Das von indigenen Maya-Frauen erträumte Land
Mexiko: Vor vier Jahren wandten sich indigene Maya-Frauen an Rettet den Regenwald. Sie suchten Unterstützung für ihren Traum: Sie wollten ein agrarökologisches Modell und ein Naturschutzgebiet schaffen. Mit Spendengeldern halfen wir beim Kauf eines Grundstücks im Regenwald von Yucatán. Lesen Sie den Erfolgsbericht der Kooperative Túumben K’óoben.
„Wir haben vor 17 Jahren unsere Kooperative Túumben K’óoben gegründet“, erklärt Dulce Milagros Magaña. „Als indigene Basisorganisation arbeiten wir im Gemeindegebiet von Felipe Carrillo Puerto im mexikanischen Bundesstaat Quintana Roo. Dort, im Regenwald der Halbinsel Yucatán, verfolgen wir Maya-Frauen schon seit Längerem die immer stärker spürbaren Auswirkungen des Klimawandels mit Sorge und haben darüber nachgedacht, wie die Umweltauswirkungen verringert werden könnten.
Die Lösung: Wir helfen, die lokalen Prozesse zu verbessern, sowohl im produktiven Bereich als auch im Leben der kleinbäuerlichen Gemeinschaften. In den ersten Jahren konzentrierte sich unsere Arbeit auf einen besseren Schutz und Umgang mit den natürlichen Ressourcen in der Region. Veränderungen in der Lebensweise erfordern auch eine Veränderung der eigenen Denkweise.“
Sehr erfolgreich begannen die Frauen, die bisher üblichen offenen Feuerstellen durch wesentlich effektivere Kochstellen zu ersetzen. Das half nicht nur viel Brennholz einzusparen, sondern auch die Gesundheit besser zu schützen. Die Rauchentwicklung in den Öfen ist geringer und wird über ein Rohr direkt nach außen geleitet, so dass die Frauen beim Kochen nicht im Qualm stehen.
„Viele Jahre haben wir von einem eigenen Stück Land geträumt, auf dem wir Pflanzen anbauen konnten, um eine gesunde Ernährung zu gewährleisten. Und um dort Wirtschaftsaktivitäten aufzubauen, die unserer Lebensweise entsprechen und uns zu einem guten Leben im Einklang mit der Natur führen“, erklärt Dulce Milagros Magaña.
Doch es gab ein großes Hindernis: Die Maya-Frauen hatten kein eigenes Land und auch keine Rechte an gemeinschaftlich genutzten landwirtschaftlichen Parzellen, den sogenannten Ejídos, die von Männern dominiert werden.
Mit dem Bau des sogenannten „Maya-Zuges“, einem großen Infrastrukturvorhaben auf der Halbinsel Yucatán, schien der Erwerb eines Landstücks durch Túumben K’óoben in weite Ferne zu rücken. Denn das Prestigeprojekt des damaligen mexikanischen Präsidenten führte zu Grundstücksspekulation, rasant steigenden Preisen und beschleunigter Zersiedelung des Gebietes.
Dabei hatten die Frauen gerade ein ideales Grundstück mit Regenwald ausgemacht, das an einige Hektar Land grenzte, die sie bereits mit viel Mühe erworben hatten. Sie wussten, es ist der Lebensraum einer großen Artenvielfalt an Wildtieren.
„2022 ist unser Traum in Erfüllung gegangen. Mit der Unterstützung von Rettet den Regenwald haben wir das Grundstück gekauft, das wir Náaybi Lu’um nennen. In unserer Maya-Sprache bedeutet das Traumland.“
Danach haben die Mitglieder er Kooperative einen Bewirtschaftungsplan ausgearbeitet, um die optimale Aufteilung in Produktions- und Schutzflächen festzulegen, Regeln zu erlassen und Beschilderungen anzubringen. Mit dem Plan organisieren sie sowohl Naturschutzmaßnahmen als auch Aktivitäten im Bildungs- und produktiven Bereich. Dazu gehörten die Instandhaltung von Fahr- und Fußpfaden, der Anbauflächen und Gewässer sowie der Bau eines einfachen Gebäudes. Dort empfangen sie Besucher und führen Workshops, Kurse und Austauschprogramme durch, um Erfahrungen zu teilen. Seitdem haben sie begonnen, in ihrem kleinen agroökologischen Zentrum gesunde Lebensmittel zu produzieren.
Bewahren, dokumentieren und kommunizieren sind entscheidende Schritte, um das Leben zu schützen.
Überwachung der Wildtiere und Erhaltung des Regenwaldes in Yucatán
Auf dem Grundstück im Regenwald kombinieren sie traditionelles Wissen mit technischen Hilfsmitteln, um einen aktiven und ganzheitlichen Schutz des Ökosystems zu entwickeln. Zur Registrierung der Fauna haben sie selbstauslösende Wildtierkameras und bioakustische Aufnahmegeräte beschafft und an strategischen Punkten an Bäumen im Wald befestigt.
Die Kameras machten Aufnahmen von zahlreichen Tierarten, darunter Rehe, Pacas, Wildschweine und Jaguare. Zum Teil waren diese mit Jungtieren unterwegs, was die Bedeutung als Aufzuchtgebiet unterstreicht. Die akustischen Geräte zeichnen den Gesang von Vögeln und die Laute aller anderen Tiere auf. Außerdem führen sie Begehungen im Wald durch, um weitere Spuren zu erfassen: Fußabdrücke, Schlafplätze, Kratzstellen, Geruchsspuren, Exkremente, Federn, Haare, Nester und Höhlen. Und natürlich auch, um die Flora zu erfassen.
Von den mehr als 600 Tieren, die sie dank dieser Überwachungsaktivitäten aufgezeichnet und gesichtet haben, haben sie umfassende Bestandsaufnahmen erstellt. Fast 150 Tierarten konnten im Naturschutzzentrum identifiziert werden, mindestens 38 davon sind auf der Roten Liste der Internationalen Nuturschutzunion (IUCN) und der offiziellen mexikanischen Gefährdungs- und Schutzkategorien (Norm NOM-059) aufgeführt.
Zudem konnten sie beobachten, dass die gepflanzten Obstbäume – der Maya-Brotfruchtbaum (Brosimum alicastrum), Sapodillbaum (Manilkara zapota), Wildguave (Psidium sartorianum) und Kanistelbaum (Pouteria campechiana) – zusammen mit großen Baumarten im Regenwald wie Chacá (Indischer Kopalbaum - Bursera simaruba), Tzalam (Lysiloma latisiliquum), Yax Ek (Blauer Eisenholzbaum - Vitex gaumeri), Katalox (Mexikanisches Rosenholz- Swartzia cubensis) und Kitanché (Gaumer-Akazie - Acacia gaumeri) entscheidend sind, um Wanderkorridore für Tiere zu schaffen und die Lebensräume im Regenwald zu vernetzen. Manchmal dokumentieren die Kameras auch die harte Realität, wenn sie Fotos von unerwünschten Personen machen, die im Wald jagen.
„Mit all diesen Aktivitäten stärken wir die Verbindung zu unserem Territorium. Es ermöglicht uns, die Biodiversität, die dieses Gebiet bewohnt, kennenzulernen, zu schätzen und zu schützen.“
Warum ist die Überwachung der Biodiversität in Náaybi Lu’um wichtig?
Mit diesen laufenden Naturschutz- und agrarökologischen Maßnahmen wie den Obstbäumen, Gemüseanbau, der Produktion von Honig der stachellosen amerikanischen Melipona-Bienen und anderer Nutztiere sind die Mitglieder der Kooperative Túumben K’óoben ein Vorbild für agroökologisches Lernen im Gebiet der Gemeinde Felipe Carrillo Puerto.
2025 organisierten sie öffentliche Workshops zu den Themen Umweltbildung und Landschutz, um die lokale Bevölkerung in Naturschutzaktivitäten einzubeziehen und die Auswirkungen von Megaprojekten wie dem Maya-Zug und Massentourismus sichtbar zu machen. Im Rahmen eines Workshops zur akustischen Tierüberwachung, in dem die verwendeten Geräte vorgestellt, Geräusche interpretiert und Daten analysiert wurden, sensibilisierten sie die Bevölkerung für die Bedeutung eines gesunden Ökosystems.
„Indem wir zeigen, was in Náaybi Lu’um geleistet wird, wollen wir andere Gebiete positiv beeinflussen.“
Darüber hinaus haben sie mit Grund- und Vorschulkindern Informationsveranstaltungen über die lokale Tierwelt durchgeführt, um durch Spiel, Fantasie und Kunst eine Kultur der Achtsamkeit, des Respekts und der Wertschätzung für den Maya-Regenwald zu fördern. Die Kinder lernten Tierarten kennen, die in Náaybi Lu’um leben, darunter Jaguar (Panthera onca), Ozelot (Leopardus pardalis), Mexikanisches Aguti (Dasyprocta mexicana), Großer Helmhokko (Crax rubra), Temazate-Hirsch (Mazama temama) und Geoffroy-Klammeraffe (Ateles geoffroyi yucatanensis). Auf diese Weise wecken sie Einfühlungsvermögen, Neugier und Liebe zur Natur.
„Wir sind fest davon überzeugt, dass Bildung gleichbedeutend mit Naturschutz ist, und dass das Säen dieses Samens in der Kindheit der Schlüssel zum Schutz unseres Naturerbes ist.“
Um mehr über Tu’úmben Ko’oben und deren Regenwaldgebiet Náaybi Lu’um zu erfahren, können Sie sich das folgende Video auf Spanisch (4 Minuten) ansehen:
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